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Wille

Wille, wollen.
1) Das Geistige in uns ist mit der Natur, in die uns Gott hineingestellt hat, aufs engste verbunden, doch nicht so, daß es von derselben nur abhängig wäre, so daß die von der Welt durch den Dienst unseres Leibes uns zuströmenden Eindrücke und Reize das einzige wären, was uns bewegte und bestimmte. Vielmehr tragen wir neben unserer Empfänglichkeit für die Eindrücke der Natur auch die Kraft in uns, aus uns selbst Wirkungen hervorgehen zu lassen, deren Quelle unser eignes Wesen ist, so daß sie unsere Taten bilden. Dieses Vermögen, von innen heraus in eigenem, neuem Anfang wirksam zu werden, ist unser Wille, wollen Er ist die Krone unserer geistigen Natur, das unerforschliche, wunderbare Geheimnis unseres Lebens, ein wesentliches Stück unserer Gottesebenbildlichkeit, das uns im Maße der Kreatur Anteil an der königl. Selbständigkeit und Freiheit Gottes gibt. Der Anfang u. Ursprung des Wille, wollen ist die Wahl, doch besteht das Wille, wollen nicht nur im Wählen, sondern aus der getroffenen und geschlossenen Wahl tritt der Wille, wollen sodann in seine beharrliche Festigkeit ein. Dabei sind alle Kräfte der Seele, vor allem auch die erkennenden, in ungetrennter Einheit mitwirksam Jene halten dem Wille, wollen die mancherlei Wege u. Ziele vor, zwischen denen er seinem eigenen Antrieb folgend wählt, so daß Vernunft und Wille, wollen in engster, gegenseitiger Abhängigkeit voneinander stehen. Wir wollen nach unseren Gedanken und denken nach unserem Wille, wollen Während unser Erkennen die Pforte ist, durch die der Wille, wollen angesprochen und geweckt wird, ist dieser der Herr, der unseren Gedankenlauf gestaltet und regiert, und es faßt darum die Schrift beide in ihrer einheitlichen Wurzel zusammen als unser Herz. Der Bereich unsers Wille, wollen und Wählens erstreckt sich nicht nur auf die natürlichen Dinge, sondern auch auf Gott. Dies zeigt sich darin, daß Gott uns unter das Gesetz stellt. Indem er spricht: du sollst, sucht und erwartet er unsere einstimmende Antwort: ja, Herr, ich will! Sein Gebot wirbt um unsern Wille, wollen, daß er das wähle, was Gott wohlgefällig ist. Dabei achtet Gott die Selbständigkeit, die er unserm Wille, wollen gegeben hat, auch dann, wenn er das Böse wählt. Ihr habt nicht gewollt, sagt Jesus von Jerusalem, Luk. 13,34, und vor ihrem Nichtwollen zieht er sich zurück, so sehr er sich ihrer erbarmt, ohne ihren bösen Wille, wollen mit Zwang in sein Gegenteil zu verkehren. Zwischen Gottes Gesetz und unserem Wille, wollen besteht eine innerliche Naturverwandtschaft: wir willigen in das Gebot Gottes, sowie es in unsere Erkenntnis tritt, Röm. 7,16. Aber in unserem sündigen, gefallenen Zustand ist unser Wollen in Ohnmacht gebunden; es steht ihm das Gesetz in unsern Gliedern entgegen, die unordentlichen Triebe und sündigen Begehrungen, die aus unserer seelischen und leiblichen Organisation mit naturhaftem Zwang hervorbrechen und denen unser auf das Gute gerichteter Wille, wollen unterliegt, so daß wir den Wille, wollen des Fleisches und der in leeren Gedanken sich verirrenden Vernunft tun, Eph. 2,3. In diesem Zustand unseres Wille, wollen besteht vor allem unsere Erlösungsbedürftigkeit. Darum geht die Gnade über das Gesetz hinaus und spricht nicht nur unsern Wille, wollen an, sondern schafft Wille, wollen und Vollbringen in uns, Phi. 2,13. Insofern, weil die Gnade Gottes lediglich aus seiner eigenen Güte entspringt, welche gibt, weil er gütig ist und nicht um deswillen, was wir sind und tun, liegt unsere Gotteskindschaft nicht an unserm Wille, wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen, Röm. 9,16. Doch unterdrückt die Gnade den Wille, wollen nicht, wird uns vielmehr dazu gegeben, damit ein guter, mit Gottes Wille, wollen einstimmiger Wille, wollen in uns entstehe, stark werde u. regiere. Gott hat sein Geben mit unserem Bitten, sein Erleuchten mit unserem Wille, wollen zu lernen, sein Heiligen mit unserem Willen der Sünde tot zu sein und ihm zu leben, untrennbar verbunden, so daß das eine dem andern ruft und eine hohe, herrliche Mitarbeit des Menschen mit Gott daraus entsteht. Gerade deshalb, weil Gott uns Wille, wollen und Vollbringen gibt, liegt uns ob: schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern, weil uns nun durch Gottes Gabe das Wille, wollen und Vollbringen erreichbar ist, Phi 2,13. Dabei hat die Furcht deshalb ihre bleibende Stelle, weil unsere Gemeinschaft mit dem Herrn, so lebendig und kräftig sie werden mag, als ein Teilhaben an seinem Tod und Leben, als Besitz seines Geistes und Einpflanzung in ihn als den wahrhaftigen Weinstock, nie naturhaft wird, sondern stets durch unsern Wille, wollen hindurch sich vollzieht, weshalb wir sie auch stets wieder durch bösen Wille, wollen zerstören können, Mt. 5,13; Joh. 15,2; Röm. 6,11 ff.; Kol. 3,5 ff. Doch führt ein rechtschaffenes Christenleben Wachstum u. Befestigung des Wille, wollen mit sich; jeder wohlbestandene Kampf, jede überwundene Versuchung, jede treu benützte Gabe binden unsern Wille, wollen fester an Gott und machen es ihm schwerer, sich von ihm zu lösen, und für das verklärte Leben dürfen wir hoffen, daß dann unser Wille, wollen nicht mehr im Wählen stehe, sondern in ein seliges Gewählthaben getreten sein wird, das nun ewige Festigkeit besitzt. —
2) Hoch über allem menschlichen Wollen steht Gottes Wille, wollen als das vollkommene Urbild desselben. Weil es in Gott nichts Dunkles, Unbewußtes, Abhängiges gibt, geht alle Wirkung Gottes von seinem Wille, wollen aus. Durch ihn sind wir geschaffen, Offb. 4,11, und durch ihn neu geboren, Jak. 1,18; Eph. 1,5. Er ist der königl. Wille, wollen, dessen allein entscheidende Geltung wir allezeit anzuerkennen haben, Jak. 4,15, nach dem wir unser eigenes Wollen gestalten müssen, Mt. 6,10; 26,42; Mt. 7,21; 12,50; 1 Joh. 2,17. Dies setzt die Erkenntnis seines Wille, wollen voraus. Nach seinen umfassenden, unwandelbaren Grundzügen ist er uns in seinem Wort geoffenbart; er gestaltet sich aber für jeden einzelnen Menschen individuell, da jeder seinen besondern göttl. Beruf hat, und hier ist das Mittel, den Wille, wollen Gottes zu erkennen, nicht Los und Zeichen, sondern die Erneuerung unseres Sinnes, Röm. 12,2; Kol. 1,9; 4,12, durch welche wir da, wo uns Weisheit mangelt, in den Stand gesetzt sind, sie zu erbitten und zu empfangen, Jak. 1,5.
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