Philister
Philister, das in der Bibel oft erwähnte feindliche Nachbarvolk Israels, von dem das ganze Land (Palästina) den Namen erhalten hat.
1) Das von ihnen bewohnte Land ist der südliche Teil der Küstenebene südlich vom Karmel, die südlich von Joppe den Namen Sephela führt. Die Küste, durch schmale, sandige, hafenlose Dünen begrenzt, ist hier, wie weiter nördlich, dem Verkehr feindlich. Man hat schon den Namen Sephela (s. d. Art.) auf das dem Gebirg Juda vorgelagerte Hügelland beschränken wollen und davon die Küstenebene Philistäa unterschieden. Doch ist es sehr zweifelhaft, ob die Bibel wirklich zwei Teile, Hügelland und Ebene, unterscheidet; die Sephela ist das Philisterland, das von Höhenzügen durchzogen ist und Ebenen in sich schließt. Sie gehört zu den fruchtbarsten Gegenden Palästinas, wenn auch kein Humus, sondern nur rötlicher Sand mit rötlichem Ton den Boden bedeckt. Weizen- und Gerstenfelder breiten sich aus; nördlich von Gaza liegt der reichste Olivenhain Palästinas, während Dattelpalmen zerstreut stehen und die köstlichsten Früchte von Aprikosen, Feigen, Granatäpfeln und Weintrauben in größter Menge und Güte in den Gärten reifen, Tabak- und Lupinenfelder mit Obstgärten wechseln und eine reiche Flora die übrige Ebene deckt. Freilich muß einst das Land noch ganz anders geprangt haben. Südlich von Gaza bis zum Grenzflusse, dem Bache Ägyptens, ändert sich das Bild der Landschaft rasch. Das Land hatte in alter Zeit besonders für den Handel Bedeutung, weniger für den Seehandel, dem die Küstenbeschaffenheit nicht günstig war, als für den Landhandel: die alte Verkehrsstraße von Babylonien nach Ägypten ging durch die Städte Philistäas. —
2) Dieses Land war von dem streitbaren Volk der Philister bewohnt. Der Name derselben, Pelischtim und Pelescheth (letzteres Wort sehen viele als Landesnamen an) ist noch nicht sicher erklärt. Viel Beifall fand die Erklärung von Gesenius u. a. von einem semitischen Sprachstamm, der im Äthiopischen vorkommt und „aus- u. einwandern“ bedeutet (die früh in Abessinien eingewanderten Juden heißen dort Falascha), also = „Eingewanderte, Zugewanderte“. Gegen diese Erklärung spricht freilich, daß das Volk nach den ägyptischen Quellen den Namen schon vor der Zuwanderung trug. Daß die LXX das Wort von Ri. 3,31 an mit allophyloi wiedergibt, was „Leute andern Stammes“ bedeutet, beweist nichts: der Ausdruck will sie eben als Fremde bezeichnen. Aber die anderen Erklärungen sind noch unwahrscheinlicher: so wie Hitzig im Zusammenhang mit seiner Annahme von der Herkunft des Volkes den Namen für identisch mit dem der Pelasger, jener vorgriech. Bevölkerung Griechenlands, erklärt u. aus dem Sanskrit die Bedeutung „die Weißen“ (valakscha) im Gegensatz zu den roten Phönikiern u. den schwarzen Äthiopiern gewonnen hat. Wenn die Philister Zugewanderte sind, woher kamen sie? Über ihren Ursprung enthält das Alte Testament. folgende Angaben: Am. 9,7: „Hab ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt. und die Philister aus Kaphthor, und die Syrer aus Kir?“ Jer. 47,4: „Der Herr wird die Philister, die das Übrige sind aus der Insel Kaphthor, verstören.“ 5 Mo. 2,23; „Die Kaphthoriter zogen aus Kaphthor u. vertilgten die Avviter, die in Dörfern wohnten, bis gen Gaza und wohneten an ihrer Statt daselbst.“ 1 Mo. 10,13. 14: „Mizraim zeugte … die Pathrusiter und die Kasluhiter (von dannen sind kommen die Philister) und die Kaphthoriter.“ Auf Grund dieser Stellen sind umsomehr eine Menge von Ansichten aufgestellt worden, da namentlich Kaphthor in den verschiedensten Gegenden gesucht u.gefunden wurde. Wir nennen nur die wichtigsten. a. In den drei ersten Stellen wird Kaphthor (s. den Art.) als Ausgangspunkt genannt, in der Völkertafel werden in nächster Nähe die Kaphthoriter genannt, aber die Kasluhiter als diejenigen bezeichnet, von welchen sie ausgegangen sind. Es lag nahe, in der letzteren Stelle einen Schreibfehler anzunehmen und den Relativsatz statt zu Kasluhiter vielmehr zu Kaphthoriter zu stellen. Da aber alle alten Übersetzungen und die Chronik schon den Text wie wir gelesen haben, hat jene Annahme immerhin etwas Bedenkliches. b. Die Ableitung von Kaphthor u. Kasluhiter zugleich wäre leicht zu verstehen, wenn sich nachweisen ließe, daß beide Gebiete einander so nahe lagen, daß man den einen oder den andern Namen nennen konnte. 1 Mo. 10,13. 14 weist nach Ägypten. Dort hat man das Land der Kasluhiter (s. d. Art.) in der Landschaft Kasiotis im Nordosten Ägyptens nachweisen wollen. Unter Kaphthor haben dann manche Gelehrte entweder die ganze ägyptische Deltaküste oder einen weiter nach Westen gelegenen Teil derselben verstanden. Freilich ist der Name trotz aller Bemühungen im Ägyptischen noch nicht nachgewiesen und eine Reihe von Anzeichen weisen auf eine andere Stelle. c. Zwar daß Kaphthor = Kappadokien sei, wie die alten Übersetzungen meinen, ist allgemein aufgegeben. Aber es für Kreta zu halten, dafür spricht manches: Davids Leibwache führt den Namen Krethi u. Plethi, was doch am wahrscheinlichsten „Kreter und Philister“ bedeutet (s.d.Art.). 1 Sa. 30,14 heißt das Südland der Philister „das Mittagsland der Krethi“; Hes. 25,16 u. Zef. 2,5 steht Krethim das heißt Kreter geradezu neben und für Philister Damit hätten wir auch eine Insel, wie Jer. 47,4 sie zu fordern scheint (freilich kann das hebr. Wort geradezu ein Küstenland bezeichnen, s d. Art. Inseln). Aber wie verhält es sich nun mit der Ableitung von den Kasluhitern? Das läßt sich in verschiedener Weise ausgleichen:
a) ein Forscher, der aus den obengenannten Gründen Kaphthor im Nildelta westlich von der phatnischen Mündung sucht, nimmt dann an, daß die Philister — etwa durch Stämme, die von Libyen kamen, gedrängt — zuerst in das Gebiet der Kasluhiter einwanderten, später aber, wahrscheinlich durch die Unfruchtbarkeit des Landes veranlaßt, nach Kreta ausgewandert seien und sich dort für längere Zeit niedergelassen haben (Köhler).
b) Der verdiente Erklärer der Völkertafel, Knobel, nahm an, daß in dem Volk der Philister zwei ganz verschiedene Bevölkerungsschichten sich verbunden haben: die eigentlichen Philister, die er (samt Amalek, Amoritern, ägypt. Ludim, 1 Mo. 10,13, und den kleinasiatischen Lydern) von dem semitischen Lud, 1 Mo. 10,22, ableitet, kamen aus der Kasiotis; dazu kamen dann in den Süden des Philisterlandes Kaphthoriter aus Kreta. Doch hat diese Ansicht non zwei ganz verschiedenen Bestandteilen und von dem großen Stamm der semit. Luditen kaum einen Anhänger mehr.
c) Wieder andere lassen die Kreter einfach über das ägypt. Küstenland der Kasluhiter nach Philistäa kommen. Man nimmt auch wohl an, daß in verschiedenen Zügen und auf verschiedenen Wegen die Einwanderung erfolgte, etwa zuerst von Kreta aus, später andere von der Kasiotis, endlich noch einmal ein kräftiger Nachschub aus Kreta selbst. Daß die Philister in ihrem späteren Land eingewandert sind, steht schon durch die Angaben des Alten Testaments fest: das Alte Testament. nennt 5 Mo. 2,23 die Avviter als das Volk, das durch die Kaphthoriter aus seinen Sitzen verdrängt wurde, und dem entspricht (s. u.) das Zeugnis der ägyptischen Denkmäler, das vor den Philister eine andersartige Bevölkerung als in diesen Gegenden wohnend darstellt. Da die Gleichsetzung von Kaphthor u. Kreta jetzt als sicher angesehen werden kann
— auch Guthe hat sich dafür entschieden —, darf man in Kreta die Heimat der Philister sehen. Dazu passen auch die Inschriften der ägyptischen Denkmäler. Diese nennen eine Reihe fremder Völker, mit denen die Ägypter unter Ramses III. in Syrien zu kämpfen haben. Obenan stehen die Purasati und die Zakkari (oder Takkara). Die Purasati sind ohne Zweifel die Philister In dem Papyrus Golenischeff (11. Jahrh.) finden wir die Zakkari in Dor (südlich vom Karmel) ansässig; wir werden annehmen dürfen, daß ihre Genossen, die Purasati-Philister, neben ihnen in dem Land festen Fuß gefaßt haben. Nun hat W. Max Müller festgestellt, daß sie in Bewaffnung und Tracht den Bewohnern der südlichen kleinasiat. Küste und der Inseln des Ägäischen Meeres gleichen. „Die unter den „Seevölkern“ erscheinenden Ruku oder Luku das heißt Lykier werden ihre Nachbarn u. Verwandte gewesen sein.“ Auch das führt in die Gegend von Kreta.
Welcher größeren Völkerfamilie gehörten aber die Philister an? Auch hierüber, über die Nationalität der Philister, sind so ziemlich alle möglichen Ansichten aufgestellt worden. Mit viel Scharfsinn u. Gelehrsamkeit hat Hitzig erweisen wollen, daß das kriegslustige, reckenhafte Volk, das in der Weise der homerischen Helden den Gegner gerne prahlerisch zum Zweikampf herausforderte, Schiffahrt u. Handel trieb, für selbständige Städteordnungen und Städtebündnisse Sinn hatte, Söldnerscharen in den Kampf stellte, der indogermanischen Familie angehörte, genauer, daß es mit den Pelasgern Griechenlands eines Stammes war. Er suchte die wenigen Spuren ihrer Sprache in Namen und andern Wörtern aus dem Sanskrit zu erklären und sogar den Weg des Volkes im einzelnen festzustellen. So hätte auch der Gegensatz zwischen Philister und Israel tiefere Bedeutung: „Sem und Japhet, scharf ausgesprochener Charakter Asiens mit europäischem Wesen ältester Gestaltung, Verschiedenheit des Volkstums und der Sprache, der Religion und Sitte mußte beide Geschlechter von einander abstoßen und von vorn herein zwischen ihnen tödliche u. ewige Feindschaft pflanzen.“ Diese Kombinationen gehen etwas weit. Aber dafür, daß die Philister keine Semiten waren, spricht in der Tat manches: schon das, was als die Gegend ihrer Herkunft wahrscheinlich gemacht worden ist; sodann daß sie mit ihren Genossen auf diesen Denkmälern an der Zeichnung ihres Gesichts u. in ihrer Tracht deutlich von den Semiten unterschieden werden (man glaubt Leute „rein kaukasischen Schlages“ zu erkennen); endlich daß sie die Beschneidung nicht haben (1 Sa. 18,25 ff. u. ö.) u der Ausdruck „Unbeschnittene“ geradezu für den Namen Philister steht (Ri. 15,18 u. ö.).
Für semit. Herkunft hat man namentlich die Sprache geltend gemacht. Orts- und Personennamen sind mit wenigen Ausnahmen semitisch. Auch die Religion war semitisch. Ader die semitischen Namen beweisen nichts, da das Land vor ihnen eine semitische Bevölkerung hatte. Einige Personennamen sind doch nicht aus dem Semitischen zu erklären, und die hebräische Bezeichnung ihrer Fürsten (Seranim) hat man schon mit dem griech. Tyrannos verglichen. Sprache und Religion erklären sich auch bei nichtsemitischer Herkunft daraus, daß sie in Kanaan die Sprache und die Religion des Landes angenommen haben. In der Völkertafel (1 Mo. 10,13 f.) werden die Kasluhiter und Kaphthoriter, von denen sie abgleitet werden sollen, zu Ham gezählt. Andere halten sie immer noch für Semiten, die aus Ägypten kamen. Von dieser Annahme aus hat man sie mit den Hyksos (vgl.Ägypten) in Verbindung gesetzt. Ein früherer Haupterforscher der philistäischen Geschichte ist der Ansicht gewesen, daß ein Teil der Hyksos, die Küstenbewohner des Delta, mit dem Namen Kaphthoriter bezeichnet wurden und den Hauptbestandteil jener semitischen Hirtenvölker gebildet haben. Als das Reich der Hyksos zerstört ward, „ist der Kern der wehrhaften, tapfersten Stämme, gleichsam die Ritterschaft, an der Küste sortgezogen und hat nun eine Anzahl selbständiger Burgen oder Festungen besetzt in einer fruchtbaren, reichen Landschaft, deren frühere Bewohner als Landbauer in einem abhängigen Verhältnis blieben.“ Dieser Ansicht steht aber entgegen, was aus den ägyptischen Denkmälern erschlossen werden kann. —
a. von einem semitischen Sprachstamm, der im Äthiopischen vorkommt und „aus- u. einwandern“ bedeutet (die früh in Abessinien eingewanderten Juden heißen dort Falascha), also = „Eingewanderte, Zugewanderte“. Gegen diese Erklärung spricht freilich, daß das Volk nach den ägyptischen Quellen den Namen schon vor der Zuwanderung trug. Daß die LXX das Wort von Ri. 3,31 an mit allophyloi wiedergibt, was „Leute andern Stammes“ bedeutet, beweist nichts: der Ausdruck will sie eben als Fremde bezeichnen. Aber die anderen Erklärungen sind noch unwahrscheinlicher: so wie Hitzig im Zusammenhang mit seiner Annahme von der Herkunft des Volkes den Namen für identisch mit dem der Pelasger, jener vorgriech. Bevölkerung Griechenlands, erklärt u. aus dem Sanskrit die Bedeutung „die Weißen“ (valakscha) im Gegensatz zu den roten Phönikiern u. den schwarzen Äthiopiern gewonnen hat. Wenn die Philister Zugewanderte sind, woher kamen sie? Über ihren Ursprung enthält das Alte Testament. folgende Angaben: Am. 9,7: „Hab ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt. und die Philister aus Kaphthor, und die Syrer aus Kir?“ Jer. 47,4: „Der Herr wird die Philister, die das Übrige sind aus der Insel Kaphthor, verstören.“ 5 Mo. 2,23; „Die Kaphthoriter zogen aus Kaphthor u. vertilgten die Avviter, die in Dörfern wohnten, bis gen Gaza und wohneten an ihrer Statt daselbst.“ 1 Mo. 10,13. 14: „Mizraim zeugte … die Pathrusiter und die Kasluhiter (von dannen sind kommen die Philister) und die Kaphthoriter.“ Auf Grund dieser Stellen sind umsomehr eine Menge von Ansichten aufgestellt worden, da namentlich Kaphthor in den verschiedensten Gegenden gesucht u.gefunden wurde. Wir nennen nur die wichtigsten. a. In den drei ersten Stellen wird Kaphthor (s. den Art.) als Ausgangspunkt genannt, in der Völkertafel werden in nächster Nähe die Kaphthoriter genannt, aber die Kasluhiter als diejenigen bezeichnet, von welchen sie ausgegangen sind. Es lag nahe, in der letzteren Stelle einen Schreibfehler anzunehmen und den Relativsatz statt zu Kasluhiter vielmehr zu Kaphthoriter zu stellen. Da aber alle alten Übersetzungen und die Chronik schon den Text wie wir gelesen haben, hat jene Annahme immerhin etwas Bedenkliches.
b. Die Ableitung von Kaphthor u. Kasluhiter zugleich wäre leicht zu verstehen, wenn sich nachweisen ließe, daß beide Gebiete einander so nahe lagen, daß man den einen oder den andern Namen nennen konnte. 1 Mo. 10,13. 14 weist nach Ägypten. Dort hat man das Land der Kasluhiter (s. d. Art.) in der Landschaft Kasiotis im Nordosten Ägyptens nachweisen wollen. Unter Kaphthor haben dann manche Gelehrte entweder die ganze ägyptische Deltaküste oder einen weiter nach Westen gelegenen Teil derselben verstanden. Freilich ist der Name trotz aller Bemühungen im Ägyptischen noch nicht nachgewiesen und eine Reihe von Anzeichen weisen auf eine andere Stelle.
c. Zwar daß Kaphthor = Kappadokien sei, wie die alten Übersetzungen meinen, ist allgemein aufgegeben. Aber es für Kreta zu halten, dafür spricht manches: Davids Leibwache führt den Namen Krethi u. Plethi, was doch am wahrscheinlichsten „Kreter und Philister“ bedeutet (s.d.Art.). 1 Sa. 30,14 heißt das Südland der Philister „das Mittagsland der Krethi“; Hes. 25,16 u. Zef. 2,5 steht Krethim das heißt Kreter geradezu neben und für Philister Damit hätten wir auch eine Insel, wie Jer. 47,4 sie zu fordern scheint (freilich kann das hebr. Wort geradezu ein Küstenland bezeichnen, s
d. Art. Inseln). Aber wie verhält es sich nun mit der Ableitung von den Kasluhitern? Das läßt sich in verschiedener Weise ausgleichen: a) ein Forscher, der aus den obengenannten Gründen Kaphthor im Nildelta westlich von der phatnischen Mündung sucht, nimmt dann an, daß die Philister
— etwa durch Stämme, die von Libyen kamen, gedrängt — zuerst in das Gebiet der Kasluhiter einwanderten, später aber, wahrscheinlich durch die Unfruchtbarkeit des Landes veranlaßt, nach Kreta ausgewandert seien und sich dort für längere Zeit niedergelassen haben (Köhler). b) Der verdiente Erklärer der Völkertafel, Knobel, nahm an, daß in dem Volk der Philister zwei ganz verschiedene Bevölkerungsschichten sich verbunden haben: die eigentlichen Philister, die er (samt Amalek, Amoritern, ägypt. Ludim, 1 Mo. 10,13, und den kleinasiatischen Lydern) von dem semitischen Lud, 1 Mo. 10,22, ableitet, kamen aus der Kasiotis; dazu kamen dann in den Süden des Philisterlandes Kaphthoriter aus Kreta. Doch hat diese Ansicht non zwei ganz verschiedenen Bestandteilen und von dem großen Stamm der semit. Luditen kaum einen Anhänger mehr. c) Wieder andere lassen die Kreter einfach über das ägypt. Küstenland der Kasluhiter nach Philistäa kommen. Man nimmt auch wohl an, daß in verschiedenen Zügen und auf verschiedenen Wegen die Einwanderung erfolgte, etwa zuerst von Kreta aus, später andere von der Kasiotis, endlich noch einmal ein kräftiger Nachschub aus Kreta selbst. Daß die Philister in ihrem späteren Land eingewandert sind, steht schon durch die Angaben des Alten Testaments fest: das Alte Testament. nennt 5 Mo. 2,23 die Avviter als das Volk, das durch die Kaphthoriter aus seinen Sitzen verdrängt wurde, und dem entspricht (s. u.) das Zeugnis der ägyptischen Denkmäler, das vor den Philister eine andersartige Bevölkerung als in diesen Gegenden wohnend darstellt. Da die Gleichsetzung von Kaphthor u. Kreta jetzt als sicher angesehen werden kann — auch Guthe hat sich dafür entschieden —, darf man in Kreta die Heimat der Philister sehen. Dazu passen auch die Inschriften der ägyptischen Denkmäler. Diese nennen eine Reihe fremder Völker, mit denen die Ägypter unter Ramses III. in Syrien zu kämpfen haben. Obenan stehen die Purasati und die Zakkari (oder Takkara). Die Purasati sind ohne Zweifel die Philister In dem Papyrus Golenischeff (11. Jahrh.) finden wir die Zakkari in Dor (südlich vom Karmel) ansässig; wir werden annehmen dürfen, daß ihre Genossen, die Purasati-Philister, neben ihnen in dem Land festen Fuß gefaßt haben. Nun hat W. Max Müller festgestellt, daß sie in Bewaffnung und Tracht den Bewohnern der südlichen kleinasiat. Küste und der Inseln des Ägäischen Meeres gleichen. „Die unter den „Seevölkern“ erscheinenden Ruku oder Luku das heißt Lykier werden ihre Nachbarn u. Verwandte gewesen sein.“ Auch das führt in die Gegend von Kreta.
Welcher größeren Völkerfamilie gehörten aber die Philister an? Auch hierüber, über die Nationalität der Philister, sind so ziemlich alle möglichen Ansichten aufgestellt worden. Mit viel Scharfsinn u. Gelehrsamkeit hat Hitzig erweisen wollen, daß das kriegslustige, reckenhafte Volk, das in der Weise der homerischen Helden den Gegner gerne prahlerisch zum Zweikampf herausforderte, Schiffahrt u. Handel trieb, für selbständige Städteordnungen und Städtebündnisse Sinn hatte, Söldnerscharen in den Kampf stellte, der indogermanischen Familie angehörte, genauer, daß es mit den Pelasgern Griechenlands eines Stammes war. Er suchte die wenigen Spuren ihrer Sprache in Namen und andern Wörtern aus dem Sanskrit zu erklären und sogar den Weg des Volkes im einzelnen festzustellen. So hätte auch der Gegensatz zwischen Philister und Israel tiefere Bedeutung: „Sem und Japhet, scharf ausgesprochener Charakter Asiens mit europäischem Wesen ältester Gestaltung, Verschiedenheit des Volkstums und der Sprache, der Religion und Sitte mußte beide Geschlechter von einander abstoßen und von vorn herein zwischen ihnen tödliche u. ewige Feindschaft pflanzen.“ Diese Kombinationen gehen etwas weit. Aber dafür, daß die Philister keine Semiten waren, spricht in der Tat manches: schon das, was als die Gegend ihrer Herkunft wahrscheinlich gemacht worden ist; sodann daß sie mit ihren Genossen auf diesen Denkmälern an der Zeichnung ihres Gesichts u. in ihrer Tracht deutlich von den Semiten unterschieden werden (man glaubt Leute „rein kaukasischen Schlages“ zu erkennen); endlich daß sie die Beschneidung nicht haben (1 Sa. 18,25 ff. u. ö.) u der Ausdruck „Unbeschnittene“ geradezu für den Namen Philister steht (Ri. 15,18 u. ö.).
Für semit. Herkunft hat man namentlich die Sprache geltend gemacht. Orts- und Personennamen sind mit wenigen Ausnahmen semitisch. Auch die Religion war semitisch. Ader die semitischen Namen beweisen nichts, da das Land vor ihnen eine semitische Bevölkerung hatte. Einige Personennamen sind doch nicht aus dem Semitischen zu erklären, und die hebräische Bezeichnung ihrer Fürsten (Seranim) hat man schon mit dem griech. Tyrannos verglichen. Sprache und Religion erklären sich auch bei nichtsemitischer Herkunft daraus, daß sie in Kanaan die Sprache und die Religion des Landes angenommen haben. In der Völkertafel (1 Mo. 10,13 f.) werden die Kasluhiter und Kaphthoriter, von denen sie abgleitet werden sollen, zu Ham gezählt. Andere halten sie immer noch für Semiten, die aus Ägypten kamen. Von dieser Annahme aus hat man sie mit den Hyksos (vgl.Ägypten) in Verbindung gesetzt. Ein früherer Haupterforscher der philistäischen Geschichte ist der Ansicht gewesen, daß ein Teil der Hyksos, die Küstenbewohner des Delta, mit dem Namen Kaphthoriter bezeichnet wurden und den Hauptbestandteil jener semitischen Hirtenvölker gebildet haben. Als das Reich der Hyksos zerstört ward, „ist der Kern der wehrhaften, tapfersten Stämme, gleichsam die Ritterschaft, an der Küste sortgezogen und hat nun eine Anzahl selbständiger Burgen oder Festungen besetzt in einer fruchtbaren, reichen Landschaft, deren frühere Bewohner als Landbauer in einem abhängigen Verhältnis blieben.“ Dieser Ansicht steht aber entgegen, was aus den ägyptischen Denkmälern erschlossen werden kann. —
3) Innere Zustände der Philister Über die Religion der Philister ist nur wenig bekannt. Sie war jedenfalls den semitischen Religionen Vorderasiens verwandt. Wir finden von Götternamen erwähnt den Dagon, Ri. 16,23 f.; 1 Sa. 5,1 ff., der in Gaza und Asdod verehrt und mit einem Fischleib dargestellt wurde (vgl. Art. Dagon), den Baal Sebub in Ekron, den Fliegenbaal, der die Fliegen, diese Plage des insektenreichen Niederägyptens und Philistäas, herbei- und wieder wegführt (2 Kö. 1,2 ff.), eine der vielen Gestalten, in denen der syrische Baal uns begegnet; außerdem kennen die Alten noch eine Göttin Atargatis oder Derketo, deren Kultus in Askalon seinen Hauptsitz hatte. 2 Makk. 12,26 wird ein Atargation, ein Heiligtum von ihr, erwähnt, das nach dem Zusammenhang in Astharoth Karnaim sich befunden zu haben scheint. Später, in der hellenistischen Zeit, werden die philistäischen Götter mit dem griech.-röm. Götterhimmel in Verbindung gesetzt, ohne daß für die alte philistäische Religion etwas daraus zu entnehmen wäre. Für das Staats wesen der Philister ist charakteristisch, daß es in einem Städtebund von fünf, wie es scheint, gleichberechtigten Städten, Gaza, Askalon, Asdod, Gath und Ekron bestand. An der Spitze standen Fürsten, seranim; wenn Gath einen König hat, so ist damit schwerlich eine andere, höhere Würde bezeichnet. Trotz dieser Mehrheit von Fürsten finden wir keine Spur von Uneinigkeit. Von ihrem ersten Auftreten an erscheinen die P als ein sehr kriegerisches Volk. Mit Streitwagen, Reiterei und Fußvolk zogen sie zu Felde. Die 30 000 Streitwagen, die 1 Sa 13,5 neben 6000 Reitern u. Fußvolk wie Sand am Meere aufgeführt werden, sind zu hoch gegriffen. Aber jedenfalls war die Kriegerzahl für das kleine Ländchen bedeutend. Dabei fehlte es nicht an Interesse für die Werke des Friedens. Die Sephela bot dem Ackerbau einen sehr ergiebigen Boden (vgl. 2 Kö. 8,1. 2; Ri. 6,4), so daß sich zuzeiten die Raubzüge der Midianiter und in Notzeiten hungernde Bewohner des innern Landes hieher lenkten. Auch von einer gewissen Kunst fertigkeit sinden sich Spuren: ihre reiche Bewaffnung (1 Sa. 17,5 ff.), ihre Götterbilder (1 Sa. 5,4; 2 Sa. 5,21; 1 Chr. 14,12), die goldenen Abbildungen ihrer Pestbeulen (?) und der Feldmäuse (1 Sa. 6,4. 5. 17. 18), ihre Tempel-, Palast- und andere Bauten (Ri. 16,21 ff.) geben davon Zeugnis. Daß sie ein eigentliches Handelsvolk waren, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Alle ihre Städteanlagen beweisen wenigstens, daß sie keine bedeutende Schiffahrt, keinen Seehandel trieben, da keine derselben unmittelbar am Meer gebaut war, da sie von Anfang an ohne geschützte Häfen, ohne bequeme Buchten waren. Erst in der griech, Zeit lesen wir von Hafenörtern bei Gaza, Asdod und Jabne. Was außer der ungünstigen Beschaffenheit ihrer Küste, die durch eine den Nilschlamm hier absetzende Meeresströmung noch verschlechtert wird, die Ursache davon war, ob Mangel an Bauholz, oder die Eifersucht der Phönikier, mit denen sie übrigens, soviel wir wissen, fast immer in Frieden lebten, oder die Seeräuberei in jenen Gewässern, können wir nicht sagen. Ganz an Handel fehlte es ihnen jedenfalls nicht: dazu war ihr Land für den Durchgangshandel von Syrien nach Ägypten zu günstig gelegen. Wenn 1 Kö. 10,28. 29; 2 Chr. 1,16. 17 Salomo aus Ägypten Wagen und Pferde bezieht, von denen zugleich bemerkt wird, daß die hethit. und syrischen Könige sie von dort bekamen, so werden die Philister zwar nicht genannt, aber es ist von vornherein anzunehmen, daß sie dem Handel mit Ägypten nicht fernstanden. Plutarch erwähnt im Leben Alexanders, daß dieser in Gaza ungeheure Vorräte von Weihrauch und Myrrhen vorfand, was auf einen bedeutenden Handel mit Arabien hinweist. Auch der Reichtum an Geld, der mehrfach bezeugt wird ($$Ri,16,5::Ri 16,5$$, 18; 1 Chr. 18,11; $$2 Chr,17,11::2. Chr 17,11$$), spricht für einigen Handel des Volkes, das allerdings durch seinen kriegerischen Sinn von den phönikischen Nachbarn sich unterschied, bei dem man aber schon vermutet hat, daß seine Kämpfe namentlich der Sicherung der Verkehrsstraße von Ägypten nach Syrien dienen sollten. —
4) Geschichte. Wann die Philister in ihre späteren Wohnsitze einwanderten, läßt sich mit völliger Sicherheit nicht sagen. Hitzig hat ausrechnen wollen, daß sie, das unreine Hirtenvolk, unter Amenophis a. 1867 v. Chr., 38 Jahre nach den Hyksos (1905), 355 vor den Israeliten (1512) ausgezogen seien. Aber an dieser Rechnung ist alles unsicher. Nach den biblischen Angaben saßen in ihrem späteren Gebiet die Avviter, die 5 Mo. 2,23 als von ihnen vertilgt erwähnt werden, jedenfalls von ihnen unterworfen wurden. Nach 1 Mo. 21,32. 34; 26,1. 8. 14 ff. saßen Philister schon zur Zeit Abrahams und Isaaks jedenfalls im Süden. Nach 2 Mo. 13,17 wäre mit Rücksicht auf die kriegerischen Philister der direkte Weg nach Kanaan beim Auszug aus Ägypten verlassen worden. Die neueren Forscher (auch Öttli, Geschichte Israels S. 231) sind meist der Ansicht, daß in diesen Stellen spätere Verhältnisse in frühere Zeiten zurückverlegt seien, daß die Philister damals noch nicht in ihrem späteren Land wohnten. Bedeutsam erscheint im Alten Testament namentlich, daß der Bericht von der Einwanderung der Israeliten, Ri. 1, von den Philister noch nichts weiß. Aus den ägypt. Denkmälern und den Amarna-Urkunden geht eine spätere Zeit der Einwanderung hervor. Die Purasati (= Philister) erscheinen in den Denkmälern neben den Zakkari. Diese scheinen etwa unter Ramses III. (ca. 1208-1180) von Norden her in das Küstenland südlich vom Karmel eingewandert zu sein; wenigstens läßt sich aus dem Papyrus Golenischeff schließen, daß sie schon um 1150 in Dor saßen. Um diese Zeit werden die verwandten Philister auch in ihrem südlichen Gebiet sich festgesetzt haben. Sie müssen zuzeiten auch die Ebene Saron mit Dor inne gehabt haben. Sonst hätten sie nicht am Gebirge Gilboa mit den Israeliten kämpfen können.
— Bald kam es zu Kämpfen zwischen den Philister u. Israelitern. Die Philister, im Besitz der fruchtbaren und wasserreichen Küstenebene, suchten sich wohl, durch die Nachschübe aus der Heimat mit Überbevölkerung bedroht, des gebirgigen Hinterlandes zu bemächtigen, und stießen so mit den Israeliten zusammen. Die Simsongeschichten (Ri. 13-16) enthalten die Kunde von solchen Plänkeleien der aneinander grenzenden Völker. 1 Sa. 4,1 ff. wird eine Niederlage der Israeliten zwischen einem nicht sicher festzustellenden Aphek und dem späteren Eben-Ezer berichtet, vielleicht am Wadi Der Ballut nordöstlich von Jaffa, andere suchen’s weiter nördlich am Eingang des Tals von Dothan; in einer zweiten Schlacht ging sogar die Bundeslade verloren. Sie wurde freilich bald zurückgegeben (1 Sa. 5,1 ff.). Aber der philistäische Druck lastete hart auf dem Volke, wohl nicht nur auf dem mittleren Bergland, von dem hier berichtet wird, sondern wohl auf dem ganzen südlichen Palästina bis an die galiläischen Berge. Zwar wird ein Sieg Samuels über die Philister 1 Sa. 7,10-14 berichtet, durch den sie von dem Hochland nach Beth-Horon (so ist wohl statt Beth-Kar V. 11 zu lesen) hinuntergeworfen wurden, und der durch einen Denkstein zwischen Mizpa und Jesana verherrlicht wurde. Nach V. 13. 14 wurden die Philister in ihr Land zurückgedrängt und „kamen nicht mehr in die Grenze Israels“, V. 13; die den Israeliten abgenommenen Städte zwischen Ekron u. Gath wurden zurückerobert, V. 14. Es kann aber nach dem 1 Sa. 9 ff. Berichteten ein großer Erfolg nicht erreicht worden sein. Wir finden das Land gleich darauf wieder tributpflichtig; es hatte vielleicht sogar philistäische Steuervögte in seiner Mitte (1 Sa. 13,3. 4); andere übersetzen das betr. Wort vielleicht richtiger mit „Wachtposten“, rev. Übers. „Schildwacht“; dann hätten die Philister mittelst dieser Wachtposten das Land im Schach gehalten. Nach 1 Sa. 13,19 ff. wehrten die Philister sogar den Hebräern eiserne Geräte und Waffen herzustellen, um sie wehrlos zu machen; sie stellten die waffenfähige Mannschaft Israels sogar in ihr Heer ein (1 Sa. 14,21). Unter Saul begann die Wendung. 1 Sa. 13,3 wird erzählt, daß Jonathan „die Schildwacht der Philister, die zu Gibea war, schlug“ (andere „den philistäischen Steuervogt erschlug“). Als darauf die Philister mit großer Streitmacht einrückten, suchten die meisten in Höhlen und Klüften, auf unzugänglichen Bergspitzen Schutz oder flüchteten ins Ostjordanland. Die Heldentat Jonathans am Passe von Michmas leitete jedoch einen glänzenden Sieg über die Philister ein, 1 Sa. 14, sie wurden bis Ajalon verfolgt. Aber Saul hatte noch oft schwere Kämpfe mit dem tapferen Volk auszufechten, das seine Oberherrschaft immer wieder aufrichten wollte: als sie nach einiger Zeit im Wadi es-Samt gegen das Gebirge Juda heraufdrangen, trieb Davids Sieg über Goliath sie in wilder Flucht in ihre Ebene hinunter (1 Sa. 17). Weitere Kämpfe folgten 1 Sa. 18,25 ff.; 19,8. In der Zeit, da David vor Saul fliehen mußte, war es ihnen leicht, wieder gefährlich zu werden. David selbst flüchtete zum König von Gath und fand in dem ihm geschenkten Ziklag, das er als sreilich sehr zweifelhafter Vasallenfürst der Philister regierte, Aufnahme. Das Mißtrauen der Philisterfürsten hielt ihn von dem Entscheidungskampfe am Gebirge Gilboa fern, in welchem Israel völlig unterlag (1 Sa. 31). Dadurch geriet das Land aufs neue in Abhängigkeit von den Philister David war ihr Vasall, auch noch als König von Hebron. Erst als König des Gesamtreichs konnte er dauernd die Herrschaft der Philister abschütteln. Als die Philister zur Behauptung ihrer Herrschaft heranzogen, wurden sie im Tal Rephaim südwestlich von Jerusalem und dann noch einmal in der Nähe geschlagen und von Gibeon bis Geser verfolgt (2 Sa. 5,17 ff.). Näheres erfahren wir nicht. 2 Sa. 8,1 ist der Text nicht sicher. Die Übersetzung der rev. Bibel: „er nahm den Dienstzaum von der Philister Hand“ ist nicht zweifellos. Die Parallelstelle 1 Chr. 18,1 hat dafür die Wendung: „er nahm Gath u. ihre Töchter aus der Philister Hand“, Von einer dauernden Unterwerfung der Philister ist keine Rede; aber sie waren auf ihre Ebene beschränkt und von da an ungefährlich. David nahm seine Leibwache aus ihnen (2 Sa. 15,18). Die Kämpfe mit ihnen werden von da an mehr und mehr bedeutungslos. In der ersten Zeit nach der Reichsteilung war das danitische Gibbethon in ihren Händen; die israelit. Könige suchten es ihnen zu entreißen, 1 Kö. 15,27; 16,15. Unter Josaphats Sohn Joram eroberten Philister mit Arabern zusammen Jerusalem (2 Chr. 21,16 ff.; 22,1, vgl. 17,11); später wurden sie von Usia gründlich gedemütigt, Gath, Jabne, Asdod erobert (2 Chr. 26,6), und neue Städte dort angelegt. Dennoch wurde ihr Widerstandsmut nicht gebrochen: aus Anlaß des syrisch-ephraimit. Krieges erhoben sie sich unter Ahas wieder und machten Eroberungen in der Küstenebene u. dem Negeb (2 Chr. 28,18). Manche Strasdrohung riefen die Propheten dem unermüdlichen Feinde zu (Am. 1,6 ff.; Zef. 2,4 ff.; Jes. 14,28 ff.; Jer. 25,20; 47,1 f.; Sach. 9,5 f.), und mancher Schlag traf sie: den Abfall unter Ahas rächte Hiskia (2 Kö. 18,8) Auch den großen Weltmächten konnten sie schon wegen der Lage ihres Landes nicht entgehen: die großen assyrischen Könige erschienen der Reihe nach im Lande: Hadad-Nirari III. (ca.800) ist auch Herr von Philistäa; Tiglatpileser II. eroberte Gaza; Sargon u. Sanherib setzten das Werk fort; Asarhaddon, der Ägypten eroberte, hatte Philistäa jedenfalls in seiner Gewalt. Bald erschienen auch die ägypt. Herrscher im Feld: Psamtik I. (Psammetich, ca. 663-609) belagert Asdod nach Herodot 29 Jahre lang, ehe es sich ergibt; Gaza fällt in die Hände von Necho, Jer. 46,2; 47,1. Auf die ägyptische Herrschaft folgt die babylonische, die persische. Aber wenn auch das philistäische Staatswesen zertrümmert wird, die einzelnen Städte, ost zerstört, erstehen gleich wieder aus den Trümmern. Die Philister blieben den Persern treu, und die tapfere Verteidigung Gazas gegen Alexander, der die Stadt dafür grausam züchtigte, ist eines der wenigen ruhmreichen Ereignisse beim Untergang des Perserreiches. Fortan teilte das Ländchen die wechselnden Geschicke jener Grenzgebiete. Es fiel 323 an Syrien, wurde bald von Ptolemäus, 315 von Antigonus, 312 wieder von Ptolemäus für kurze Zeit gewonnen; nachdem Antigonus es noch einmal 10 Jahre behauptet, verblieb es dem ägypt. Reiche, bis es 198 an Syrien fiel. Im Makkabäerkampf flammte noch einmal die alte Feindschaft auf: Jonathan zerstörte Asdod mit dem Dagonstempel (1 Makk. 10,84), unterwarf Askalon (10,86), erhielt Ekron von Alexander Balas als Geschenk (10,89), zwang Gaza zum Frieden, 11,61 f. Alexander Jannäus vollendete die Unterwerfung Philistäas, die Zerstörung Gazas. Pompejus machte Philistäa vom jüd. Reich unabhängig und unterstellte die Städte unmittelbar dem syrischen Statthalter. Eine neue Blüte begann für sie, die dadurch nicht gestört wurde, daß einige derselben vorübergehend unter die wohlwollende Regierung von Herodes I. und Agrippa I. kamen. Herodes I. schmückte namentl. seine Geburtsstadt Askalon, „die Braut Syriens“, mit herrlichen Bauten. Die ganz hellenisierten Städte blieben im jüdischen Krieg treu und überdauerten auch den Aufstand Barkochbas. In dem von Hadrian neu gegründeten Gaza wurden die jüdischen Gefangenen als Sklaven verkauft.
Im Neuen Testament wird das Land nur selten erwähnt. Philippus zieht Apg. 8,26 auf der wüsten Straße nach Gaza hinab und wird 8,40 in Asdod gefunden. Schon in Nicäa 325 finden wir eine Reihe von Bischöfen aus dem alten Philisterland; aber das Heidentum behauptet sich zäh, namentlich in Gaza, bis um 400 ein kaiserl. Edikt ihm den Todesstoß versetzt.