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Säen

Säen, Saat, Säemann.
1) Im eigentlichen, natürlichen Sinn, den Fruchtsamen in die Erde legen. Indem die Schrift das Gedeihen der Frucht des Feldes als einen göttlichen Segen ansieht, droht sie den Übertretern des Gesetzes oft damit, daß sie zwar säen, aber nicht ernten dürfen: 3 Mo. 26,16; Ri. 6,3; Hi. 31,8; Jer. 12,13; Mi. 6,15 u. a. Umgekehrt das Zukunftsbild eines friedlichen, fleißigen, gesegneten Anbau des Landes, Jes. 32,20. Beim Gericht über Babel sollen der Säemann und der Schnitter, das heißt alles ausgerottet werden, Jer. 50,16. Im Halljahr soll Israel nicht s. noch ernten, sondern von dem leben, was Gottes Hand ohne menschliches Bauen auf dem Feld wachsen läßt, 3 Mo. 25,11; ebenso im Sabbatjahr, 3 Mo. 25,20 f. —
2) Bildlich von einzelnen Unternehmungen oder Handlungen, wie vom ganzen Tun und Lassen des Menschen, vom Gutesund Bösestun, sofern als dies entsprechende Folgen hat, also einer guten oder schlechten Saat zu vergleichen ist, die gute oder böse Frucht bringt. Das Alte Testament hat hier zunächst den äußeren Erfolg gemäß göttlicher Vergeltung im Auge. So Ps. 126,5 f. „die mit Tränen säen“ geht zunächst auf den damals wiederbegonnenen Tempelbau, gilt dann aber auch allgemein und findet eine innerliche Erfüllung im Neuen Testament in der Trübsal, die eine ewige Herrlichkeit wirkt, vgl. 2 Kor. 4,17. Allgemein, vom Gutes- und Bösestun, sind folg. Stellen gemeint: Hi. 4,8 (nicht „Mühe“, sondern „Unrecht“ pflügen) und ebenso Spr. 22,8; Spr. 11,18; Hos. 10,12 (Gerechtigkeit säen); Jer. 4,3 (nicht unter die Dornen); Hos. 8,7 („Wind säen und Ungewitter ernten“; die Bilder des aufsteigenden Unwetters und der aufgehenden Saat sind in diesem Ausdruck verschmolzen; die Stelle geht zunächst auf den Götzendienst, vgl. 10,13). Pr. 11,4. 6 enthält eine Ermahnung, „den Samen frühe zu säen“, das heißt das Gutestun nicht zu verschieben. Denn „wer auf Wind achtet, der säet nicht“, das heißt der Zauderer und allzu Vorsichtige bringt nichts zustande. Das N. T. setzt diesen bildlichen Gebrauch des Wortes Säen fort, denkt aber dabei ebenso an die inneren sittlichen, wie an die ewigen Folgen, welche mit Notwendigkeit aus dem Tun des Menschen von selbst entspringen: Gal. 6,7 u. 8 „wer aufs Fleisch säet (das heißt das Fleisch — s. d. Art.
ist gleichsam der Saatboden, woraus das Tun des Menschen entkeimt), wird vom Fleisch das Verderben ernten,“ und umgekehrt, „wer auf den Geist säet usw.“; Jak. 3,18, „die Frucht der Gerechtigkeit wird gesäet im Frieden“ (bei denen, die Frieden halten): der Friede ist gleichsam das beste Säewetter und Saatfeld, bei dem die Saat, das heißt das Tun und Verhalten der Menschen zur Frucht der Gerechtigkeit, zum sittlichen Resultat der Rechtschaffenheit vor Gott, also zu ihrem eigenen Nutzen und Segen gedeiht. 2 Kor. 9,6 ist speziell von der Saat der christl. Wohltätigkeit gegen Arme die Rede, und der Apostel faßt die Reichlichkeit derselben ins Auge, die auch wieder dem Geber reichen Segen bringt. —
3) Im geistlichen Sinn bezeichnet der Herr die Predigt und Einprägung des göttl. Worts in die Herzen als ein Säen, dieses selbst als guten Samen, sich und seine Diener als Säende, Säemann, Säeleute: Mt. 13,3. 4. 19 f. 22 ff. 37. 39, dem gegenüber die Feindschaft gegen ihn und die Feinde selbst, „die Kinder des Argen“, als eine Saat des Teufels, V. 38. Vgl. 1 Kor. 9,11; Joh. 4,36 f. Säen, Saat, Säemann auch Art. Same. —
4) Typisch deutet der Apostel Paulus das Säen des Korns, das Absterben und Wiederaufblühen desselben als ein Sinn- und Vorbild vom Wiederauferstehen des begrabenen Menschenleibs, 1 Kor. 15,36-40. —
 5) Sach. 10,9 ist säen = zerstreuen.
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