Philosophie
Philosophie, nur Kol. 2,8 (Philosophen, stoische u. epikureische, Apg. 17,18 ff., s. die Artt.). Paulus meint hier, wie V. 8 ff. 18 ff. zeigt, jene in Kolossä eingedrungene, vorgeblich den christlichen Glauben überragende Weisheit, welche wesentlich in Spekulationen über Engel, geheimnisvolle Wesen einer höheren Welt, bestand, wodurch die einzige Mittlerstellung Christi verdunkelt wurde und womit gesetzliches Wertlegen auf Festtage und Askese (Vers 16. 23) verbunden war, die mit jenen Wesen, besonders durch Visionen, in Verbindung setzen sollten (s. d. Art. Kolosserbrief). Es war das eine Form des sogenannten Synkretismus an der Wende der Zeiten, jener weitverbreiteten und vielgestaltigen Vermengung der Religionen und aller möglichen Elemente höherer menschlicher Erkenntnis, eine Mischung, die sich bald als Religion, bald als „Liebe zur Weisheit“, „Philosophie“ bezeichnen konnte. Man darf also Kol. 2,8 nicht an den bestimmten Sinn des Worts Ph. denken, den es zur Zeit der großen griechischen Philosophenschulen hatte, oder den es, mit der Entwicklung des menschlichen Geisteslebens wechselnd, später in irgend einer bestimmten Zeit gewann. Daher sind auch alle aus unserer Stelle abgeleiteten Verwerfungsurteile über alle und jede Ph. in dieser Stelle durchaus nicht begründet. Daß allerdings menschliche Weisheit, und warum sie, und an welchem Punkt, mit dem Glauben in Widerspruch treten kann, hat Paulus 1 Kor. 1 und 2 deutlich gezeigt; nämlich wenn sie an die Stelle der Offenbarung Gottes in Christus treten will. (Vgl. die Artt. Erkenntnis und Weisheit.)