rächen
Rache, rächen. Rache, rächen ist Ahndung angetanen Unrechts durch Wiedervergeltung od. Bestrafung.
1) Das Verlangen nach Wiedervergeltung erfahrenen Unrechts ist im Herzen des natürlichen Menschen tief eingewurzelt, aber durchaus gottwidrig und schon im A., noch mehr im Neuen Testament, verwehrt. Vor allem streitet es gegen die Pflicht der Liebe (3 Mo. 19,18), welche selbst dem Feinde gegenüber keine Rache, rächen gestattet (Mt. 5,38 f. 44; 1 Th. 5,15; 1 Pe. 3,9). Ferner ist die Lust nach Rache, rächen verbunden mit einem Mangel an Glauben an Gottes Gerechtigkeit und Allmacht, sie greift dem göttlichen Walten vor (1 Sa. 24,13; Spr. 20,22), ja greift ein in Gottes Majestätsrecht (5 Mo. 32,35; Röm. 12,19; Hbr. 10,30). (Feind Gottes und Israels.) Der Rachgierige verfällt der göttl. Strafe, Ps. 8,3.
Die einzige erlaubte, edle Rache, rächen ist diejenige, welche durch Gutestun feurige Kohlen auf das Haupt des Feindes sammelt, Röm. 12,20 f. Namentlich soll das Bewußtsein der eigenen Verschuldung vor Gott von jeder Rachsucht zurückhalten, Mt. 18,33, vgl. Jak. 2,13. Warnende Beispiele bieten Simeon und Levi, 1 Mo. 34,25 ff., vgl. 49,5 f., Joab, 2 Sa. 3,27 ff. und 1 Kö. 2,5 f. 34. Grundlose, frevelhafte Rache, rächen übten Potiphars Weib, 1 Mo. 39,13 ff.; Saul, 1 Sa. 24,18, Herodias, Mk. 6,24. Schöne Vorbilder dagegen bieten Joseph, 1 Mo. 45,3 ff.; 50,15 ff., Saul, 1 Sa. 10. 27; 11,12 f., David, 1 Sa. 24,4 ff.; 25,32 ff.; 26,7 ff.; 2 Sa. 16,10 ff.; 19,22 f., Elisa, 2 Kö. 6,21 f., Stephanus, Apg. 7,59, Paulus, 2 Tim. 4,16, vor allen aber Christus, Luk. 9,53 ff.; 23,34; 1 Pe. 2,23. —
2) Um so mehr aber r. Gott das Unrecht durch Bestrafung. Wie jede Sünde ein Unrecht gegen Gott ist (Ps. 51,6), so ist er auch der einzige berechtigte, aber auch unfehlbare Rächer (5 Mo. 32,35. 41; Jer. 5,9. 29; 46,10; 50,28; 1 Th. 4,6). Er hält das Rache, rächenschwert in der Hand (3 Mo. 26,25; Ps. 7,13, vgl. Jes. 59,17). Die Naturkräfte dienen ihm als Mittel der Rache, rächen (Ps. 148,8), ebenso aber auch Menschen (Hes. 25,14; Jer. 51,56). Besonders r. er so die Verletzung seines Ebenbildes am Menschen (1 Mo. 9,5). Seine Rache, rächen ist im Gegensatz zu menschlicher Rache, rächen nur gerechtes Strafen u. Richten (5 Mo. 1,17; Ps. 7,9. 12; 50,4; Hbr. 10,30; 2 Th. 1,5. 6. 8). Dies dient den Frommen zur Beruhigung (Ps. 35. 40 u. a.; 58,11; Joel 4,21; 2 Th. 1,7. 10; Offb. 16,7; 19,2). Ja sie bitten selbst darum (Ps.94,1. 2; 79,11; Offb. 6,10). Auch in der Verheißung des Herrn, Luk. 18,7. 8, heißt es nach dem Grundtext statt „retten“ eigentlich: Rache, rächen üben = Recht verschaffen. Die Zeiten besonderer göttlicher Strafgerichte heißen „Tage der Rache, rächen“, Jes. 34,8; 63,4; Jer. 46,10; 51,6; Luk. 21,22. Apg. 28,4 ist unter der „Rache“ die Rachegöttin der Griechen zu verstehen (Dike), die Tochter des Zeus und der Themis (der Ordnung), welche auch in Verbindung mit den Erinnyen — Furien — auftritt. —
3) Der Obrigkeit ist von Gott Recht und Aufgabe verliehen, in seinem Namen Rache, rächen zu üben an den Übeltätern zu ihrer Bestrafung und zum Schutz und zur Rechtfertigung der unschuldig Geplagten, Röm. 13,4; 1 Pe. 2,13 f.
— 2 Kor. 10,6 heißt Paulus die Bestrafung des Ungehorsams in der Gemeinde ein Rächen, 2 Kor. 7,6 ebenso, nur hier von der Gemeinde selber ausgehend. (Über Blutrache s. d.).