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Wagenrad

Wagen, Wagenrad.
1) Die ältesten Wagen, Wagenrad sind ein primitiver, auf einem als Achse dienenden Querholz ruhender Kasten, von zwei Rädern fortbewegt. Die ältesten Räder scheinen ganze (nicht durchbrochene) Scheiben gewesen zu sein. Die Bespannung vollzog sich, wo mehr als zwei Tiere zur Verwendung kamen, in der Art, daß nicht mehrere Tiere hintereinander, sondern nebeneinander gehen. Mit dem Fortschreiten der Kultur verliert auch der Wagen, Wagenrad seine ursprüngliche Einfachheit. An Stelle der glatten Scheibe tritt das mehrfach durchbrochene Rad, und das Bedürfnis erhöhter Haltbarkeit mußte auf die Anwendung von Speichen und damit auf die Zusammensetzung aus mehreren Bestandteilen führen (ein äußerer, weiterer Ring, der Radkranz, wird mit einem inneren, kleineren, auf der Achse aufliegenden, der Nabe, durch eine Anzahl Stäbe, die Speichen, verbunden). Ebenso bietet der Radkasten, die Deichsel und selbst der an das Joch angelegte, vorn an der Deichsel befindliche Querbalken dem fortschreitenden Kunstsinn reichliche Gelegenheit zur Anwendung von Verzierungen aller Art. Zum Reisen wird der Wagen, Wagenrad im Morgenland bei dem bekannten Mangel an gepflegten Fahrstraßen wenig verwendet. Damit hängt es auch zusammen, daß wir auf den alten Bildwerken fast nur auf dem Wagen, Wagenrad stehende Personen wahrnehmen (). Zum Sitzen eingerichtete Wagen, Wagenrad sind weit seltener, obwohl sie nicht ganz gefehlt haben können, denn wir können uns den im Wagen, Wagenrad von Kanaan nach Ägypten reisenden greisen Jakob (in der Regel freilich wird, wenn nicht zu Fuße, auf dem Esel, seltener dem Kamele gereist) schwerlich als die ganze Reise über stehend denken (vgl. 1 Mo. 45,19. 27). Ebenso treffen wir in späterer Zeit den Kämmerer aus Mohrenland auf der Reise im Wagen, Wagenrad sitzend (Apg. 8,28).
Unter dem „Wagenrad“ Jes. 28,27. 28 ist das Rad des Dreschwagens (vgl. d. Art. Ackerbau) verstanden. —
2) Schon das hebr. Altertum kennt in der Hauptsache 2 Arten von Wagen, Wagenrad, den schwerer gebauten Lastwagen und den leichter und eleganter konstruierten, der schnellercn Beförderung von Personen dienenden Luxus- (im Altertum auch Kriegs-) Wagen, Wagenrad Der erstere heißt im Hebr. agalah, der zweite rekheb. Ein Lastwagen der ersteren Art (wohl auf 4 Rädern stehend) ist es, der die Bundeslade aus dem Lande der Philister nach Bethsemes zurückbringt (1 Sa. 6,7 ff.), auf dem später durch David daßelbe Heiligtum vom Hause Abinadabs nach Jerusalem gebracht wird (2 Sa. 6,3). Beidemal ist der Wagen, Wagenrad mit Kühen bespannt. Solcher Art sind wohl auch die Lastwagen, welcher sich nach Jes. 2,7; Mi. 5,9 das Heer (wohl zum Nachtransportieren des Gepäckes) bedient, falls dort nicht geradezu Kriegswagen gemeint sind. Auch die obenerwähnten von Joseph aus Ägypten gesandten Reisewagen mögen, da sie eine größere Anzahl von Personen zu befördern haben, in diese Kategorie gehören (1 Mo. 45,19 ff.; 46,5). Ebenso gehören die Offb. 18,13 genannten Wagen, Wagenrad hierher.
— Viel häufiger dagegen wird die andere Art von Wagen, Wagenrad genannt: der Luxus- u. Staatswagen u. besonders häufig der Kriegswagen. Innerhalb der Bibel treffen wir diesen Wagen, Wagenrad zuerst in Ägypten an: Pharao läßt Joseph auf seinem königl. Prunkwagen durchs Land fahren; Joseph fährt auf seinem Wagen, Wagenrad Jakob entgegen; Jakobs Leiche wird von Wagen, Wagenrad (und Reitern?) feierlich nach Kanaan geleitet; Wagenkämpser jagen dem ausgezogenen Israel nach (1 Mo. 41,43; 46,29; 50,9; 2 Mo. 14,6 ff.; 15,4). Kriegswagen treffen wir sodann bei den Kanaanitern im Kampfe mit Israel (Jos. 11,4 ff.), von Israel selbst aber werden sie vorläufig noch verschmäht; erst Salomo hat sie als selbständigen Bestandteil ins israelit. Heer eingeführt (vgl. den Art. Krieg, wo auch die Abbildungen assyr. und ägypt. Kriegswagen nachzusehen sind).
Die Bemannung dieses Wagen, Wagenrad besteht in der Regel aus dem Kämpfer (bezw. Könige oder vornehmen Staatsbeamten) selbst und einem Wagenlenker (1 Kö. 22,34: Fuhrmann, zuweilen scheint auch noch ein dritter als Schirmhalter oder zu sonstiger Dienstleistung (Speerträger) auf dem Wagen, Wagenrad gestanden zu haben. Nicht selten liefen vor dem Wagen, Wagenrad der ausfahrenden Grossen auch noch eine Anzahl Läufer einher (1 Sa. 8,11); bei den Assyrern finden sich bei der Fahrt im Schritt (zum Beispiel auf einer Darstellung Tiglatpilesers, die wohl eine Begrüssungs- oder Huldigungsszene widergibt) auch noch Diener, welche die Pferde am Zügel führen. Die Bequemlichkeit dieser wie der andern Wagen, Wagenrad dürfen wir uns, vollends bei der Beschaffenheit oriental. Wege, nicht allzu groß denken. Schon dies erklärt es, daß man Reisen lieber ohne W machte. Von Federn oder einer ähnlichen Vorrichtung, um die Erschütterung des Wagen, Wagenrad nicht unmittelbar auf die Insassen zu übertragen, weiss das Altertum nichts. Kutschwagen, in denen der Sitzraum auf Riemen (später durch Federn ersetzt) hängt und damit von der Bewegung der Axe unabhängiger gemacht ist, sind erst eine Erfindung des späteren Mittelalters.
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