Purpur
Purpur, porphyra, bezeichnet die glänzende rote Farbe, die als Abzeichen königl. Blutes gilt u. aus der Purpurschnecke gewonnen wird. Diese Schnecke lebt an den klippigen Küsten Palästinas, bohrt räuberischer Weise andere Muscheln an, um sie auszufressen. Der Saft ist anfänglich blaßgelb, der Luft ausgesetzt wird er grün u. blau u. schließlich wird das Blau in Purpurfarbe übergeführt. Es gibt eine Reihe von Gastropoden, deren Saft als Färbemittel dient; welcher Art die alttest. Purpurschnecken waren, erkannte man erst an den Schneckenschalen, die bei Tyrus, einem Hauptsitz der Purpurfärberei angetroffen werden: Murex brandaris (Abb. 282) und trunculus. Durch Mischung mit dem Saft anderer Schnecken erhielt man die verschiedenen Nuancen von Rot bis Blau. Die geschätzteste Farbe war der doppelt gefärbte tyrische Purpur In den Handel kam aber nicht der Farbstoff als solcher, sondern die gefärbte Wolle. Nach Plinius war der Preis für ein Pfund hochfeiner doppelt gefärbter Wolle gegen 700 Mark. Nach 4 Mo. 4,5 ff. gehörten die purpurfarbigen wollenen Teppiche mit zu den Bestandteilen des Allerheiligsten. Auch war der Sitz in König Salomos Sänfte (Hohel. 3,10) purpurn. Jon. 3,6 ist der Purpur Abzeichen des Königs; Jer. 10,9 wird Purpur auf die Höhenbilder verwendet, Dan. 5,7 ist er Schmuck der am höchsten Ausgezeichneten. Zu Christi Zeiten noch war Purpur das Zeichen königl. Würde, Mt. 27,28, oder auch Tracht der vornehmen Schlemmer, Luk. 16,19. Später trat Scharlach, Cochenille, Indigo u. neuestens Anilin an die Stelle des Purpur (vgl. Scharlach).