Wehe
Wehe, das Gegenteil von „Selig“ oder „Wohl dem“ (Pr. 10,16. 17; Jes. 3,9-11).
1) Aussage bedauerl. Unglücks über sich (1 Sa. 4,7. 8; Klgl. 5,16; Jes. 6,5; Ps. 120,5) oder andere (Pr. 4,10; Spr. 23,29). —
2) Wünschend und weissagend:
a. Die Propheten haben viel Weh, durch den Abfall von Gott verursacht, zu verkünden (Hes. 2,10; Hos. 7,13; 9,12). Jesaja spricht 6 Wehe aus gegen Latifundien, Schwelgerei, starke Geister, Verkehrung der Moral, untheokratische Staatsklugheit und Rechtspflege (5,8. 11. 18. 20. 21. 22, vgl. 1,4; 10,1; 30,1), auch gegen die Kritiker des verborgenen göttlichen Waltens (45,9); Habakuk 5 Wehe gegen den unsittlichen, grausamen chaldäischen Eroberer (2,6. 9. 12. 15. 19, vgl. Jer. 50,27). Die 3 apokalypt. Wehe (Offb. 8,13; 9,12; 11,14) sind die drei letzten Posaunen, gesteigerte Gerichte aus der unsichtbaren Welt. Wehe, w. wird von den Beteiligten dreimal über den Fall des geistlichen Babels gerufen (18,10. 16. 19).
b. In den Wehrufen Christi zum Beispiel über Chorazin (Mt. 11,21), über die ärgernisvolle Welt (Mt. 18,7), über Judas (Mk. 14,21) liegt noch größere, weil weltrichterliche Majestät. In der Bergpredigt des Lukas stehen den 4 Seligkeiten 4 Wehe als Kehrseite entgegen (Luk. 6,24-26), und die Polemik Christi gegen den Pharisäismus gipfelt in den gewaltigen 8 Wehe gegen dessen falsche Seelenführung, Erbschleicherei, Proselytismus, Kasuistik, Mückenseigen, Heuchelei, Geistestod, falschen Kultus der Vorzeit (Mt. 23,13. 14. 15. 16. 23. 25. 27. 29, vgl. Luk. 11,42ff.).