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Selig

Selig, Seligkeit. Das Wort wird abgeleitet vom althochd. sâlîc, angelfächs. sael = Heil, Freude, daher fried-, gott-, leutselig, nicht aber mühselig (von Mühsal), trübselig usw. Von dem begriffsverwandten Glück, glücklich unterscheidet sich s. dem weiteren Umfang nach, denn es bezeichnet einen Zustand vollkommener Befriedigung für den ganzen Menschen, so daß auch kein weitergehender Wunsch mehr übrig bleibt, u. seinem Inhalt nach, sofern diese Befriedigung wesentlich religiöser Natur ist. Schon im im Alten Testament sind zwei Ausdrücke durch Luther mit „selig“ wiedergegeben worden. Der eine ist das hebr. aschre, weitaus in den meisten Fällen mit „wohl“ übersetzt (so gleich Ps. 1,1), mit s. aber 1 Kö. 10,8, wo es nur überhaupt so viel als glücklich ist, wie vorwiegend auch Spr. 3,18; nur Hiob 5,17 tritt die religiöse Beziehung ganz in den Vordergrund. Um dieses Wort handelt es sich auch in den Ausdrücken für „s. preisen“, zum Beispiel 1 Mo. 30,13 u. ö. Der andere Ausdruck gehört der Heilsökonomie an und bedeutet in Heil versetzt, errettet werden, so 5 Mo. 33,29; Jes. 45,24; ein synonymes Wort ist Joel 3,5 mit errettet, im Citat Apg. 2,21 aber mit seligwerden wiedergegeben. Daraus erklärt sich dasselbe Verhältnis im Neuen Testament Wo sich eine Seligpreisung findet, da steht im Griechischen das für aschre von der LXX angewendete μακάριος, wo von Selig, Seligkeit, s. machen, s. werden die Rede ist, da liegt überall der Begriff erretten zu Grunde. Selig wird ausgesagt im Neuen Testament von Gott 1 Tim. 1,11; 6,15, denn in ihm ist die Fülle und die Quelle aller vollkommenen Befriedigung. Sonst wird es durchgängig vom Menschen gebraucht, und zwar mit Ausnahme einiger weniger Stellen (zum Beispiel Luk. 11,27; 23,29, auch 1 Kor. 7,40) nicht vom irdischen Glück, sondern — darin zeigt sich die Vertiefung und Verinnerlichung des Neuen Testaments — zur Bezeichnung eines geistlichen Gutes. Gleich in den Seligpreisungen der Bergpredigt, Mt. 5,3 f., zeigt sich diese sittlich-relig. Innerlichkeit des Begriffs s. in solcher Loslösung von dem sinnlichen Element, daß dieselben sogar auf dem dunkeln Hintergrund inneren und äußeren Schmerzes erst recht sich abhebt. Außerdem wird diese Selig, Seligkeit denen beigelegt, welche der Gnade gewürdigt sind, nämlich Gottes Wort zu hören und das Heil in Christo zu sehen, Mt. 13,16, denen das Geheimnis der Person Christi geoffenbart ist, Mt. 16,17, die das Brot essen im Reich Gottes, Luk. 14,15, Sündenvergebung haben, Röm. 4,7. 8. Andererseits ist diese Selig, Seligkeit geknüpft an den Glauben, Luk. 1,45, besonders den, der nicht sieht, Joh. 20,29, sich an Christo nicht ärgert, Mt. 11,6, Gottes Wort bewahrt, Luk. 11,28, Gottes Gebote hält, Offb. 22,7. 14, Treue und Wachsamkeit beweist, Luk. 12,37. 38. 43. Letzteres leitet über zu der Seligpreisung derer, die in dem Herrn sterben, Offb. 14,13, an der ersten Auferstehung teilhaben, 20,6, u. am Abendmahl des Lammes teilnehmen dürfen, 19,9. Schon aus diesen Seligpreisungen ergeben sich vier paarweise verbundene Momente zur Beurteilung des Begriffs Selig, Seligkeit Dieselbe ist ein von Gott in Christo dem Menschen aus Gnaden angebotenes, andererseits von demselben im Glauben und Gehorsam zu verwirklichendes Gut. Sie ist ferner ein jetzt schon gegenwärtiges, vollkommen aber erst mit dem Kommen des Herrn realisiertes Gut. Dasselbe nun ergibt sich aus der andern zu Grund liegenden Wurzel: erretten, Rettung. Auch hier ist der Begriff seiner aus dem A. T. stammenden irdisch-sinnlichen Hülle — polit. Befreiung des Volkes — entkleidet und vergeistigt zum Begriff der Erlösung von Sünde, Mt. 1,11, vom Zorn Gottes, vgl. Röm. 1,16. 17, vom zukünftigen Gericht. Positiv ausgedrückt: Selig, Seligkeit ist Besitz des Heils. Das Seligmachen geht aus von Gott, seiner Gnade u. Barmherzigkeit 2 Tim. 1,9; Tit. 3,5; Eph. 3,2. 5, durch Jesum Christum, den Herzog unserer Seligkeit, Hbr. 2,10, der gekommen ist, die Sünder s. zu machen, Mt. 18,11; 1 Tim. 1,15, wird vermittelt objektiv durch das Evangelium Röm. 1,16, das Wort vom Kreuz 1 Kor. 1,18, die törichte Predigt Vers 21; Jak. 1,21, durch die Taufe Mk. 16,16; Tit. 3,5; 1 Pe. 3,21. Bon seiten des Menschen ist erforderlich die göttliche Traurigkeit der Buße 2 Kor. 7,10, Glaube Apg. 16,31; Röm. 1,16 und oft, Bekenntnis Röm. 10,9. 10, nach Jak. 2,14 nicht der Glaube allein, sondern die Tat 2,24. Diese Selig, Seligkeit als Errettung vom Verderben ist ebenfalls schon gegenwärtiger Besitz Joh. 3,17; Apg. 2,47; Eph. 2,5; 1 Th. 5,9, als solcher schon überaus wertvoll gegenüber dem Heilsgut des Alten Testaments 1 Pe. 1,10; Hbr. 2,3, übrigens nicht eine unveränderliche Größe, vgl. Gal. 4,15, der Besitz muß in sittlicher Arbeit immer neu gewonnen werden, Phi. 2,12. Aber die vollkommene Erscheinung der Selig, Seligkeit findet doch erst in der Zukunft statt: Mt. 10,22; 1 Pe. 1,9; Tit. 2,13; Hbr. 9,28, gehört also noch der Hoffnung an 1 Th. 5,8 und besonders Röm. 8,24, wo Gegenwart und Zukunft verknüpft sind. Man wird bewahrt durch den Glauben 1 Pe. 1,5, durch göttliche Geduld 2 Petr. 3,15, durch Verkürzung der Leiden Mt. 24,22 zu dieser Selig, Seligkeit Für diese im engeren Sinn so von uns genannte ewige Selig, Seligkeit findet sich im Neuen Testament kein einheitlicher, ganz entsprechender Ausdruck, meist wird gebraucht: ewiges Leben im Gegensatz zum ewigen oder andern Tod. Die einzelnen Seiten derselben sind: Freiheit von Sünde, übel und Tod, Verklärung auch des Leibes durch die Auferstehung, vollkommene Gemeinschaft mit Gott, Christo, den Auserwählten, und Genuß aller himmlischen Güter. Verschiedene Stufen der Selig, Seligkeit sind in der Offenbarung am bestimmtesten (vgl. zum Beispiel 20,6) vorausgesetzt. Übrigens redet die Schrift in Bildern von dem, was kein Auge gesehen hat. Die Frage, ob wenige s. werden, wird von dem Herrn bejaht, aber jedem einzelnen als praktische Lebensfrage zur rechten Lösung zurückgegeben, Luk. 13,23.
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