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Trinken

Trinken
1) im eigentlichen Sinn von Menschen und Tieren, Ps. 104,11, und sonst auch vom dürren Erdreich, Hbr. 6,7. Die Israeliten tranken Wasser, Milch, Wein und „starkes Getränke“ = Dattelwein, s. Artt. Getränke und Gerste. Geistige Getränke waren im Gesetz nur den Nasiräern (s. d.) und den Priestern während ihres Dienstes verboten. Im Neuen Testament gilt das Trinken von Wein für erlaubt, Joh. 2,1-13. 1 Tim. 4,4; 5,23. Ein Ausfluß unevangelischen pharisäischen Sinnes ist deshalb das Verbot des Weintrinkens, Kol. 2,16. 21 ff.; Röm. 14,17. Aber besser ist es, sich eines solchen Genußes zu enthalten, um dem schwachen Bruder keinen Anstoß zu geben, V. 21, vgl. Essen, Freiheit, Schwach. Übermäßiges Trinken ist im Alten und Neuen Testament aufs entschiedenste verurteilt, Jes. 5,11; Spr. 23,20 f., als Zeichen des alten heidnischen Wesens, 1 Pe. 4,3, wird Gal. 5,17 unter die offenbaren Werke des Fleisches gerechnet und ernstlich davor gewarnt, Röm. 13,13; 1 Kor. 5,11; 6,10; 1 Tim. 3,3. 8; Tit. 2,3. Es werden dadurch die Sinne verwirrt, Spr. 20,1, böse Lüste, Zank und Streit herbeigeführt, 23,29. 33, namentlich geht dadurch die geistl. Nüchternheit und Wachsamkeit verloren, Mt. 24,49, und unordentliches Wesen aller Art ist die Folge, Eph. 5,18. Wo von übermäßigem oder mit der Gier eines Raubtiers geschchendem (Hi. 39,30; Hes. 39,17 ff.; 4 Mo. 23,24) Trinken die Rede ist, sagt Luther Saufen, Dan. 5,4. 23; Am. 4,1; Mi. 2,11; Hab. 2,16 u. a. obwohl meistens im Hebräischen das gewöhnliche Wort für Trinken steht. Die Drohung des Rabsake, 2 Kö. 18,27; Jes. 36,12, bezeichnet die höchste Wassersnot, in welche die Belagerten kommen werden. —
2) Bildlich in doppeltem Sinn.
a) Über das Sprichwort Spr. 5,15 s. Art. Fluß; vom Genuß der göttl. Wohltaten überhaupt, Jes. 65,13; von der Aufnahme der göttl. Wahrheit mit ihrer nährenden Kraft, 1 Kor. 3,2. Die Weisheit bietet sich an als köstlichen, erquickenden Trank, Spr. 9,2, während der Narr dem Durstigen das Trinken wehrt (Jes. 32,6), das heißt ihn an der Befriedigung seines geistl. Bedürfnisses verhindert. Wer von der Weisheit getrunken hat, kommt immer wieder zu ihr, Sir. 24,29. Wer aber von dem Lebenswasser Christi trinkt, den dürstet nicht mehr, das heißt wer im Glauben mit Christus verbunden ist, hat volles Genüge, Joh. 4,13 f.; Offb. 22,17, insbesondere reicht Christus sein Blut als solchen Lebenstrank dar, Joh. 6,53. 56, s. Abendmahl.
b) Bildlich für das Durchkosten des von Gott dargereichten Leidenskelchs, Mt. 20,22; 26,42; Mk. 10,38, und des göttl. Zornes- und Taumelbechers, Ps. 75,9; Jer. 25,15 f.; 27 f.; 49,12; Ob. 16, wie des von Babel dargereichten Verführungstranks, Jer. 51,7; Offb. 14,8; 18,3, s. Becher.
— Z) „Trinken“ poetisch als Bild für das völlige Aufnehmen einer Eigenschaft, eines Fehlers ins eigene Wesen (Spötterei Hi. 34,7, Unrecht 15,16, Frevel Spr. 4,17). Jer. 2,18 tadelt der Prophet das Trinken vom Sihor (Nil) und Phrat (Euphrat), das heißt daß das Volk sich immer nach dem Beistand Ägyptens und Assyriens umsehe, statt aus dem lebendigen Quell der göttl. Hilfe zu schöpfen. Nach Ps. 110,7 trinkt der Priesterkönig während der Schlacht vom Bach am Wege. Der Sinn ist, es werde dem Messias im heißesten Kampfe nie an Erquickung fehlen, vgl. Luk. 22,43.
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