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Stadt

Stadt, der bleibende, meist mit Mauern u. Toren gegen feindliche Angriffe geschützte Wohnplatz, Jos. 6,26; Am. 5,3.
 1) Kain wird 1 Mo. 4,17 als der erste Städtegründer genannt und 1 Mo. 11,4 wird die Erbauung von Babel als ein in gottwidrigem, auf eigenmächtigen Selbstschutz und Selbsthilfe bedachtem Sinne unternommenes Werk bezeichnet. Es sollte der Mittelpunkt eines von Gott unabhängigen Weltreiches, ein Sammelpunkt für die sich mehrende Menschheit werden. Die Semiten bewohnten in Mesopotamien die Stadt Ur und Haran, 1 Mo. 11,28. 31 f. In Kanaan führten Abraham u. seine Nachkommen ein Nomadenleben ohne feste Wohnsitze, und auch in Ägypten hatten die Israeliten schwerlich befestigte Stadte. Darum fürchteten sie sich um so mehr vor den festen Stadten der Kanaaniter, 4 Mo. 13,19; 5 Mo. 1,28; Jos. 14,12. Bei der Eroberung Kanaans wurden die Stadte nur teilweise zerstört, Jos. 11,13, die zerstörten häufig wieder aufgebaut, 1 Kö. 16,34, einzelne auch neu gebaut, wie Lus, Ri. 1,26, Samaria von Omri, 1 Kö. 16,24, im Ostjordanland, 4 Mo. 32,16. 24. 34-39. —
2) Erbaut wurden die Stadte meist auf Hügeln, Jos. 11,13; Mt. 5,14, wo man weiten Ausblick hatte und leicht befestigen konnte, oder in Talgründen mit verteidigungsfähigen Zugängen (Sichem, Hebron), oder in wasserreichen Oasen (Jericho, Engedi), kleinere Stadte auch an Bächen, Brunnen, Teichen. Die Stadte waren in der Regel ummauert, 2 Kö. 3,19, doch gab es auch offene Stadte, 5 Mo. 3,5; Spr. 25,28. Die befestigten Stadte hatten starke, mit Riegeln versehene Tore, welche nachts verschlossen wurden, Jos. 2,5. 7 (s. d. Art. Tor). Die Straßen waren meist sehr eng, so daß nur an den Anfangs- und Kreuzungspunkten (Ecken) eine größere Menschenmenge Platz fand, um einem Lehrer zuzuhören, Spr. 1,20; Luk. 13,26, vgl. Mt. 6,2 und 5. Doch gab es auch breitere Straßen, in denen Wagen fahren konnten, 2 Sa. 15,1; 1 Kö. 1,5; Jer. 17,25. Der Schmutz in den Straßen war sprichwörtlich, Ps. 18,43; Jes. 5,25; 10,6; Mi. 7,10; Sach. 9,3; 10,5. Daß derselbe aber doch hie u. da weggeräumt wurde, zeigen Stellen wie Ps. 18,43; 1 Kö. 14,10. Für Kaufleute und Gewerbtreibende waren besondere Bazarstraßen vorhanden, 1 Kö. 20,34; Jer. 37,21; Neh. 3,21 f. (vgl. Art. Strasse). Die Stadt mit Wasser zu versorgen dienten Brunnen, Quellen, Zisternen und Teiche. Doch wird auch schon zu Jesajas Zeit eine Wasserleitung in Jerusalem erwähnt, Jes. 7,3; 22,9. 11; 2 Kö. 20,20; 2 Chr. 32,30. Die Einwohnerzahl der alten Kanaaniterstädte betrug zwischen 3000 (Gibea hatte 700 waffenfähige Männer, $$Ri,20,15::Ri 20,15$$) und 12000 (Jos. 8,25) und drüber (Gibeon, Jos. 10,2). Jerusalem hatte vor der babyl. Gefangenschaft etwa 50000 Einw. (aus 2 Kö. 24,14 ff. zu schließen), später jedenfalls mehr. —
3) Das Regiment führten in der Stadt die Ältesten (s. d.), von Josaphat an bestanden besondere Stadtgerichte, 2 Chr. 19,5 ff. Ein Stadtvogt wird 1 Kö. 22,26; 2 Chr. 18,25 in Samaria, 2 Kö. 23,8; 2 Chr. 34,8 in Jerusalem erwähnt. Zu Zeiten gab es in Jerusalem mehrere Stadtfürsten, 2 Chr. 29,20; Neh. 3,9. 12. In den im Neuen Testament erwähnten, unter röm. Herrschaft stehenden griech. Stadten treffen wir Strategen (Hauptleute) mit dem Titel Prätoren oder Duumvirn als Obrigkeit. Dieses Amt entsprach dem der röm. Konsuln; es standen ihnen deshalb auch Liktoren (Stadtdiener) zur Verfügung, Apg. 16,35. 38. Für die Sicherheit der Stadt bei Nacht hatten die Nachtwächter zu sorgen, Ps. 127,1; 130,6; Jes. 21,11; Hohel. 3,3; 5,7, die in den Straßen umhergingen. Daß in den Stadten auch Bürgerlisten geführt wurden, erhellt aus Hes. 13,9, vielleicht auch Jer. 22,30. Vgl. auch Jes. 4,3; Ps. 69,29, s. Art. Buch. —
4) Die Namen der Städte richteten sich entweder nach dem Gründer, 1 Mo. 24,10 (Stadt Nahors), oder häufiger nach dem Ort, wo sie angelegt wurden, Rama, Gibea = Höhe; Beth Emek = Talhausen, Abel = Aue. Manche änderten später ihre Namen: Lus wird Bethel, 1 Mo. 28,19; Ri. 1,23. Bes. häufig waren diese Namensänderungen in der griech.-röm. Zeit, doch behielt das Volk meist die alten Namen bei. —
5) Das Schicksal einer Stadt hängt aufs engste mit der sittl. Beschaffenheit der Bewohner zusammen: Fromme Einwohner bringen der Stadt Segen, Spr. 11,11; Sir. 16,5; 40,19, Gottlose bringen sie ins Unglück, Spr. 29,8, vgl. Hab. 2,12. —
 6) Kapernaum heißt die Stadt Jesu, Mt. 9,1, weil er nach Wegzug von Razareth, 4,13, dort für eine Zeitlang seinen Wohnsitz genommen hatte. Nineve wird Jon. 3,3 eine große Stadt Gottes genannt, weil sie in Gottes Augen, um ihrer vielen Einwohner willen wichtig, der Teilnahme würdig erschien. —
7) Die eigentliche Gottesstadt war aber Jerusalem, Ps. 46,5;48,2.3.9, vgl. Mt. 5,35; Ps. 101,8, weil dort die Wohnung des Höchsten, sein Feuer u. Herd, das heißt die ihm geweihte Opferstätte war, Jes. 31,9; 60,14, s. d. Art. Jerusalem. Als heilige Stadt ist Jerusalem auch Vorbild der himml. Gottesstadt, Hbr. 13,14. vgl. d. Art.
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