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Tod

Tod
1) bezeichnet den Zustand, in welchen Mensch und Tier mit dem Aufhören des Lebens übergehen. Der Übergang selbst heißt das Sterben. Äußerlich angesehen ist das Sterben ein Aufhören aller Bewegung des Körpers und alles bewußtseins der Seele. Sein deutlichstes Kennzeichen ist das Stillestehen des Odems und das Erkalten des Leibes (2 Kö. 4,34 f.), endlich das Verwesen, oder wie die Schrift gewöhnlich sagt, das In-Staub-Zerfallen desselben (Joh. 11,39; Ps. 16,10; 1 Mo. 3,19; Ps. 104,29). Das einfachste Mittel, dasselbe gewaltsam herbeizuführen, ist das Vergießen des Bluts (1 Mo. 9,6). Sonst aber tritt der Tod aus den mannigfachsten, bekannten und unbekannten Ursachen ein: Krankheit (Jer. 16,4) und Altersschwäche (1 Mo. 25,8), Unmäßigkeit (Sir. 31,30) und Hunger (Offb. 6,8), Unmut (1 Sa. 25,37 f.) und Schrecken (Luk. 21,26) können den Menschen töten. Aber in all diesen äußeren Ursachen sieht die heilige Schrift die Hand Gottes, von der Tod wie Leben abhängt (5 Mo. 32,39; 1 Sa. 2,6; Ps. 90,3; Sir. 11,14, vgl. 1 Mo. 38,7. 10; 1 Sa. 25,38 und oft). Wenn er seinen Odem wegnimmt, so vergehen seine Geschöpfe und werden zu Staub (Ps. 104,29). Das Sterben ist für den natürlichen Menschen bitter (Sir. 28,25; 41,1), wie am deutlichsten das Beispiel des Herrn selbst zeigt (Luk. 22,44); für den unversöhnten Sünder ist der Tod der König des Schreckens (Hi. 18,14; Hbr. 2,15). Daran ändert es nichts, wenn der Trotz des Frechen über den Tod spottet (1 Sa. 15,32), oder der Lebensüberdruß des Ungeduldigen ihn herbeisehnt (Hi. 3,21; 7,15; Jon. 4,8 f.; Sir. 41,3 f., letztere apokryphische Stelle übrigens nur halb wahr). Über die Schrecken des Todes hilft den durch Christus mit Gott Versöhnten der Ausblick auf den Himmel hinüber, Apg. 7,55; Phi. 1,21 bis 23. —
2) Der Tod ist erfahrungsgemäß das allgemeine Los aller lebendigen Geschöpfe auf Erden, ob er nun früher oder später eintritt (Ps. 90,3; Hi. 10,9; Pr. 3,19 f.; Jes. 40,6-8; Sir. 40,2 ff.; Hbr. 9,27). Aber, lehrt die heilige Schrift, dies ist beim Menschen kein bloß natürliches Schicksal, sondern hängt aufs engste zusammen mit der Sündhaftigkeit des Menschengeschlechts. Nach der Erzählung 1 Mo. 3 wäre den Menschen, wenn sie ohne Sünde geblieben wären, gestattet worden, vom Baume des Lebens zu essen (s. V. 22), das heißt unsterblich zu werden, ohne den Tod zu schmecken, wie Henoch (1 Mo. 5,24), während an den sündiggewordenen Menschen die göttl. Drohung des Todes (2,17) sich erfüllte. Auf diesem Zusammenhang von Sünde und Tod beruht es auch, daß im Alten Testament die Berührung eines Toten unrein macht (4 Mo. 19,11; die genaueren Bestimmungen s. V. 14-16; 3 Mo. 5,2; 11,8. 39 f., vgl. Rein). Während aber sonst im Alten Testament der Zusammenhang von Sünde und Tod hauptsächlich in der Richtung betont wird, daß ein früher und plötzlicher Tod ein göttl. Gericht sei (1 Sa. 2,31. 33; 2 Sa. 6,7), so spricht es Paulus mit voller Klarheit aus, daß der Tod durch die Sünde in die Welt gekommen sei (Röm. 5,12; 1 Kor. 15,21, vgl. Röm. 6,23; 8,6; Jak. 1,15), so daß der Tod seit Adam sein Scepter führt in der Welt (Röm. 5,14). Dabei fällt jedoch die Tierwelt nicht in den Gesichtskreis des Apostels, und es steht daher die naturwissenschaftlich festgestellte Tatsache, daß der Tod in der Tierwelt vor dem Erscheinen des Menschengeschlechts auf der Erde vorkam, nicht in Widerspruch mit dem angeführten Wort.
Wenn der Tod wegen seiner Herrschaft über das Menschengeschlecht oft in der Schrift wie ein persönliches Wesen beschrieben wird, so ist das bildliche Redeweise (Ps. 49,15; 1 Kor. 15,26; 2 Tim. 1,10; Offb. 6,8; 20,13). —
3) Die Erscheinung Christi hat auch den Tod erst ins rechte Licht gesetzt. Während die alttestamentl. Frommen noch — dem Augenschein entsprechend — im Tod nur den Gegensatz des Lebens, nur den Mangel jeder Kraft und Freude und Gottesgemeinschaft erblickten (s. Auferstehung 1) u. Hölle), hat Christus uns belehrt, daß im Tod nur der Leib stirbt, während die Seele, wenigstens von Menschen, nicht getötet werden kann (Mt. 10,28). Und wie er in seiner Auferstehung ein Leben ans Licht gebracht hat, dem der Tod nichts mehr anhaben kann (Röm. 6,9; 2 Tim. 1,10), so ist für diejenigen, die an ihn glauben, der Tod eigentlich kein Tod, das heißt keine Aufhebung der inneren Geisteskraft und Gottesgemeinschaft mehr (Joh. 11,25 f.; 6,50 ff.; 8,51, vgl. Röm. 8,38; Phi. 1,21). Im Himmel gibt es in keinem Sinn mehr ein Sterben (Offb. 21,4: Jes. 25,8). Anders freilich bei den Christo Widerstrebenden: bei ihnen verfällt nicht nur der Leib, sondern auch die Seele dem Todesverderben der Hölle (Mt. 10,28, der „andere Tod“ genannt Offb. 2,11; 20,6; 21,8), doch ist damit nicht ein Vergehen in nichts gemeint, sondern nur ein Aufhören alles dessen, was das Leben wertvoll macht. —
4) Bildlich wird Tod im Alten Testament oft gebraucht als Inbegriff alles Verderbens, namentlich in den Sprüchen, wo ebenso das Leben der Inbegriff alles Guten ist (s. Leben); so zum Beispiel 5 Mo. 30,15. 19; Spr. 2,18; 8,36; 10,2; 11,19; 12,28 usw. Im Neuen Testament aber wird der Tod zum Bild des inneren Zustands des in der Sünde lebenden Menschen, wo keine Kraft, kein Sinn fürs Göttliche und Gute da ist (Luk. 15,32, vgl. 9,60; Röm. 7,10; Eph. 2,1; 1 Tim. 5,6; 1 Joh. 3,14; Offb. 3,1).
— In anderem Sinn heißt es, daß der Christ mit seinem Herrn oder wie sein Herr sterben (Röm. 6,2-11), ja sich seit seiner Taufe als einen mit Christo Gekreuzigten ansehen müsse (Vers 6). Hier ist an das alte, von der Sünde in Beschlag genommene Leben gedacht, das beim Christen aufhören soll.
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