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Tier

Tier. Die Stellung der Tier im Ganzen der irdischen Schöpfung ist schon in dem Schöpfungsberichte ausgedrückt: sie sind einerseits die dem Menschen am nächsten stehenden irdischen Geschöpfe, „Lebewesen“, andererseits erscheinen sie ebenso deutlich nicht nur überhaupt als unter dem Menschen stehend, sondern als spezifisch von ihm verschieden. In ersterer Hinsicht gilt, daß der Mensch seine leibliche Herkunft von der Erde und seine ganze sinnl. Organisation mit den Tier gemein hat, daher sagt Pr. 3,18 ff. (vgl. dagegen 12,7), daß die Menschen an sich selbst, das heißt dem bloßen äußern Anschein nach, sind wie das Vieh. Dagegen aber geht die Seele des Tier 1 Mo. 1,24 durch göttliches Machtwort aus der Erde hervor, wogegen der zum Bilde Gottes geschaffene Mensch (1,26) seine Seele durch unmittelbare Einhauchung des göttlichen Lebensodems empfängt (2,7). Daher findet sich auch unter den Tier keine ebenbürtige Gehilfin für den Menschen (2,20), vielmehr sind sie ausdrücklich unter seine Herrschaft gestellt (1,26. 28; 2,19 f.). Daß der Fall des Menschen auch für die Tierwelt eine Störung der ursprünglichen Harmonie herbeiführte, ist 1 Mo. 9,2 angedeutet, sofern der Mensch nach dieser Stelle seine ihm zugewiesene Herrschaft jetzt durch Mittel der Furcht u.des Schreckens erringen und behaupten muß. Aber für die Zeit der Vollendung steht deswegen auch dem Tierreich eine Befreiung und Wiederherstellung des ursprünglichen Friedenßtandes bevor, Jes. 11,6-9; 65,25; Hos. 2,20, vgl. Röm. 8,10 ff. Auch für die Jetztzeit ist die Herrschaft des Menschen keine unumschränkte. Ist schon 1 Mo. 9,4 der menschlichcn Roheit eine Schranke gezogen, so ist vollends das mosaische Gesetz reich an einzelnen Vorschriften, die, wenn nicht bloß nach dem Buchstaben, sondern nach dem Geiste befolgt, eine freundl. Behandlung der Tier lehrten. An der Sabbatruhe sollen auch die Haustiere teil haben, 2 Mo. 20,10; 5 Mo. 5,14; an dem, was im Sabbatjahre von selbst wächst, hat auch das Wild ungehindert Anteil, 2 Mo. 23,11; 3 Mo. 25,7; dem dreschenden Ochsen darf nicht durch Verbinden des Mauls das Fressen von der Frucht verwehrt werden, 5 Mo. 25,4; ein Junges vom Vieh darf der Mutter nicht vor dem achten Tage genommen, auch nicht am gleichen Tage mit ihr geschlachtet werden, 3 Mo. 22,27 f.; das Böcklein soll nicht in der Milch seiner Mutter gekocht werden, 2 Mo. 23,19; 5 Mo. 14,21; dem Vieh auch des Feindes soll man helfen, 2 Mo. 23,4 f., vgl. überhaupt Spr. 12,10. Sodann aber weisen auch zahlreiche Stellen darauf hin, daß die Tier nicht nur nach ihrem Verhältnis zum Menschen gewertet, sondern auch an und für sich in ihrem Existenzrecht anerkannt werden sollen, sofern auch in ihrer Schöpfung sich ein selbständiger Gottesgedanke ausdrückt. Hieher gehören vor allem die gesetzlichen Bestimmungen, welche dem Israeliten die Störung und Durchbrechung der natürlichen Ordnung in der Tierwelt untersagen: das Verbot des Verschneidens von Tieren, 3 Mo. 22,24, der Kreuzung verschiedener Gattungen, 19,19, oder auch nur des Zusammenspannens verschiedenartiger Zugtiere, 5 Mo. 22,10, die Verordnung 5 Mo. 22,6 f., durch die nicht nur milder Sinn gepflanzt (vgl. 14,21), sondern auch die gänzliche Ausrottung einer Art verhindert werden soll. Weiterhin aber kommen alle die Stellen in Betracht, in welchen die Tier teils neben dem Menschen, teils für sich als Gegenstand der gütigen Fürsorge Gottes oder als Zeugen seiner Herrlichkeit genannt werden, zum Beispiel Ps. 36,7; 50,10 f.; 104,11-30; 147,9; 148,7. 10; Jes. 43,20; Jon. 4,11; Mt. 6,26; 10,29, namentlich auch die Schilderungen in Hi. 39-41.
Über den Unterschied von reinen u. unreinen Tier s. Rein. ( gibt eine Zusammenstellung verschiedener, den alten Ägyptern bekannter Tier von den Felsdenkmälern in Beni-Hassan und Theben. Die Zahlen bedeuten: 1. Ibex, 2. Oryx, 3. u. 4. wilde Ochsen, 5. Zebu, 6. Gazelle, 7. Antilope Abdax, 8. Ziege, 9. Hirsch, 10. Steinbock, 11. Hase, 12. Stachelschwein, 13. Wolf, 14. Fuchs, 15. Hyäne, 16. u. 17. Leoparden, 18. Katze, 19. Ratte, 20. Ichneumon.) — Sehr häufig werden Tier in Bildern verwendet. Das einzelne s. unter den versch. Tiernamen. Der Mensch, der in seiner Würde nicht geachtet wird, ist dem Tier gleichgestellt, Hi. 18,3; Ps. 73,22; vollends der seiner Würde vergißt, stellt sich selbst dem Tier gleich, Ps. 49,13. 21; Dan. 4,22 ff.; Tit. 1,12. Deshalb werden auch die gottlosen Widersacher des Frommen oder Feinde des Volkes Gottes als Tier bezeichnet, Ps. 74,19; 68,31. Darum erscheint auch den Sehern die widergöttliche Weltmacht unter sinnbildl. Tiergestalten, Dan. 7; $$Offb. 13 ff::Offb 13$$. Andererseits aber sehen Hesekiel und Johannes auch um den Thron Gottes „Tier“ als Vertreter der allezeit zu Gottes Lob und Dienst bereiten Schöpfung (s. Cherubim).
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