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Seele

Seele. Das hebr. und griech. Wort für Seele bedeutet ursprünglich „Atem“, gerade wie die Wörter für „Geist“ (s. d. Art.). Eine Seele haben Menschen und Tiere (für letztere s. 2 Mo. 12,23; Hi. 12,10, vgl. 7. 8.). Die Seele ist der eine Bestandteil ihres Wesens, der Leib der andere. Was jener und was diesem zugehört, entscheidet und scheidet der Tod. Da bleibt der Leib allein zurück (Jak. 2,26); was also den Lebenden von Toten unterscheidet, ist Sache der Seele Und das ist zweierlei:
1) die Kraft, die Glieder des Leibes in Bewegung zu setzen;
2) das Vermögen, zu empfinden, zu wollen, zu denken usw.; kurz gesagt die Gabe des Bewußtseins. Doch trennt die Bibel beides nicht von einander, sondern betont nur, daß wenn die Seele in den Leib kommt, der Mensch zu leben anfängt (1 Mo 2,7; 1 Kö. 17,21 f.), wenn die Seele ihn verläßt, er stirbt (1 Mo. 35,18; Luk. 12,20). Von der Seele ist sehr oft die Rede, wo sich’s um Leben und Sterben handelt. Die Seele erretten heißt das Leben erretten (Ps. 33,19; 54,6; Jer. 51,6); die Seele ausrotten heißt: einen Menschen töten (2 Mo. 12,15 usw.), vgl. 5 Mo. 19,11 die Seele totschlagen. Wo aber im einzelnen davon die Rede ist, was die Seele tut, da kommt alles mögliche, was eine Lebensäußerung ist, zur Sprache; niedere und höhere Empfindungen (Spr. 6,30; 4 Mo. 11,6; Ps. 19,8; Jer. 31,25; Jes. 38,15; Joh. 12,27), Gedanken (Ps. 139,14; 103,1. 2) und Willensäußerungen (5 Mo. 6,5; Jes. 53,11; Ps. 57,2 usw.). Oft steht „meine Seele“ einfach = ich, weil die Seele eigentlich das Innerste und Kostbarste am Menschen ist (vgl. Ps. 42,3; 62,2 und oft). Letzterer Gedanke ist der Grund, warum so oft ermahnt wird, die Seele zu behüten, Jos. 23,11; Ps. 119. 109. Schaden an der Seele ist unersetzlich, Mt. 16,26. Ein solcher ist aber nicht der leibliche Tod (Mt. 10,28), denn Menschen vermögen die Seele nicht zu töten (wo im Alten Testament doch von einem Töten, Ausrotten die Rede ist, ist eigentlich Seele = der Mensch im ganzen). Seelenschaden ist vielmehr die Sünde mit ihrem Betrug (1 Pe. 2,11) u. ihren traurigen Folgen (Mt. 10,28), vgl. Sünde. Daher kann gerade, wer seine Seele, das heißt sein äußeres Leben, um jeden Preis, auch um den seines Gewissens erhalten will, das wahre Glück seiner Seele verlieren (Luk. 17,33). Ihr wahres Glück und ihre wahre Freude findet gerade die Seele nur in der Gemeinschaft mit Gott (Ps. 42,3; 84,3; Jes. 61,10).
— Auch Gott wird eine Seele zugeschrieben, sofern er ein lebendiger Gott ist, der das, was wir mit unserer Seele tun, im vollkommensten Maße auch vollbringt, Jes. 1,14; 42,1 und sonst. Th. Hermann.
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