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Sauerteig

Sauerteig, angefeuchtetes Mehl, das in Zersetzung begriffen ist; diese tritt ein, wenn man den Mehlbrei stehen läßt. Während noch Lot keine gesäuerten Brote hat, sondern für jedes Mahl in der Asche oder auf einem heißen Stein die dünnen, ungesäuerten Brotfladen macht, 1 Mo. 19,3, vgl. 18,6, wurde seit dem Aufenthalt Israels in Ägypten der Sauerteig für die gewöhnlichen Brote beständig gebraucht. Dagegen blieb er vom Altar ausgeschlossen, 3 Mo. 2,11, schwerlich deshalb, weil man die vom Sauerteig bewirkte Gärung als eine Art Fäulnis angesehen hätte, als hätte je irgend jemand gesäuertes Brot für verdorben gehalten. Vielmehr ist der Sauerteig 3 Mo. 2,11 mit dem Honig zusammengestellt, u. dies deutet auf den Grund, weshalb er vom Opfer abgesondert wird: alle künstlichen Mischungen und Zusätze, die nur um der Würze und Schmackhaftigkeit willen dem Brote beigegeben werden, werden untersagt, es wird die ursprüngliche, einfachste Weise der Brotbereitung für die Opferbrote festgehalten. Für die ungesäuerten Brote der Passahzeit kommen wohl mehrere Gesichtspunkte in Betracht (vgl. d. Art. Passah). Sie sind wohl einmal die Brote der beginnenden Erntezeit, die aus dem neuen Getreide in der raschen, uranfänglichen Weise (vgl. den Art. Sangen) hergestellt werden, ohne daß etwas Altes, von früher übrig gebliebenes ihnen beigemischt werden soll; dazu traten sodann die Beziehungen auf den ägyptischen Auszug, es sind die Brote der Erinnerung an die eilige Flucht aus Ägypten, 2 Mo. 12,39, und an die Not und den Mangel, die ihr vorangegangen sind, 5 Mo. 16,3. Zugleich vergegenwärtigt die Beseitigung der alten Brote und alles Sauerteigs anschaulich den neuen Anfang, den die erlösende Hilfe Gottes im Leben des Volkes schuf, durch den es in die Heiligkeit und Wahrheit berufen ist. Das nachexilische Judentum hat nach seiner Weise aus der Beseitigung des Sauerteigs eine umständliche Zeremonie gemacht, wobei der Hausvater in der Nacht vom 13. auf den 14. Nisan oder am Morgen des 14. das ganze Haus zu durchsuchen hatte, ob nicht irgendwo noch Brosamen liegen geblieben seien. Beim bildlichen Gebrauch des Sauerteigs fällt überall der Nachdruck auf seine zwar unsichtbare und geräuschlose, unmerkliche, aber unaufhaltsame, alles durchdringende Wirkung. So hat Jesus die verborgene, aber sieghaft das Wesen der Welt und des Menschen erneuernde, reinigende u. verklärende Weise des göttlichen Wirkens am Sauerteige dargestellt, Mt. 13,33. Mit dem „Sauerteig der Pharisäer“, Mt. 16,6; Mk. 8,15, deckt er den Jüngern den unbewußten, aber darum nur um so mächtigeren, ihr ganzes inneres Leben durchdringenden Einfluß auf, den der Pharisäismus noch auf sie übt. Ebenso weist Paulus mit dem Sauerteig 1 Kor. 5,6-8, vgl. Gal. 5,9 auf die um sich greifende, das ganze geistige Wesen korrumpierende Macht des Bösen hin, sowohl für die Gemeinde, wenn sie in ihrer Mitte den Sünder duldet, als für den einzelnen, wenn er in sich selbst eine Sünde hegt und pflegt. Die Erneuerung, welche die Vernichtung des Sauerteigs in der Passahzeit sinnbildlich darstellt, muß in der christl. Gemeinde Kraft und Wahrheit sein. Wie Jesus das wahrhaftige Passahlamm geworden ist, so bezeichnen die ungesäuerten Brote der Gemeinde, was sie selbst ist und sein soll: „Ihr seid ungesäuert“, kraft der Gerechtigkeit, die der Gemeinde im Namen Jesu und im Geiste Gottes geschenkt und bereitet ist; was sie aber durch die göttliche Gabe ist, soll sie auch erstreben und werden dadurch, daß sie sich vom Bösen reinigt und in die Lauterkeit und Wahrheit tritt. Dadurch wird das Passahgefetz in der christlichen Gemeinde als Geist und Leben zur Geltung und Erfüllung gebracht.
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