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Philipperbrief

Philipperbrief. Philippi war eine altgriech. Stadt an der Grenze Makedoniens gegen Thrakien, ungefähr eine Tagereise östlich vom Fluß Strymon. Nach dem Sieg der Triumvirn über die Republikaner, der bei dieser Stadt erfochten wurde, machte sie Augustus zu einer römischen Kolonie, die er Anhängern des Antonius überwies, um sie aus Italien zu entfernen; vgl. Apg. 16,12. Da die Stadt keinen beträchtlichen Handel hatte, blieb ihre jüdische Gemeinde klein. Doch gab es auch in Philippi ein jüdisches Bethaus draußen vor der Stadt am Flüßchen Gangites. Bei seinem ersten Besuch traf dort Paulus freilich überwiegend Frauen beim Gottesdienst an, Apg. 16,13. Nachdem Paulus auf seiner zweiten Reise Kleinasien mit der Gewißheit durchwandert hatte, daß er das vom Herrn für ihn bestimmte Arbeitsfeld noch nicht gefunden habe, betrat er Philippi in der Überzeugung, daß ihm in Makedonien eine neue Wirksamkeit gewährt sei. Lukas hat uns den Anfang dieser Gemeinde beschrieben, der dadurch zustande kam, daß eine der Frauen, die Paulus im jüdischen Bethaus hörten, gläubig ward und nun Paulus so dringend in ihr Haus einlud, daß er sich gegen die sonst von ihm beobachtete Regel von den dortigen Christen verpflegen ließ. Daran fügt Lukas sofort den Bericht über die Ereignisse, durch die Paulus und seine Gefährten, Silas und Timotheus, aus der Stadt vertrieben wurden, und zeigt uns an ihnen, wie auch die Versolgung das Werk des Paulus förderte und die junge Gemeinde stärkte. Der Anlaß zu seiner Vertreibung, die Erweisung seiner apostolischen Macht an einer wahrsagenden Sklavin, sodann die Freudigkeit, mit der Paulus und Silas ihre öffentliche Bestrafung litten, weiter die Bekehrung des Kerkermeisters im Zusammenhang mit ihrer Verhastung, endlich auch ihre ehrenvolle Entlassung, all das bewirkte, daß die Gemeinde durch ihre Trennung von Paulus keinen Schaden litt, vielmehr befestigt wurde und auch nach seiner Abreise das Evangelium kraftvoll in ihrer Stadt vertrat. Wahrscheinlich ließ Paulus Lukas bei ihr zurück, da Lukas nur im Bericht über die Reise von Troas nach Philippi sich selbst zu den Begleitern des Paulus zählt, Apg. 16,10-17, und erst dann wieder an seine Anwesenheit erinnert, als Paulus bei seinem letzten Besuch in Philippi von dort nach Jerusalem aufbrach, 20,5. Die Gemeinschaft zwischen den Christen von Philippi und Paulus blieb besonders innig und freundschaftlich, so daß er ohne Bedenken von ihnen die Gaben ihrer Liebe annahm. Als er seine Arbeit in Thessalonich tat, unterstützten sie ihn dort, Phil. 4,16. Zum zweitenmal besuchte er sie nach dem Schluß seiner Arbeit in Ephesus (2 Kor.) und zum drittenmal nach seinem zweiten Besuch in Korinth, als er seiner Sicherheit wegen nicht zu Schiff, sondern zu Lande die Reise nach Jerusalem antrat, Apg. 20,3-6. Damals schloß sich Lukas wieder an Paulus an. In den Verkehr des Apostels mit der Gemeinde während seiner römischen Gefangenschaft erhalten wir durch den Philipperbrief Einblick. Daß Paulus ihn in Rom geschrieben hat, wird daran sichtbar, daß er damals im Verkehr mit einer großen, von verschiedenen Interessen bewegten Gemeinde stand, 1,14-18, weiter daran, daß er im Prätorion (Richthaus) gefangen war, in der großen römischen Kaserne, in der auch Gefangene verwahrt wurden, 1,13, endlich daran, daß er mit Christen in Gemeinschaft stand, die zum Gesinde des Kaisers gehörten, 4,22. Jene beiden Jahre, während deren Paulus in seiner eigenen Wohnung auf das Urteil des Kaisers wartete, Apg. 28,30, waren also vorbei. Damals hatten die Philipper einen ihrer ersten Männer, Epaphroditus, zu Paulus gesandt mit einer für ihn bestimmten Geldsumme, damit er ihn bei seiner Arbeit unterstütze. Das machte den Verkehr zwischen Paulus und den Philippern in jener Zeit besonders lebhaft. Sie waren über die Veränderung seiner Lage, die durch seine Einkerkerung herbeigeführt wurde, unterrichtet und darüber betrübt; ebenso hatten sie gehört, daß Epaphroditus erkrankt sei, 2,26. Als sich Paulus entschloß, ihn nach seiner Genesung nach Philippi zurückzusenden, gab er ihm diesen Brief mit, den einzigen, der uns aus seinem reichen Verkehr mit dieser Gemeinde erhalten blieb. Er macht mit besonderer Wärme die herzliche Freundschaft sichtbar, die ihn mit den Christen Philippis verband. Nach dem Gebet für die Gemeinde, 1,3-11, teilt ihr Paulus zuerst mit, wie er jetzt seine Lage in Rom ansieht, 1,12-26. Seine Überführung in das Gefängnis hat das Evangelium nicht gehindert; denn er hat es erreicht, daß jedermann im Prätorion weiß, daß er um Christi willen gefangen ist, und das Zeugnis der röm. Christenheit für Jesus wurde durch seine Verhaftung nicht geschwächt. Auch darüber, daß einige römische Christen mit Paulus verfeindet sind und gegen ihn arbeiten, vielleicht weil sie ihre jüdischen Überzeugungen verteidigten, beruhigt er die Gemeinde, da auch dies zur Förderung des Evangeliums beiträgt. Die Ungewißheit über sein Schicksal bedrückt ihn nicht, da er weiß, daß er, falls er sterben muß, Christus durch seinen Tod preisen wird; er hofft aber auf seine Freisprechung und verspricht den Philippern für diesen Fall seinen Besuch. Die Aufgabe der Gemeinde besteht darin, daß sie in ihrem Kreis die einträchtige Verbundenheit herstelle, 1,27-2,18. Dazu muß sich jeder von allen ehrgeizigen und selbstsüchtigen Bestrebungen reinigen, wozu der Weg Jesu alle beruft, der aus der Herrlichkeit Gottes in den menschlichen Lebensstand eintrat bis zum Kreuz, und eben dadurch, eben durch seine Entäußerung und seinen Gehorsam, die Erhöhung über alle empfing. Darauf berührt er, was ihm zu seinem Brief den nächsten Anlaß gab, 2,19-30; er verspricht der Gemeinde, daß er ihnen bald Timotheus schicken werde, und erklärt, daß Epaphroditus nach seiner eigenen Anordnung zu ihnen zurückkehre. Da aber auch für die Philipper die Gefahr bestand, daß jüdische Christen ihnen den Glaubensstand, zu dem Paulus sie geführt hatte, verwirrten, hält er ihnen sein Beispiel vor, Kap. 3, wie er auf alles verzichtet hat, was er im Judentum besaß, einzig nach Christus verlangte und im Glauben an ihn seine Gerechtigkeit suchte und deshalb unermüdlich mit angestrengtem Fleiß dem himmlischen Ziel zustrebte. Es folgen noch einige Mahnworte, die der Gemeinde zur freudigen Lauterkeit verhelfen, darunter ein solches für zwei Frauen, die an der Arbeit für die Gemeinde teilnahmen, 4,1-9, und den Schluß macht er mit einem Wort, das den Philippern zeigt, welchen Wert ihre Geldsendung für ihn hatte, 4,10-23. So läßt uns dieser Brief besonders deutlich erkennen, wie Paulus auch im Gefängnis sein Apostelamt verwaltete und wie freudig er sein Leben als Opfer für Jesus dahingegeben hat.
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