Stamm
Stamm.
1) Ein Wurzelstock kann nach Hi. 14,8 wieder Außchlagen, aber nicht ein Mensch (vgl. Jes. 40,24). Hingegen gleicht Israel (Jes. 6,13) einer des Stamm und der Krone beraubten Eiche oder Terebinthe, bei der noch ein triebkräftiger Wurzelstock im Boden bleibt. Aus dem das Gericht überdauernden Rest sproßt ein neues Israel auf. Ebenso verjüngt sich das Haus David aus einem solchen Wurzelstock (Jes. 11,1), nachdem es bis zur Unansehnlichkeit des Stammhauses zurückgesunken ist, während die Weltmacht einem Wald gleicht, der für immer darniederliegt (Jes. 10,34; Hes. 31,13). —
2) Eine Volksabteilung. Aus dem Zusammenschluss verwandter Stämme ist das Volk Israel entstanden. Dieser Zusammenschluss ist schon erfolgt vor der Übersiedelung nach Ägypten. Die nationale Zusammengehörigkeit wird abgeleitet von dem Stammvater Jakob. Daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit manchen Stammen gegenüber ein sehr lockeres war, bezeugt sich durch die Ableitung derselben von nicht ebenbürtigen Frauen. Die (auch sonst erscheinende) Zahl von 12 Stämmen wird festgehalten auch trotz der Unterscheidung der beiden Josephstämme, welche durch die politische Bedeutungslosigkeit Levis als ausgeglichen gedacht ist. Die Stamm gliedern sich wieder in Geschlechter (s. d.) und Vaterhäuser (Jos. 7,14), An der Wiege der Entstehung, wie beim Eintritt in das volkliche Leben wird diesen Stämmen von zwei Gottesmännern ihr Schicksal prophetisch gedeutet (1 Mo. 49,28; 5 Mo. 33) und von Josua ihr Stammgebiet angewiesen (Jos. 11,23). In der Richterzeit machte sich der Gegensatz der Stamm vielfach als zentrifugale Kraft geltend (Ri. 8,12. 20). Erst David faßt alle Stamm machtvoll zusammen (2 Sa. 5,1) und Jerusalem wurde der nationale Mittelpunkt für alle Stamm (Ps. 122,4). Doch bald brach die Eifersucht der zwei Führerstämme in die Flammen der Empörung aus. In dem geteilten Königreich und noch mehr nach dem Exil verwischte sich die Stammeseinteilung. Im Hesekielschen Zukunftsbild und überhaupt in der Prophetie fehlt zwar die Restauration aller Stamm nicht, aber tatsächlich erfolgte sie nach dem Grundsatz: Der Rest wird sich bekehren. Wenn es auch noch zu den Zeiten Christi einzelne im Gottesvolk gab, die ihre Abstammung von den 10 Stammen nachweisen konnten (zum Beispiel Luk. 2,36), und wenn auch in der Idee die zwölfstämmige Einheit des theokratischen Volks festgehalten wird (Apg. 26,7; Jak. 1,1) bis in die Vollendungszeit (Mt. 19,28; Offb. 7,4; 12,1; 21,12), so ist doch nicht zu erwarten, daß die verschollenen 10 Stamm wieder zum Vorschein kommen. Es ist genug, daß jenes 12stämmige Volk die Wurzel des Ölbaums ist und bleibt.