Ur
Ur in Chaldäa, nach 1 Mo. 11,28. 31; 15,7 (und vgl. Neh. 9,7 und die Anspielung in Apg. 7,2. 4) die Heimat der Familie des Patriarchen Abram, des Stammvaters der Israeliten, Ismaeliten und anderer Araberstämme. Es ist das durch die heutige Ruine el-Mukajjar (das asphaltierte) bezeichnete alte Mondheiligtum Urimma (aus Urinna), abgekürzt Uri, westlich vom Euphrat, also im eigentlichen Chaldäa, und es ist wohl kein Zufall, daß der Vater Abrams zunächst von da in das andere alte Mondheiligtum Harran (s. d. Art. Haran) auswandert. Schon vor der Zeit Abrams (nach 1 Mo. 14 des Zeitgenossen Amraphs = Hammurapis, ca. 1900 v. Chr.) blühte in Ur eine Dynastie von fünf Königen, die sich zuerst „Könige von Sumir und Akkad“ nannten (Ur-Gur oder vielleicht besser Kalab-Gur, Dungi oder voller Dungi-rachiz, das heißt meine Gnade überschüttet, Bûr-Sin, Gimil-Sin und Jbi-Sin) 2295-2178 v. Chr.; auch der Name Abram (nicht die Person Abrams) ist jetzt schon altbabyl. als Abam-rama, Aba-rama (einen hohen Vater, scil. hat er), assyr. (im Eponymennamen des Jahres 677 v. Chr. Aba-rama, Var. Aba-ramu) und ägypt. in der palästinensischen Städteliste Sisaks als Abram (im Ortsnamen pa hakl Abram, das heißt Feld Abrams, wahrscheinlich gleich Hebron) nachgewiesen und wird dadurch als echter altwestsemitischer Personenname (nicht etwa als Gottesname, wie man behauptet hat) gleich den andern Patriarchennamen Isaak und Jakob bezeugt. Diese durchaus treue Überlieferung von der Heimat Abrams in Chaldäa, wo von uralter Zeit her Westsemiten (halbnomadische Araber oder Aramäer, denn beide waren ehedem noch eins) als nächste Nachbarn der Babylonier saßen, hat durch meinen Nachweis des westsemitischen Ursprungs der Hammurapi-Dynastie, durch die Analogie so mancher Einrichtungen u.Voraussetzungen im Hammurapi-Gesetz mit den 1 Mo. geschilderten Verhältnissen der Patriarchenzeit und noch manches andere merkwürdige Bestätigungen gefunden; es ist auch kein Zweifel, daß der Stoff der bibl. Urgeschichten schon von dort mitgebracht wurde, wie ja auch der Mondkult von Ur durch seine Hinneigung zum Monotheismus (sogen. Henotheismus) sich deutlich vom babyl. Volytheismus abhebt. Chaldäa und Bibel, nicht Babel und Bibel, würde die viel richtigere Formulierung für so vieles den Israeliten und Babyloniern Gemeinsames oder wenigstens Verwandtes sein. In ähnlicher Weise leiteten nach Herodot die den Hebräern stammverwandten Phönikier sich von den Gestaden des Erythräischen Meeres, also von Ostarabien südlich von Chaldäa ab.
Ganz anderer Entstehung ist der 1 Chr. 11,35 begegnende Name des Vaters einer der Helden Davids (Eliphal, Sohn Urs), nämlich eine sogen. Kurzform eines volleren Namens wie Uriah (mein Licht ist Jah) oder Urî-el (mein Licht ist Gott, 1 Chr. 6,9 u. ö.).