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Reise

Reise, Reisen. Auf der einen Seite hat das Nomadenleben, das die Vorväter der Israeliten führten, und der Handelsgeist, der jetzt noch in den Israeliten wohnt und auch in der bibl. Zeit schon (vielleicht bes. durch die Phönikier übermittelt) bei den Israeliten sich zeigt (s. Art. Handel), zu häufigerem Reise, Reisen Veranlassung geboten, auch die vom Gesetz vorgeschriebenen Festreisen, 2 Mo. 34,23; 5 Mo. 16,16; Luk. 2,41, andererseits Unvollkommenheit der Verkehrsmittel, Mangelhaftigkeit der Straßen (s. d. Art.), der Herbergen (s. d. Art.), auch Unsicherheit der Wege hemmend eingewirkt, so daß weite Reise, Reisen, wie zum Beispiel die des Paulus, etwas weit Ungewöhnlicheres u. Schwierigeres waren als heutzutage. Zum Reise, Reisen wie zum Fortschaffen des Gepäcks wurden Esel u. Kamele gebraucht u. Wagen, die mit Rindern bespannt waren (4 Mo. 7,3; 1 Sa. 6,7; 2 Sa. 6,6); Pferde wurden in früherer Zeit gar nicht zu diesen Zwecken und später wohl mehr bei den Vornehmeren verwendet (2 Sa. 15,1, vgl. Art. Pferd). Gerne, besonders wegen der schon damals gefährlichen, räuberischen Beduinen (vergl. die Esra 8,22 genannten „Feinde“), reiste man in größerer Gesellschaft (vergl. schon 1 Mo. 37,25: „Haufen“), in Karawanen, die oft einen großen Zug bildeten, bei welchem, damit alles beisammen bleiben könne, auf hohen Stangen ein weithin sichtbares Feuerzeichen vorangetragen wurde. Auch die Pilger, welche nach der Vorschrift des Gesetzes zu den Festen nach Jerusalem zogen (vgl. Luk. 2,44), wobei dann gern heilige Lieder (s. Chor) angestimmt wurden (vgl. Jes. 30,29), bilden einen großen Teil der Reisenden, von denen uns die Schrift berichtet.
Die zahlreichen Reise, Reisen u. Wanderungen des Herrn, da er auch „müde ward von der Reise, Reisen“ (Joh. 4,6), wurden natürlich in der bescheidensten Weise zu Fuß gemacht; viele Reisen (2 Kor. 11,26) werden berichtet von dem Apostel Paulus, und zwar nicht nur zu Land und zu Fuß mit manchen „Fährlichkeiten“, sondern auch zur See, und was er davon berichtet, läßt uns einen Blick tun in die damalige Schiffahrt (s. Art. Schiff).
Bemerkenswert ist, daß durch das Gesetz den Reisenden, die etwa über die Passahzeit entfernt waren, ein Nachholen dieses Festes gestattet war (4 Mo. 9,10 f.). Eine dieser Liberalität direkt entgegengesetzte Engherzigkeit lag in den späteren jüd. Satzungen in betreff der Reise, Reisen am Sabbat (s. d. Art.).
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