Zahl
Zahl. Als ursprünglichstes Hilfsmittel für das Zählen dienten wohl bei allen Völkern die Finger der beiden Hände, und dies bedingt zum voraus einen Vorzug der Zahlen 5 u. 10, wo es sich um Dinge des praktischen Gebrauchs handelt (beachte die Stufenfolge 5, 10, 20 in 4 Mo. 11,19). Als Zahlzeichen dienten den Hebräern die Buchstaben des Alphabets, in noch früherer Zeit wohl Reihen von senkrechten u. wagrechten Strichen, wie sie auch den Ausgangspunkt des röm. Ziffernsystems bilden.
Der religiösen Welt- und Lebensauffassung, welche in allem Geschehen eine sinnreiche Ordnung voraussetzt und erkennt, Ps. 104,24, ist es natürlich, auch die Zahl für nichts Zufälliges zu halten. Gott zählt die Sterne. Ps. 147,4, die der Mensch nicht zählen kann, 1 Mo. 15,5, und führt ihr Heer nach der Zahl heraus, Jes. 40,26, ja er zählt die Haare auf dem Haupt des Menschen, Mt. 10,30. Namentlich ist die Offenbarung reich an bedeutsamen Zahl, vergl. 7,4; 13,17 f. Über die symbolische Bedeutung der bibl. Zahl sind schon viel unbegründete Vermutungen aufgestellt worden; hier sei nur einiges über diejenigen Zahl bemerkt, deren Bedeutsamkeit am klarsten hervortritt.
Mit der Zahl eins verbindet sich der Begriff der Ungeteiltheit und Unumschränktheit, 5 Mo. 6,4; Mt. 23,8; das einzige Kind ist der Erbe der ungeteilten elterlichen Liebe, 1 Mo. 22,2; Ri. 11,34; Jer. 6,26; Mk. 12,6. Das Eine, was not ist, Luk. 10,42, beansprucht die ungeteilte Sammlung der Aufmerksamkeit und des Willens.
Zwei ist die Zahl der kleinsten Vereinigung, Mt. 18,19, die Zweiheit der Zeugen ist daher das vom Gesetz erforderte Minimum, 4 Mo. 35,30; 5 Mo. 19,15; Mt. 18,16, 19 f.; 26,60; Mk. 6,7; Joh. 8,17.
Die Dreizahl bedeutet die Überwindung des Gegensatzes, die einheitliche Zusammenfassung einer begrenzten, in sich gegliederten Mehrheit. Der Gedanke der Begrenzung tritt in dem dreimaligen Schlagen des Königs Joas, 2 Kö. 13,18, hervor. Dreimal. Wiederholung desselben Worts dient der Steigerung, Jes. 6,3; Jer. 22,29; Hes. 21,32. Drei Tage sind häufig die Vorbereitungsfrist für ein wichtiges, von Gott gewirktes Ereignis, 2 Mo. 19,11; Jos. 1,11; 1 Kö. 12,5; 2 Kö. 20,5; Jon. 2,1; Mt. 16,21; 1 Kor. 15,4. Dagegen werden wir uns enthalten müssen, schon im Alten Testament in der Dreizahl direkte Hinweisungen auf die Dreieinigkeit Gottes sehen zu wollen.
Vier als die Zahl der Weltgegenden, bezeichnet die erschöpfende Vollständigkeit der räumlichen Ausbreitung, Jes. 11,12; Jer. 49,36; Hes. 7,2; Mt. 24,31. Das Viereck bildet darum auch den Grundriß des neuen Jerusalem, Offb. 21,16.
Fünf bildet den ersten Einschnitt in der Zahlenreihe (s. o.). Fünf Personen sind so viel als eine Handvoll, 3 Mo. 26,8; Jes. 30,17. Ebenso sind 1 Kor. 14,19 fünf Worte beispielsweise für eine kleine Anzahl genannt.
Die Zahl sieben (s. Art. Sieben) gilt vorzugsweise als heil. Zahl Wenn die Feier des 7. Tags als Ruhetag an die Sitte eines größeren Völkergebiets anknüpft (s. Sabbath), so liegt es am nächsten, die Bedeutung der Siebenzahl daher abzuleiten. Immerhin bleibt es dabei richtig, daß 7 die Zahl des Bundes zwischen Gott und seinem Volk ist. Eine Siebenzahl von Tagen, 2 Mo. 12,15, Wochen, 5 Mo. 16,9, Monaten, Hes. 39,12, Jahren, 1 Mo. 29,18; 41,26 ff.; 2 Mo. 21,2, bildet eine abgeschlossene Periode. Siebenmaliger oder 7sacher Vollzug einer Handlung gilt als ihre erschöpfende Aussührung (7sache Nache, 1 Mo. 4,15; Ps. 79,12, Strafe, 3 Mo. 26,18, Heimsuchung, Hi. 5,19; Spr. 24,16, Besprengung, 3 Mo. 4,6, Waschung, 2 Kö. 5,10). Darum mochte auch Petrus glauben, mit 7 maliger Vergebung genug getan zu haben, Mt. 18,21. Auch sonst spielt die Zahl namentlich bei heiligen Dingen eine große Rolle (7 Opfertiere, 4 Mo. 29,2 ff., 7 Lampen des goldenen Leuchters, 2 Mo. 25,31 ff., 7 Säulen, Spr. 9,1). Noch sei erwähnt, daß das hebr. Wort für schwören ebenfalls mit dem Zahlwort 7 zusammenhängt. Eine ähnliche Bedeutsamkeit haben die Zahlen 70 Jes. 23,15; Jer. 25,11 f.; Dan. 9,24, 7000 (1 Kö. 19,18) u. 70 × 7 (Mt. 18,22).
Die Zahl zehn, mit welcher die Summe der veranschaulichenden Finger erschöpft ist, bezeichnet Vollendung und Vollständigkeit. 10 Brote sind hinlänglicher Vorrat für eine Reise. 1 Sa. 17,17; 1 Kö. 14,3; 10 malige Täuschung, 1 Mo. 31,7, oder Beleidigung, Hi 19,3, erschöpft die Geduld. Auch die Zehnzahl der Gebote, 2 Mo. 34,28, die gewiß nicht zufällig ist, gehört hieher, ebenso die Forderung des Zehnten, 3 Mo. 27,30. Ähnliches gilt von den Potenzen von Zehn: 1000, vgl. Ps. 90,4 und 10000, vergl. Ps. 91,7.
Die Bedeutsamkeit der Zahl zwölf und ihrer Vielfachen beruht auf der Zwölfzahl der Stämme Israels, 1 Mo. 49,28. Hier seien nur erwähnt die 12 Schaubrote, 3 Mo. 24,5 und die 24 Ältesten, Offb. 4,4.
Vierzig Jahre gelten als die Dauer einer Generation, 4 Mo. 32,13; 40 Tage, 2 Mo. 24,18; Mt. 4,2. Apg. 1,3 sind ihr verkleinertes Abbild.