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Wort

Wort.
1) Allen menschl. Vermögen gehen die göttlichen Kräfte voran. Wie unser Denken und unser Lieben vor und über sich göttliches Denken und Lieben hat, so daß wir darum, weil Gott denkt und liebt, auch unsererseits denken und lieben können, ebenso hat unser Reden vor und über sich Gottes Rede, und wir Menschen reden, weil Gott spricht. Das Wort war im Anfang, Joh. 1,1, weil Gott in sich selbst nicht stumm, sich selbst nicht unfaßbar, noch in seiner Äußerung gebunden ist. Darum geht das Wort aus ihm hervor, nicht als würde es erst durch das Wort in ihm hell, da in Gott nichts Dunkles ist, 1 Joh. 1,5. aber gerade darum, weil er Licht ohne Finsternis ist, kann er aussprechen, was in ihm ist. Dieses Wort ist nicht Schall, auch nicht nur Gedanke, es ist Kraft und Wesen, Leben und Geist. Es wendet sich nicht nach außen zur Kreatur hin, es war bei Gott, Joh. 1,1; ihm zugewandt bleibt es in der Einheit mit ihm, und Gottes ganze Lebensherrlichkeit geht in dasselbe ein, es ist selbst Gott, Gottes Sohn. Wenn das Wort zugleich der Sohn heißt, so ist es damit nach seiner Selbständigkeit beschrieben, durch die es ein eignes, personhaftes Leben hat, und indem der Sohn das Wort genannt wird, ist er nach seiner innigen Einheit mit dem Vater bezeichnet, an dessen Wesen er teil hat und aus dem ihm alles zukommt, was er ist. Das Wort wird Gottes Organ, durch welches er wirkt, Joh. 1,3, zur Schöpfung und vollends zur Erlösung: das Wort ward Fleisch, Joh. 1,14. Damit ist gesagt, daß Jesu Person dem Wesen und Leben Gottes angehört, daß er also die ganze Licht- und Lebensfülle Gottes in sich trägt, und dies dazu, damit er sie der Welt aufschließe und vermittle. Der Begriff „Wort“ war dem Evangelisten zu solchem Gebrauch durch die schriftgelehrte Theologie vorbereitet, und zwar nicht nur auf griechischem (Philo), sondern auch auf paläistinensischem Boden. Die Schriftforschung Israels war darauf aufmerksam geworden, daß das Wort Gottes das Band bildet zwischen ihm und der Welt, durch welches Gott in die Welt eingeht u. in ihr gegenwärtig ist. Johannes benützte diesen Begriff, um Jesu Herrlichkeit unserm Denken zugänglich zu machen, soweit dies möglich ist. —
2) Gott hat durch die Propheten und im Sohne geredet, Hbr. 1,1. Indem Gott Männer zu seinem Dienst berief, mit denen er inwendig im Geiste redete und die er als seine Boten sandte, entsteht ein Wort Gottes unter den Menschen, Jes. 1,10 u. oft. Diese Wort Gottes empfangen zu haben, macht den großen Vorzug Israels aus, Röm. 3,2. Auch das Amt des Sohnes war zunächst Lehrarbeit, er gibt den Seinigen seine Wort als den Samen des Himmelreichs, Mt. 13,18 ff. Sie bilden sein Erkennungszeichen, an dem sein Verhältnis zum Vater uns wahrnehmbar werden soll, Joh. 8,43. 47. Das Lehramt Christi setzt sich in demjenigen seiner Boten fort; auch ihr Wort ist Gottes Wort, weil es von Christo im Geiste empfangen ist, 1 Th. 2,13; 1 Kor. 2,12 ff. Darum heißt es oft „das Wort“ schlechthin, ähnlich wie die Bibel „das Buch“ genannt worden ist, Apg. 11,19; 16,6; 17,11 usf. Es bewährt seinen Ursprung aus Gott im Reichtum seiner Wirkungen: es ist Geist und Leben, Joh. 6,63. 68, Reinheit für die, welche es aufnehmen, Joh. 15,3, Kraft zur Seligkeit, 1 Kor. 1,18; Röm. 1,16, das zur Kindschaft neugebärende, 1 Pe. 1,23; Jak. 1,18. 21, das den Glauben in uns weckende, Röm. 10,8. 17. Das kann es, weil Gott mit all seiner Macht und Gabe zu ihm steht. Es gibt aber auch einen Gebrauch des Wort, der die in ihm lebendige Kraft nicht empfängt, dann nämlich, wenn wir es in uns nur Gedanke und Wort, vielleicht sogar eine Wortweisheit, aber nicht Wille und Werk wirken lassen, 1 Kor. 1,17; 2,1; Jak. 1,22. Dem gegenüber gilt, daß Gottes Reich nicht Wort, sondern Kraft ist, 1 Kor. 4,20. Im Blick auf einen Besitz des Wort, der es wohl hört, aber ihm nicht untertan wird in Glaube und Geduld, erinnert der Hebräerbrief an die richterliche Macht des göttlichen Wort, das sich nicht ungestraft mißachten läßt, vielmehr dem Schwerte gleich die Gebeine zerbrechen und von der Seele den belebenden Geist scheiden kann, wie es Israel in der Wüste erfuhr, da es an seinem Ungehorsam gegen das göttliche Wort verdarb, Hbr. 4,12. —
3) Art und Charakter unserer Rede ist bedingt durch das, was unser Herz füllt, weshalb unsere Wort ebenso gut als unsere Werke zum Grunde des göttlichen Urteils über uns werden können, weil sie wie jene das Trachten unsers Herzens offenbaren, Mt. 12,37. Auch das Wort fehllos zu machen, so daß kein unnützes, unfruchtbares unter denselben sei, Mt. 12,36, ist die höchste Aufgabe unserer Heiligung, das Merkmal christl. Vollkommenheit, Jak. 3,2, vgl. Eph. 4,29. Darum sind wir gemahnt, Christi Wort uns reichlich anzueignen, Kol. 3,16, damit, so jemand redet, er es rede als Gottes Wort 1 Pe. 4,11, nicht mit leerer Prahlerei, sondern so, daß das Herz u. dadurch auch das Wort eingeht in Gottes Sinn.
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