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Sirach

Sirach. So nennt man das von Jesus, dem Enkel des Sirach, in Jerusalem verfaßte Spruchbuch. Seine Zeit ergibt sich aus der Vorrede, die der Enkel des Verfassers der von ihm hergestellten griechischen Übersetzung des Buches beigegeben hat. Da der Enkel sie im Jahr 132 (im 38. Jahr des Ptolemäus Euergetes II.) verfaßte, so hat der Großvater im ersten Viertel des zweiten Jahrhunderts gelehrt, was sich auch dadurch bestätigt, daß das Buch nirgends von der Verfolgung der Judenschaft durch Antiochus Epiphanes und vom Freiheitskampf der Makkabäer spricht, wie auch die besonderen Merkmale der pharisäischen Frömmigkeit in ihm noch nicht sichtbar sind. Nur die die Verfolgung und den Pharisäismus vorbereitenden Zustände werden hier sichtbar, nicht schon die fertigen Ergebnisse. Der Hohepriester Simon, den Sir. 50,1 ff. gepriesen hat, gehört in den Anfang des zweiten Jahrhunderts. Als dichterische Form benützt Sirach für seine Unterweisung den „Spruch“, den er nach einem gleichmäßigen Rythmus formt; oft verbindet er längere Reihen von Sprüchen liedartig zur Darstellung desselben Themas. Das Ziel des Buchs ist die Anleitung zur Weisheit, deren Wert darauf beruht, daß sie Gottes ewiger Besitz und darum seine Israel gewährte kostbare Gabe ist. Sie besteht darin, daß der Mensch in allen seinen Entschließungen Gottlosigkeit und Unrecht vermeidet und dadurch dem Schaden entgeht, den sich der Sünder unvermeidlich bereitet. Daher werden hier nicht einzelne Satzungen des Gesetzes ausgelegt, dagegen in reicher Fülle ohne sichtbar hervortretenden Plan die unsre Lebensführung bestimmenden Verhältnisse besprochen, Natur und Schrift, Ehe und Gemeinde, Krankheit und Versuchung, Erwerb und Gottesdienst. Eine innerlich begründete, von Herzen kommende Frömmigkeit wird darin sichtbar, die sich in Glauben und Gehorsam mit Gottes Willen einigt. Die Zahl der flachen Sprüche, die für die besprochene Aufgabe nur einen dürftigen Rat geben, ist neben der Zahl der vortrefflichen Sentenzen klein. Darum war das Buch in der vorchristlichen Zeit auch in der palästinensischen Synagoge hoch angesehen; die Schriftgelehrten des ersten Jahrhunderts haben aber seine Trennung vom Kanon durchgesetzt, weshalb das hebr. Original des Buchs verloren ging. Erst seit 1897 sind wieder große Stücke des hebräischen Texts in Ägypten ans Licht gekommen. Auch die griechische Übersetzung gewann in der Judenschaft Ägyptens Anschluß an den Kanon und wurde deshalb von der alexandrinischen Kirche mit den andern alttest. Büchern übernommen. Von ihr aus kam das Buch zur gesamten Kirche, die es in der alten Zeit gern benützt und häufig auch unter dem Namen Salomos zitiert.
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