Schatten
Schatten. Der am Sonnenzeiger rückwärts gehende Schatten wird dem Ahas zum göttlichen Zeichen, 2 Kö. 20,9. 10. 11; Jes. 38,8. Vom Schatten des Petrus, das heißt von der unmittelbaren Nähe seiner Person ohne Wort und Handlung, geht nach der Volksmeinung eine heilende oder doch wohltätige Wirkung aus, Apg. 5,15. Das Großwerden der Schatten, Jer. 6,4, und noch später das Fliehen derselben oder ihre Auflösung in völlige Dunkelheit, Hohel. 2,17; 4,6, ist das Zeichen des hereinbrechenden Abends. Jes. 18,1 statt: „wehe dem Lande, das unter den Segeln im Schatten fährt“, richtiger: „wehe dem Lande des Flügelgeschwirrs“ (der Insekten). Der sinnbildliche Gebrauch des Wortes geht aus
1) von der Wirkung des Schutzes und der Gewährung von Ruhe und Erquickung. So ist vor allem Gott Schatten und gibt Schutz denen, die ihm vertrauen, Ps. 17,8; 36,8; 91,1; 121,5, für sein Volk, Jes. 4,6; 25,4. 5; 51,16; für seinen Knecht, den Messias, Jes. 49,2, macht denselben zum Schutz für andere, Hes. 17,23. Auch Israel ist ein solcher Schutz, das Volk als Ganzes für seine einzelnen Glieder oder auch für andere Völker, Ps. 80,11; Hos. 14,8. Das Reich Gottes soll ein Schutz und Ruheort für die Völker werden, Mk. 4,32 (vgl. Mt. 13,32). Auch Menschen, besonders Könige, können Schatten oder Schutz gewähren, doch ist derselbe vergänglich, Ri. 9,15; Jes. 30,2. 3; Klagel. 4,20; Hes. 31,6. 12. 17; Dan. 4,9. Schatten als Erquickung für den Müden, Hi. 7,2; Schatten als Schutz, der die Flüchtlinge verbirgt, Jes. 16,3. 4. —
2) wird ausgegangen von der verdunkelnden Wirkung, daher steht Schatten für Nacht der Trübsal und Nacht der Sünde. Beides zusammengefaßt in dem Ausdruck: Schattendes Todes, Nacht, die dem Tode nahe bringt oder zum Tode führt, Mt. 4,16; Luk. 1,70. Die erste dieser beiden Stellen ist eine Anführung der Weissagung Jes. 9,2 (Grundtext: „die da wohnen oder sitzen am Ort des Todesschattens“), wo der Ausdruck dem Sinne nach Sündennacht und Trübsalsnacht zusammenfaßt. Auch Ps. 23,4 steht im Grundtext „Tal des Todesschattens“ statt: „finsteres Tal“ und bedeutet Trübsalsnacht, welche Todesgefahr bringt. —
3) Die Beschaffenheit des Schatten als eines flüchtigen führt dazu, daß er als Sinnbild des Vergänglichen gebraucht wird. So öfter vom menschl. Leben, 1 Chr. 29,15; Hi. 8,9; 14,2; 17,7; Ps. 102,12; 109,23; Pr. 6,12; 8,13. —
4) Sofern der Schatten der Umriß, aber nicht die Gestalt der Dinge ist, wird er gebraucht zur Bezeichnung der alttestamentl. Abbilder und Vorbilder, welche auf die neutestamentl. Erfüllung in Christo vorbereiten und hinweisen sollten, Kol. 2,17; Hbr. 8,5; 10,1.