Zum Inhalt

Schonen

1) Göttliche Schonung

Das Tragen der Schwachen in Geduld, Vergeben der Fehler in Liebe, Zurechtweisen mit sanftmütigem Geist, sich erbarmen in der Not, Maß halten in den Anforderungen, entspricht dem Geist der Liebe im Alten wie im Neuen Bund (vgl. 1Mo 33,14; 1Kor 4,21). Gott selbst geht mit seinem erbarmungsvollen Sinn und Tun voran (1Mo 19,16; 2Chr 36,15; Hi 2,6; 33,18; Jes 63,9; Weish 11,26); er verheißt, dass er schonen wolle (Mal 3,17), und die Seinen dürfen ihn darum bitten (Neh 13,22; Joel 2,17). Bei Menschen erfordern Liebesbande und Pietätsverhältnisse schonende Pflege. So schont ein Mann seinen Sohn, indem er ihm beisteht, nicht zu viel auflädt (Mal 3,17). David hat Saul verschont (1Sam 24,11); Joab das Volk, das mit Absalom war (2Sam 18,16); Elisa den Naaman, indem er keine Geschenke von ihm nahm (2Kön 5,20). Sünde ist’s, aus Grimm und Eifersucht nicht zu schonen (Spr 6,34; Jes 9,18; Apg 20,29); namentlich hart und erbarmungslos gegen Schonungsbedürftige zu sein (5Mo 28,50; Sach 11,5; Weish 2,10).

2) Unangebrachte Schonung

Aber es gibt auch eine falsche, ungöttliche Schonung (Mt 16,22) aus Bequemlichkeit, Eigennutz oder Nachgiebigkeit gegen Sünde. Darum kann und darf Gott nicht immer schonen und die leichtfertigen Sünder, die jederzeit auf Schonung hoffen, betrügen sich selbst. Sie will der starke, eifrige Gott nicht schonen (Jos 24,19; Ps 78,50; Jer 13,14; Hes 5,11; 7,4.9; 24,14; Sach 11,6; 2Chr 36,17; Röm 11,21). Schonungslos läßt er seine Gerichte ausführen (1Sam 15,3; Jes 13,18; Jer 21,7; Hes 9,5).

3) Ausbleiben der Schonung

Am wunderbarsten ist, dass Gott seinen eigenen Sohn nicht verschont, um die Sünder zu schonen und zu retten (Röm 8,32). Auch die von Gott den Menschen anbefohlene Schonungslosigkeit hat immer ihren besonderen Zweck, so bei Abraham, der seinen einigen Sohnes nicht verschonen sollte (1Mo 22,12), zur Prüfung seines Glaubensgehorsams; bei der Austilgung der Heiden durch Israel zur Bewahrung vor Götzendienst (5Mo 7,16; 13,9); ferner zur Beseitigung von falscher Weichlichkeit und Humanität gegenüber von Mördern, (5Mo 19,11.13); falschen Zeugen (5Mo 19,16.21); in einem besonderen Fall von Schamlosigkeit (25,12); die wohlverdienten Strafen sollen zugleich abschreckend wirken.
Pflicht der Hirten ist, nicht zu schonen, sondern zu strafen, wo Ärgernisse sich zeigen (Jes 58,1; 2Kor 13,2). Wer wider solche Gebote Gottes handelt, hat es schwer zu büßen, (1Sam 15,9ff). Zu seinem und seines Kindes Schaden schont der Vater der Rute (Spr 13,24). Dem falschen Schonen kann geradezu etwas Teuflisches anhaften, wenn der Reiche des Armen Gut beraubt und seines eigenen schont (2Sam 12,4); oder wenn Petrus Christo Schonung seines Lebens mit Verletzung seiner Berufspflicht anempfiehlt (Mt 16,22 (wörtlich: das verhüte Gott!).
Zur Übersicht