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Werk

Werk, wirken.
1) Gottes Grundregel, welche alles göttlict e Segnen und Richten, Begnaden und Zürnen regiert, lautet: Preis jedem, der das Gute tut, Röm. 2,9. 10. Was wir an Gedanken, Wünschen und Entschlüssen in uns tragen, ist für sich allein etwas Unvollständiges und Unfruchtbares. All dies gelangt erst damit zu seinem Ziel u. Resultat, daß es in unser Tun übergeht und zum Werk, wirken führt. Darum ergeht Gottes Gericht über die Werk, wirken der Menschen, Jer. 17,10; Spr. 24,12; Mt. 16,27; Röm. 2,6; 2 Kor. 5,10; 11,15; 1 Pe. 1,17; Offb. 20,12; 22,12. Denn der Richter fragt nach der Frucht unseres Lebens, nach dem, was als sein Resultat u. Ergebnis aus ihm erwachsen ist und den reellen Charakter und Bestand desselben offenbart, und das ist unser Werk, wirken Dazu sind wir geschaffen und in Christo neu geboren, daß wir in guten Werk, wirken wandeln, Eph. 2,10, und die Größe der Gabe Christi zeigt sich darin, daß aus ihr ein Mensch Gottes entsteht, welcher zu jedem guten Werk, wirken geschickt ist, 2 Tim. 3,17. Die Grundlage des Christentums ist deshalb Abkehr von den toten Werk, wirken, welche als sündige nicht aus wahrhaftigem Leben entstehen und auch nicht zum Leben helfen, sondern mit Tod behaftet sind, Hbr. 6,1; 9,14. Nun scheidet die Schrift Glaube und Werk, wirken voneinander: im Glauben erwarten wir, daß Gott für uns handle, im Werk, wirken handeln wir für Gott und für den Nächsten; im Glauben verhalten wir uns empfangend, im Werk, wirken tätig. Darum gehören die Werk, wirken dem Gesetze zu, Röm. 3,20. 28; Gal. 2,16; 3,2; denn das Gesetz gibt und schenkt uns nichts, weshalb ihm in unserem Verhalten nicht Glaube entsprechen kann, Gal. 3,12, sondern es fordert, es spricht unsern Willen an, damit wir selbst in eigener Tat das, was gut ist vor Gott, hervorbringen. Darum findet das Gesetz in nichts anderem als im Werke seine Erfüllung und alle Kenntnis und jeder Ruhm des Gesetzes ist null und nichts, wenn das vom Gesetz geforderte Werk, wirken uns fehlt, Röm. 2,17 ff.; 7,24. Andererseits haben bei Christo und der von ihm uns gebrachten Erlösung und Rechtfertigung die Werke keine Stelle, sondern nur der Glaube. Denn Christus kommt als der gebende, als der Träger der freien Gnade Gottes, die in Jesu Sterben und Auferstehen unsere Sünde sühnt, uns Gerechtigkeit zuspricht und Leben schenkt, so daß unser Verhalten Christo gegenüber nur Glaube sein kann, welcher das, was Gott für uns getan und uns gegeben hat, dankbar bejaht und als gültig, fest und kräftig anerkennt. Die Frage, ob Werk, wirken oder Glaube der Grund unserer Gerechtigkeit seien, hat den Sinn, ob wir dieselbe darum gewinnen, weil sie Gott uns gibt, ja vielmehr in Christo gegeben hat, oder ob wir sie bei uns selber suchen müssen. Diese Frage kann niemals anders beantwortet werden als mit Pauli Wort: ohne des Gesetzes Werk, wirken durch Glauben, also durch Glauben allein, vgl. Röm. 3,21 ff.; Eph. 2,8 ff. Hier zerstört jede Einmischung der Werk, wirken die Glaubensstellung in ihrem innersten Grund, weil der Glaube absieht von sich und auf Christus blickt und das, was er ist und gibt, an sich zieht. Darum geht der, welcher glaubt, nicht mit Werk, wirken um, Röm. 4,3 ff. Nun ist aber der Glaube nicht nur Erwartung künftiger Güter, sondern er hat es mit dem für uns gestorbenen und für uns lebenden Herrn zu tun, deshalb empfangen wir, was wir glauben. Und damit ist im Glauben der lebendige, krästige Grund zu einem neuen Werk, wirken gelegt, das nicht mehr des Gesetzes Werk, wirken ist, weil Christus für uns an die Stelle des Gesetzes trat, in welchem aber das göttliche Gebot zur vollen Erfüllung gelangt, Röm. 6-8. Wir können den Tod Christi nicht glaubend bejahen, ohne damit selbst der Sünde gestorben zu sein, Röm. 6,2, und wir können ihn nicht im Glauben als lebend erfassen, ohne ihm und in ihm Gott zu leben, wie denn der Glaube der Quellpunkt der Liebe ist, in welcher er ein Organ erhält, durch das er tätig wird, Gal. 5,6 Wenn unser Glaube nicht vermag, unser innerstes Herz zu bewegen und zur Arbeit zu treiben, die Gott im Bruder dient, so ist er nichts, 1 Kor. 13,2, und wir sterben an unserm Sündigen, Röm. 8,13; 6,23. Darum vergleicht Jakobus den Glauben dem Leibe und die Werk, wirken dem belebenden Geiste, Jak. 2,26, weil gleichwie der Leib für den Geist als sein Organ gebildet ist, so auch der Glaube uns als Ausrüstung und Kraft zum Werk, wirken gegeben wird und weil, wie die Scheidung vom Geiste den Leib tötet, so auch die Trennung vom Werk, wirken den Glauben frucht- und heillos macht. Darum vergleicht er den Glauben ohne Werk, wirken weiter jener Barmherzigkeit, die nur mitfühlende Worte hat, 2,15 f., weil derjenige, welcher nur glauben, aber für Gott nichts tun will, Gott auch nur Worte gibt. Darum erinnert er an die Dämonen, die von der Macht der Wahrheit gebunden, Gott nicht leugnen können, also glauben, denen aber ihr Glaube nicht zur Gerechtigkeit und Erlösung wird, vielmehr zum Quell der Höllenangst, weil in ihnen wider ihren Glauben ein teuflisches, Gott hassendes Wollen steht. Darum weist er auf den aus Glauben gerechtfertigten Abraham, mit dessen Glauben sich Gott nicht begnügte, von dem er vielmehr den Sohn forderte, und hätte ihm Abraham den Sohn verweigert, so wäre er nicht gerecht gewesen. Ebenso ist die glaubende Gemeinde in ihrem Glauben nicht vom Werk, wirken dispensiert, vielmehr durch denselben berufen u. befähigt, alles für Gott zu tun. Der Lehrgang des Paulus und Jakobus ist unverkennbar je ein eigenartiger, aber gerade diese Verschiedenheit bildet eine große Herrlichkeit und Zierde der Schrift. Es prägt sich in ihr der Wettstreit der Liebe aus. Paulus preist die göttliche Liebe, und dazu ist ihm kein Wort zu hoch: alles ist uns im Glauben und nur in ihm geschenkt, es ist lauter Gnade; Jakobus ruft uns zur Liebe Gottes auf: was willst du, Mensch, Gott geben? Glauben gewiß! aber nur das? willst du nichts für Gott tun? Und nun ist auch ihm kein Wort zu scharf, das uns aus dem eiteln Glaubensruhm heraus zum Werk, wirken treiben kann. Weiter ist zu beachten, was Jesus Nikodemus am Schlusse seiner Rede zu bedenken gab, Joh. 3,19-21, daß nämlich der Glaube schon in seinem Ursprung vom Werk, wirken abhängt. Denn je nachdem unser Werk, wirken in Gott getan oder schlecht ist, geht der innere Zug und Trieb des Herzens zum Licht oder weg vom Licht. Je nach der Weise, wie wir w., erhält und mehrt sich oder zerstört sich unsere Glaubenskraft und Fähigkeit. Auch den Glauben selbst heißt Jesus ein Gott dargebrachtes Werk, wirken, Joh. 6,29, im Gegensatz zu den Juden, die bei Jesu Mahnung nur an irgendwelche gesetzliche Leistungen denken. Glaube an ihn, und nicht irgend welche anderen Werk, wirken, ist das Werk, wirken, das ihnen Gott gegenüber obliegt und das ewige Leben bringt. Der Glaube kann so genannt werden, weil er alle Geisteskräfte des Menschen in Bewegung und Tätigkeit versetzt, so sehr er lediglich Hinnahme des von Gott in Christo uns Gegebenen ist. —
2) Jesus weist auf seine Werk, wirken als auf den letzten kräftigen Grund des Glaubens hin, aus dem derselbe auch dann noch, wenn sein Wort nicht gefaßt wird, entspringen kann und soll, Joh. 10,37; 14,11. Denn wie sein Wort, so sind auch seine Werk, wirken die Offenbarung seiner Gottessohnschaft. Aus dem Vater sind sie geschöpft, Joh. 5,17, vom Vater ihm gegeben und gezeigt, Joh. 5,20. 36, ja vom Vater, der in ihm wohnt, selbst getan, Joh. 14,10. Darum sind sie Jesu Zeugen, Joh. 5,36. So entsteht auch die Erkenntnis Gottes aus seinen Werk, wirken Die Himmel verkündigen, wie Gottes Hände w., Ps. 19,2, so daß Gott allen offenbar ist, weil allen durch die Schöpfung seine Werk, wirken sichtbar sind, Röm. 1,20.
— Vergl. Werk Christi im Kirchenlex. II, 934 f.
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