Zum Inhalt

Vollkommen

Vollkommen, Vollkommenheit ist, was seinem Wesen und seiner Bestimmung entspricht,
1) Gott ist der uneingeschränkt Vollkommen, Vollkommenheit in seinem Wesen (Mt. 5,48), Denken (Hi. 37,16), Wollen (Röm. 12,2) und Wirken (Sir. 18,1). Darum geht auch B. nur von ihm aus, und was von ihm ausgeht, ist v., Jak. 1,17. In demselben Mass wie Gott, nur durch die Kämpfe des irdisch-zeitlichen Lebens hindurchgegangen und in seiner Sündlosigkeit bewährt (Hbr. 2,10), ist auch Christus v. und darum gegenüber den unvollkommenen Hohenpriestern des A. B. der v. Hohepriester geworden, Hbr. 7,28, vgl. 2,17; 4,15; —
2) Bei Menschen kann von Vollkommen, Vollkommenheit nur verhältnisweise die Rede sein. So bei Israel, als dem gottbefreundeten Volk (Jes. 42,19) gegenüber den Heiden, bei den Christen dem A. B. gegenüber (Kol. 2,9. 10), bei den Geförderten gegenüber von Anfängern in der Erkenntnis und im Fleiss der Heiligung (1 Kor. 2,6; Phi. 3,15; Hbr. 5,14). Eine völlige Erfüllung des ganzen Gesetzes in Gesinnung und Wandel ist unter Menschen nicht zu finden, Jak. 2,10; 3,2, vgl. Hbr. 7,19; 9,9; 10,1. Wohl aber gibt es eine evang. Vollkommen, Vollkommenheit, bei der die völlige Liebe Gottes als neugestaltende Lebensmacht offenbar wird, 1. Joh. 2,5. Vollkommen, Vollkommenheit in diesem Sinn ist, wer von Christo ergriffen, der Vollkommen, Vollkommenheit nachjagt, Phi. 3,12, und unter der Zucht der Schrift (2 Tim. 3,17), in Selbstverleugnung und hingebungsvoller Liebe (Mt. 19,21), besonders aber in der rechten Liebesgemeinschaft mit Gott und den Glaubigen (Joh. 17,23; 2 Kor.13,9. 11; Kol. 3,14), in das Mannesalter Christi hineinwächst, 1 Kor. 14,20; Eph. 4,13. Das Ziel wird nicht hienieden, sondern erst im Erbteil der Heiligen im Licht erreicht, 1 Kor. 13,10; Phi. 3,12. —
3) Sonst steht v. von der völligen Freude (Joh. 16,24), vom Glauben hinsichtlich seiner Bezeugung und Ausreifung in den Früchten christlichen Lebens (Jak. 2,22), von der Liebe als dem Band der Vollkommen, Vollkommenheit (s. Band, Kol. 3,14), von den tieferen Heilslehren gegenüber den Elementarlehren (Hbr. 6,1), von der v. gültigen Versöhnung (Hbr. 7,11) und von der im Vergleich mit dem „Heiligen“ der Stiftshütte vollkommeneren Hütte, durch die Christus als Hohepriester ins Allerheiligste eingegangen, womit die im Fleische Christi auf Erden sich offenbarende Gottesgegenwart gemeint ist, durch welche hindurch er ins himmlische Allerheiligste, das heißt zur v. Gottesherrlichkeit einging (Hbr. 9,11).
Zur Übersicht