Prüfen
Prüfen, Prüfung. 1) Von seiten Gottes. Wie das Feuer Silber und der Ofen Gold, so prüft der Herr die Herzen, Spr. 17,3. Sein Blick dringt bis ins innerste Wesen, in die verborgensten Affekte, Gedanken und Gefühle (Jer. 17,10; 11,20; 12,3; 20,12; Ps. 7,10; 11,4; 1 Chr. 29,17; 1 Th. 2,4). Dieser prüfende Blick Gottes kann auch dem Frommen sein Inneres beleuchten. Auf solche innere Erfahrung beruft sich der Psalmist, um sich von bewußter Sündenliebe freizusprechen, Ps. 17,3; 11,5. Andererseits bittet er, weil er weiß, wie leicht der Mensch sich über seinen Zustand täuscht, Gott, seinen Gemütszustand zu pr., und ihm klar werden zu lassen, Ps. 26,2; 139,23. Auch äußerlich nimmt Gott diese Prüfung vor durch Leiden. Gott wirft sein Volk in den Schmelztiegel, um es durch Leiden zu entschlacken und zu bewähren, Hi. 33,16; 36,10; Ps. 66,10; Sach. 13,9; Mal. 3,3; Wsh. 3,6, freilich, wo nichts Feuerbeständiges da ist, ohne Erfolg, Jer. 9,7; 6,27 ff. (siehe Bewähren, Erforschen). —2) Von seiten der Wenschen. Im allgemeinen ist Prüfung der Rede Vorrecht des denkenden Menschen, Hi. 12,11; 34,3. Der Mensch hat nach Sir. 37,30 zu pr., was seinem Leibe gesund ist. Und wie er die Zeichen des Wetters prüft, so sollte er auch die Zeichen der Zeit pr., Luk. 12,56. Insbesondere der glaubige Christ soll die Geister pr., ob sie aus Gott sind (1 Joh. 4,1), denn nicht alle Begeisterung ist echt. Auch der Einfältige kann das durch die Salbung; es ist aber auch der Gemeinde die Gabe der Geistesprüfung gegeben, 1 Kor. 12,10. Ebenso gilt es, auf sittlichem Gebiet zu pr., was der Wille Gottes ist. Der richtende Jude tut dies freilich in bloß verstandesmäßiger Weise (Röm. 2,18); aber für den in der Heiligung Stehenden ist diese Pr. des Guten u. Besten etwas höchst Praktisches, Röm. 12,2; Eph. 5,10; Phi. 1,10. Die Ermahnung, alles zu pr., alles, was sich uns als gut und göttlich anbietet, darauf anzusehen, ob es wirklich das ist, soll nicht heißen, daß man immer wieder von vorn anfangen soll zu untersuchen (2 Tim. 3,7), sondern eben vom Besitz der Wahrheit aus sollen wir pr., 1 Joh. 2,27. Die nötigste Pr. ist jedenfalls die Selbstprüfung (Gal. 6,4; 2 Kor. 13,5), bes. vor dem Nachtmahl (1 Kor. 11,28), indem andernfalls der Mensch durch Vergleichung mit andern auf falsche Höhen hinaufkommen, sich fälschlich des Glaubens berühmen u. den Leib des Herrn unwürdig genießen kann. Hingegen Gott zu pr., statt kindlich zu glauben, ist Sünde, Mal. 3,10; Ps. 95,9; Hbr. 3,9 (s. Versuchen).