Thabor
Thabor heißt der schöne Bergkegel von Kalkstein, der sich im Süden des gäliläischen Berglandes, im Nordosten der Ebene Jesreel zu nur 562 m absoluter Höhe, aber fast von allen Seiten frei zu 400 m relativer Höhe erhebt, weithin sichtbar und durch die Schönheit u. Regelmäßigkeit seiner Form überraschend (s. Tafel 23). Von Südwesten gesehen hat er die Form einer Halbkugel, während er von Nordwesten als abgestumpfter Kegel erscheint. Eine reiche Vegetation von hohem Strauchwald, aber auch von Eichen u. Terebinthen schmückt den Berg; Wild, besonders Rebhühner, Hasen und Füchse finden sich in Menge. Oben genießt man eine herrliche Aussicht über die Höhen Galiläas bis zum Hermon, über die Gebirge im Osten des Galiläischen Meeres bis zum Haurangebirge und zum Gebirge Gilead; der kleine Hermon mit Endor u. Nain, die Ebene Jesreel bis zum Karmel, die Hügel Niedergaliläas, die freilich fast ganz das Meer verdecken, breiten sich vor dem Auge aus. Die Gipfelfläche des Berges ist eine halbe Quadratstunde groß und heute voll von Ruinenresten nebcn dichtem Gestrüpp, umzogen von den Trümmern einer alten Umwallung.
Der schöne Berg wird Ps. 89,13 mit dem mächtigen Hermon, Jer. 46,18 mit dem Karmel zusammengestellt. Er bildete die Grenze zwischen Iaschar und Sebulon, Jos. 19,22; hier sammelten sich Baraks Scharen, Ri. 4,6. 12. 14. Seit Origenes († 254) hat die Tradition ihn auch für den Berg der Verklärung gehalten, und heute noch machen ein griechisches und ein lateinisches Kloster sich die Ehre streitig, ihre Kirche auf der Stätte der Verklärung gebaut zu haben. Das ist sicher unrichtig: es stand dort oben seit dem 3. Jahrh. v. Chr. eine feste Stadt Atabyrion. Antiochius der Große hat sie im Jahre 218 eingenommen und wieder besestigt; Josephus ließ im jüdischen Krieg großartige Befestigungsarbeiten ausführen; ohne Zweifel standen auch zur Zeit Jesu Wohnungen dort. Erst in dem jüdischen Krieg unter Hadrian wird die Feste zerstört worden sein. Noch in der Zeit dcr Kreuzzüge trug der Thabor eine Festung.
Die Stadt Thabor, Jos. 19,22, Grenzstadt zwischen Sebulon und Iaschar, lag auf dem Berg Kisloth-Thabor (Jos. 19,12) wohl = Chesulloth (Jos. 19,18) ist wohl = Iksal westlich vom Thabor — 1 Sa. 10,3 wird eine unbekannte Eiche Thabor, 1 Chr. 6,62 eine unbekannte Stadt Thabor genannt.