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Rufen

Ruf, Rufen.
1)
a. Gott ruft, und sein Ruf, Rufen ist schöpferisch allmächtig (Jes. 41,4; 48,13; Röm. 4,17). Ohne seinen Ruf, Rufen würde nichts erhalten werden, Wsh. 11,25. Er ruft der Teurung (2 Kö. 8,1), der Dürre (Hag. 1,11), dem Schwert (Jer. 25,29), dem Feuer (Am. 7,4), dem Korn (Hes. 36,29). Sein Ruf, Rufen ist es, der in der Geschichte Neues auf den Schauplatz bringt. Er ries den einzelnen Abraham, daß er die Wurzel des Stammes Israel würde (Jes. 51,2). Er rief Israel im Typus (Hos. 11,1), wie im Gegenbild seinen Sohn (Mt. 2,15), aus Ägypten. Er ruft die Fürsten aus Mitternacht gegen Jerusalem (Jer. 1,15) und den Adler vom Aufgang, das Werkzeug des längst gefaßten Ratschlusses, Kores, gegen Babel (Jes. 46,11; 41,2; 13,3). Wenn er mit Namen ruft, so bedeutet das die Obhut des allwissenden Gottes über das Einzelne, das über der Menge nicht übersehen wird. Wie er die Sterne mit Namen ruft (Jes. 40,26), so den Kores, da dieser ihn noch nicht kannte (Jes. 45,4; 48,15), und eben damit erweist er sich als Gott der Weissagung (44,7). So den Knecht Gottes (Jes. 43,1; 49,1), wie auch der Messias seine Schafe mit Namen ruft (Joh. 10,3).
b. Gott ruft und will sich offenbaren; so die Völker zum Gericht (Joel 2,1; 4,9) und die Welt zum Zeugen, wenn er mit seinem Volk rechtet und richtet (Ps. 50,1). Er ruft: Adam, wo bist du? Er ruft und offenbart sich Mose, Samuel und den andern Offenbarungsorganen. Zwar ruft schon die Weisheit auf der Gasse (Spr. 1,21; 8,1. 4); aber der Prophet soll getrost r., mit aller Macht der Stimme, wie eine Posaune dem Volk seine Schäden vorhalten (Jes. 58,1, vgl. Hos. 8,1), freilich umsonst (Jer. 7,13; 35,17; Hos. 11,2). Die Wächter Zions rufen das Evangelium vom Reich (Jes. 52,8; Joh. 1,15). Daß der Knecht Gottes nicht schreien noch r. wird, bedeutet sein stilles, demütiges, sanftmütiges Auftreten. Was er bringt, empfiehlt sich selbst ohne marktschreierisches Ausposaunen (Jes. 42,2). Wie er Sünder zur Buße ruft (Mk. 2,17), so läßt er die Gäste zur Hochzeit r. (Mt. 22,3; s. Berufen).
2) Menschen r. zu Gott 1 Kö. 18,27. Vergebens wird Hiob einen der himmlischen Diener als Fürsprecher r., um sich bußfertige Unterwerfung zu ersparen (Hi. 5,1). Die Himmlischen selbst r. das dreimal Heilig (Jes. 6,3). So auch ruft der Betende mit Herz (Ps. 119,145) und Mund (Ps. 66,17), laut (Mk. 15,34) und heftig (Jon. 3,8), Tag und Nacht (Luk. 18,7), aus der Tiefe (Ps. 130,1) äußerer und innerer Not und Angst (Ps. 61,3; 107,6; 120,1; Jon. 2,3). In der Trübsal r. sie ängstlich, ergießen sie leises Flehen (Jes. 26,16); aber durch den Geist der Kindschaft ruft der Beter mit freudiger Zuversicht: Abba (Röm. 8,15). Das Ruf, Rufen setzt die gläubige Hoffnung der Erhörung voraus (Ps. 4,2; 17,6; 27,7). Hören und Erhören des Rufens fällt nach Jes. 30,19; Ps. 34,7; 55,17; Sir. 21,6 nahe zusammen. Härte und Lieblosigkeit hindert das Erhören des Ruf, Rufens (Jes. 58,9; Spr. 21,13; Jak. 5,4); überhaupt die Sünde (Jes. 59,2; Klgl. 3,8; Ps. 18,42; Spr. 1,28). Selbst der Gerechte klagt, daß sein Ruf, Rufen ohne Antwort bleibt (Ps. 22,3; Hab. 1,2; Hi. 19,7). Doch in der messianischen Zeit wird auch der leiseste Gebetsseufzer erhört (Jes. 65,24).
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