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Sonne

Sonne.
1) Die Sonne ist für die biblische Anschauung ein von Gott am Firmament befestigtes Licht, das den Tag regiert, 1 Mo. 1,16, vgl. Jer. 31,35; Ps. 136,8, und aller Welt Licht gibt, Sir. 42,16. Die Sonne geht auf in ihrer Macht, Ri. 5,31, den Tag zu verkündigen, Sir. 43,2, und geht unter, Pr. 1,5, und weiß ihren Niedergang, Ps. 104,19. Gott hat ihr, sagt der Dichter, eine Hütte gemacht, in die sie gleichsam heimkehrt, Ps. 19,5 ff., und daraus, wie aus ihrer Kammer, geht sie wieder hervor und läuft, einem Helden gleich, freudig ihren Weg. Und zwar regelmäßig, nach Gottes Ordnung, Ps. 74,16. Gott ist es, der sie aufgehen läßt und aufgehen heißt, Mt. 5,45, der es aber auch versagen könnte, Hi. 9,7, es wird daher der dichterischen Vorstellung nicht schwer, ein Stillstehen der Sonne auf göttliches Geheiß, Jos. 10,12ff., oder ein Rückwärtsgehen ihres Laufes, Jes. 38,8, anzunehmen (s. folg. Art.).
Die Sonne leuchtet herrlich, dient daher zu Vergleichungen des hellen Glanzes, Offb.1,16; Mt. 17,2; Apg.26,13, vgl. Mt.13,43. Den menschl. Augen ist es lieblich, die Sonne zu sehen, Pr. 11,7. Aber sie bringt auch die Hitze mit, Jak. 1,11; Offb. 7,16, welche verwelken macht, Mt.13,6. Die Sonne brennt, Hi.30,28, sticht, Ps. 121,6; Jon.4,8; Jes.49,10, wenn freilich vor dem allem Gott bewahren kann, Offb. 7,16.
Die Sonne ist gleichsam Zeuge von allem, nichts ist vor ihr verborgen, Ps. 19,7; nichts Neues unter der Sonne, Pr. 1,9.
Von Verfinsterung der Sonne weiß die Schrift auch zu reden, nicht sowohl im astronomischen Sinn — auch Luk. 23,44 f. ist wohl nicht von einer „Sonnenfinsternis“ zu verstehen, — sondern zum Beispiel die Heuschreckenschwärme verfinstern die Sonne, Joel 2,10, und es gehört zu den Merkmalen des Tags des Herrn, daß „die Sonne gehet finster auf“, Jes. 13,10, daß Zeichen an der Sonne geschehen, Luk. 21,25; Mt. 24,29; Apg. 2,20 usw., während dagegen von der prophetisch geschauten Heilszeit gesagt wird, daß „der Sonne Schein wird 7 mal heller sein denn jetzt“, Jes. 30,26. In der irdischen Weltzeit wird die Sonne ewig währen, und ist ein Bild des Beständigen und Bleibenden, Ps. 72,5. 17; 89,37; aber einst in der Vollendungszeit wird ihr Leuchten nicht mehr nötig sein, sondern Gott selbst wird seiner Gottesstadt als Sonne leuchten und diese Sonne wird nimmer untergehen, Jes. 60,19 f.; Offb. 21,23. —
 2) Bildlich wird Gott Sonne und Schild, das heißt Licht und Schutz der Seinen genannt, Ps. 84,12, das Aufgehen der Sonne der Gerechtigkeit verheißen, Mal. 3,20, vgl. Wsh. 5,6. Auch der Ausdruck: ihre Sonne wird untergehen, findet sich mannigfach, Jer. 15,9, vgl. Am. 8,9; Mi. 3,6; Jes. 60,20. —
 3) Anbetung der Sonne oder Sonnendienst war etwas, das dem Heidentum nahe lag, das die Israeliten auch von Ägypten her kannten, das aber das Gesetz verbot, 5 Mo. 4,19; 17,3, das gleichwohl nach Hi. 31,26 f. (Vers 27 ist die abergläubisch-anbetende Begrüßung der Sonne durch Kußhände gemeint), Jer. 8,2; Hes. 8,16 u. a. vorkam. Weiteres s. die Artt. Sterne, Säule 2), Baal, Moloch, Abgötterei.
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