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Tausendjähriges Reich

Tausendjähriges Reich. Offb. 20,1-6 wird in den Gesichten von der Vollendung des Reiches Gottes erzählt: Nachdem Christus selbst an der Spitze eines himmlischen Heeres die Macht des Tieres vernichtet hat (19,11-21), wird der Teufel auf 1000 Jahre in den Abgrund geworfen (20,1-3); es folgt ein Gericht (20,4) ohne Zweifel zur Entscheidung darüber, wer an dem nun folgenden Glück teilnehmen darf; die Seelen der (früheren) Märtyrer (6,9), und derer, die bei dem Auftreten des Tieres standhaft geblieben waren (und darum das Leben verloren hatten, 13,15, vergl. 15,2), kommen zur Auferstehung und regieren mit Christus 1000 Jahre auf Erden (20,4-6). Nach 1000 Jahren wird der Satan noch einmal los, sammelt die fernsten Heidenvölker (die während der 1000 Jahre das Reich Christi und seiner Heiligen nicht angesochten hatten) zu einem letzten Kampf gegen dieses Reich; aber sie werden durch Feuer vom Himmel vernichtet und der Teufel in den Feuerpfuhl geworfen (20,7-10). Nun erst folgt die allgemeine Auferstehung der Toten und das letzte Gericht und die endgültige Seligkeit im neuen Jerusalem (20,11-15; 21,1 ff.) Es sind hier die beiden Seiten der Vollendung des Reiches Gottes, von denen am Schluß dieses Artikels geredet ist, in 2 Stufen auseinandergelegt, in eine irdische Vorstufe und in einen himmlischen Abschluß. Es ist nun allerdings diese Stelle der Offenbarung die einzige, die klar eine solche Unterscheidung macht; am ehesten ist 1 Kor. 15,24-28 damit verwandt, wo davon die Rede ist, daß Christus bei seiner Wiederkunft zuerst alle Feinde sich unterwerfe und dann das Reich dem Vater übergebe. Doch ist nicht sicher zu sagen, ob Paulus hier auch an einen längeren Zeitraum zwischen Wiederkunft und Ende gedacht hat. Und in den Reden Jesu selbst erscheint das Gericht unmittelbar mit der Wiederkunft verbunden (Mt. 24,30. 31, vgl. 13,40-43; 25,19. 31 ff.) Darum haben viele Theologen diese Auseinanderlegung vom 1000 jährigen Reich und himmlischer Vollendung nur als Form der prophetischen Bilder fassen wollen. Allein der Gedanke hat doch viel Ansprechendes, daß in der Geschichte des Reiches Gottes auf Erden eine Zeit komme, in welcher gleichsam die Probe abgelegt wird, was die Kräfte des Evangeliums aus der Menschheit zu machen vermögen, wenn sie nicht bloß in einzelnen, sondern im großen und ganzen zur Herrschaft gelangen. Dies widerspricht auch den Ausblicken Jesu zum Beispiel im Senfkorn- und Sauerteiggleichnis nicht, wenngleich ein eigentlicher Glaubenssatz nicht daraus gemacht werden darf, wie dies namentlich die Väter unserer evang. Kirche nachdrücklich betont haben (Luther; Augsburgische Konfession).
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