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Seir

Seir [babyl.Tell el-Amarna wahrsch.Scriri, ägypt. Sa‘ir].
1) Gewöhnlich der Name des Gebirges oder Landes, in dem zuerst die Horiter, später die Edomiter ihre Wohnsitze hatten. Es ist jedenfalls in der Gegend der Araba, jener Taleinsenkung zu suchen, welche die Spalte des Jordantales bis zum älanitischen Meerbusen sortfetzt. Man versteht darunter gewöhnlich das Gebirge im Osten der Araba. Aber meist bedeutet der Name nicht nur das Gebirgsland östlich von der Araba. Manche Stellen weisen mehr in den Westen der Araba, auf das Bergland zwischen der Araba und der Südgrenze Israels zum Beispiel Jos. 11,17; 12,7; 5 Mo. 1,2; 33,2 u. a. So haben manche das Gebirge Seir im Westen der Araba finden wollen, in dem Bergland der Azazime, das im Norden vom Wadi Marra begrenzt wird, einem imposanten Gebirge mit nackten, wild zerrissenen, weiß glänzenden Kreidemassen, im Innern eine einförmige Wüste. Gut würde darauf die Beschreibung des edomit. Landes im Segen Isaaks 1 Mo. 27,39 passen. Für diese Lage des Gebirges Seir im Westen der Araba macht man namentl. 1 Mo. 14,6; 5 Mo. 33,2 u. Ri. 5,4; Jos 15,1 geltend. Erst später umfaßte der Name das Land zu beiden Seiten der Araba, diese eingeschlossen, 5 Mo. 2,1 ff.; Hes. 25,8. In dem östlichen Gebirge, an das man früher allein dachte, das im Süden esch-Schera, im Norden Dschebal heißt, liegt nach der sicher unrichtigen Tradition der Berg Hor, wo Aaron starb, 4 Mo. 20,23; er wäre nach letzterer Stelle eher in dem Bergland der Azazime in der Gegend von Kades zu suchen, kann aber nicht sicher identifiziert werden (s. d. Art.). Diese öftlichen Berge von Edom, Porphyrfelsen, über die sich eine Sandsteinmasse in den reichsten Farben u. phantastischen Formen erhebt, im Osten Kalksteinberge, ragen meist kahl und steil auf, wogegen es dem öftlichen Plateauland an fruchtbaren Strichen nicht fehlt. —
2) Als ursprüngl. Bewohner dieser Gegend werden die Horiter (s. d. Art.) genannt. Sie werden 1 Mo. 36,20 ff. auf einen Seir zurückgeführt, von dem sieben Söhne und weitere Nachkommen aufgeführt werden. Doch ist wahrscheinlich, daß der Name Seïr („rauh“, „haarig“) ursprünglich an dem rauhen Gebirgslande haftete; von dem Lande wurde er auf die troglodytische (höhlenbewohnende) Urbevölkerung, die Horiten, übertragen. Da die Edomiter diese Horiten nicht einfach vertilgten, sondern sich unter ihnen niederließen und mit ihnen vermischten (vgl. 5 Mo. 2,12. 22 mit 1 Mo. 36,2 — wo Heviter ein alter Schreibfehler für Horiter ist — und V. 12,22), war es möglich, daß auch die späteren Bewohner des Landes, die Edomiter, als „Seir“ und „Söhne Seir“ bezeichnet werden, Hes. 25,8; 2 Chr. 25,11. 14. Über die 1 Mo. 36,20 ff. aufgezählten Nachkommen des Horiters Seir ist nichts Näheres bekannt. —
3) Jos. 15,10 ist ein ganz anderes Gebirge Seir gemeint; es ist der wüste und wild zerrissene Bergrücken, welcher sich von Kirjathjearim südwestlich zieht u. auf dem ein Dorf Saris liegt.
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