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Rechtschaffen

Rechtschaffen heißt recht beschaffen, so wie einer oder etwas nach seinem Wesen, wenn das recht verstanden wird, sein soll.
1) Gott „regieret rechtschaffen“, Ps. 9,9, das heißt gerecht. Ps. 111,7, „Gottes Gebote sind rechtschaffen“, denn sie sind, wie unmittelbar vorher gesagt, „Wahrheit und Recht“. Zugleich liegt darin den Menschen gegenüber, daß Gottes Wort und Walten in solcher Rechtbeschaffenheit u. Rechtschaffenheit, wahr und wahrhaftig, zuverlässig und bundestreu ist. In dieser letztern speziellen Bedeutung verläuft dann der Luthersche Gebrauch des Worts von den alttestamentl. Frommen, von Jesu und von seinen Gläubigen. —
2) Von den alttestamentl. Frommen. „Dienet Gott r.“ = mit vollkommener Hingebung, ungeteilt, aufrichtig, Jos. 24,14. In gleichem Sinn: „das r. Herz“, das Herz, wie es sein soll gegen Gott, 1 Kö. 8,61; 9,4; 2 Kö. 20,3; 1 Chr. 29,19; Ps. 119,80. Spr. 20,6 = treu gegen Menschen. —
3) Von Jesu. „In ihm ist ein r. Wesen.“ Eph. 4,21 wörtlich: „in ihm ist die Wahrheit“, das heißt es ist in ihm für Erkennen und Leben schlechthin die Wahrheit gegeben. —
4) Von seinen Glaubigen. Timotheus und Titus werden „rechtschaffene“ = echte, bewährte und erprobte Söhne des Apostels genannt, Phi. 2,22; 1 Tim. 1,2; Tit. 1,4, bezw. Aufgefordert, es zu sein und zu bleiben, 2 Tim. 2,15, wogegen das Herz des Zauberers Simon als „nicht rechtschaffen“, wörtlich: „gerade und aufrichtig“ vor Gott bezeichnet wird. Die Früchte der Buße sollen r. Sein, wörtlich: „würdig der Buße“, also echt und tief, nicht oberflächlich und bloß scheinbar, Mt. 3,8; Apg. 26,20; der Glaube soll sich ebenso als r. (echt) bewähren, 1 Pe. 1,7; Jak. 1,3, gleicherweise die Liebe als r., wahrhaftig, Eph. 4,15; 4,24 wird endlich der neue Mensch selbst, den die Christen anziehen sollen, als ein „in r. Gerechtigkeit und Heiligkeit nach Gott geschaffener“ bezeichnet und er soll an dieser „Rechtschaffenheit“, Wahrhaftigkeit, Innerlichkeit nach Christo erkannt werden. 1 Kor. 11,19; 2 Kor. 2,9. Der neue Mensch, das neue Leben muß sich als cin völlig rechtbeschaffenes und heiliges in der Wahrheit (nicht mehr in Lüsten des Irrtums, V. 22) beweisen und damit als eine neue Schöpfung des h. Geistes nach Gottes Bilde in den Herzen.
Das Bisherige zeigt, daß der Luthersche Gebrauch des Wortes „rechtschaffen“ sich mit dem, was der heutige Sprachgebrauch r. oder Rechtschaffenheit = bürgerliche Unbescholtenheit nennt, durchaus nicht deckt. Es ist darin etwas viel Höheres und Tieferes angedeutet, die Aufrichtigkeit vor Gott, die Gerechtigkeit aus dem Glauben an Christum, das neue Leben in Kraft der Bekehrung: dies ist die echte Rechtbeschaffenheit des Christen. —
5) Jer. 2,21, r. = echt, triebkräftig, im Unterschied von tauben oder wilden Samen.
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