Vernunft
Vernunft, vernünftig. Vernunft bezeichnet das Vermögen des Menschen, etwas zu vernehmen, zu verstehen; im Unterschied von den unvernünftigen Tieren, Wsh. 11,15; 2 Petr. 2,12, oder auch von den durch Wahnsinn ihrer Vernunft, vernünftig beraubten Menschen (Dan. 4,31. 33; Mk. 5,15). Seine Vernunft, vernünftig soll der Mensch brauchen zunächst in irdischen Dingen, beim Reden und beim Handeln (Spr. 13,16; 18,15; 19,2; 20,18; 23,12). In Beziehung auf göttl. Dinge denkt die heilige Schrift zunächst nicht an einen Gegensatz der Erkenntnis, welche der Mensch durch seine eigene B. findet, und der ihm von Gott geoffenbarten Wahrheit. Denn dem Frommen wird alle „Vernunft, vernünftig“ von Gott gegeben (Pr. 2,26); was aber der Gottlose „aussinnt“, wird gar nicht als v. anerkannt, mag es auch noch so blendend aussehen. Das allerdings weiss das Neue Testament, daß es auch einen Vernunftgebrauch gibt, der vom Evangelium wegführt, weil er von den Gott und Christus feindlichen Gedanken geleitet wird. In diesem Sinn heißt es Kol. 1,21: „ihr waret Feinde (Gottes) durch die Vernunft, vernünftig in bösen Werken“ (genauer: ihr waret Feinde in eurem Sinn); Eph. 2,3: „wir taten den Willen des Fleisches und der Vernunft, vernünftig“, nämlich der vom fleischlichen Wesen des ganzen Menschen angesteckten Vernunft, vernünftig (vergl. Kol. 2,18, fleischlicher Sinn). 2 Kor. 10,5, wir nehmen gefangen alle Vernunft, vernünftig unter den Gehorsam Christi. Hier ist vor allem zu beachten, daß Paulus das nicht mit Beziehung auf seine eigene Vernunft, vernünftig sagt, sondern mit Beziehung auf seine korinthischen Gegner, die ihm mit scheinbaren Vernunftgründen entgegentreten; das „Gefangennehmen“ aber besteht nicht darin, daß dieselben wider besseres Wissen nachgeben, sondern daß sie von der Geisteskraft des Apostels überwunden und überzeugt werden. Und daß die Vernunft, vernünftig auch an Gottes Willen und Weisheit ein Wohlgefallen finden kann, bezeugen die Stellen Röm. 7,23, wo von einem Gesetz in der Vernunft, vernünftig (Luther: Gemüt) die Rede ist, und Vernunft, vernünftig 25, wo es heißt: so diene ich nun mit der „Vernunft, vernünftig“ dem Gesetz Gottes.
Die v. Reden 1 Kor 2,4; Kol. 2,4 sind eigentl. „vernünftelnde“ Reden, die mit dem Schein großer Vernunft, vernünftig die Leute gewinnen wollen. Röm. 12,1 ist der v., in völliger Selbsthingabe bestehende Gottesdienst der Christen das Gegenteil zu dem unvernünftigen Opferdienst der Heiden. Dagegen 1 Pe. 2,2 ist die „v. Milch“ Bezeichnung des Wortes Gottes als einer Nahrung für die Vernunft, vernünftig, für den Geist des Christen.