Ohr
Ohr.
1) der Menschen.
a. Das äußere Ohr Der Knorpel des rechten Ohr wurde bei der Priesterweihe mit Blut (3 Mo. 8,23), bei den Aussätzigen mit Blut und Öl (3 Mo. 14,14. 17) bestrichen zum Symbol der Heiligung dieses Sinnes. Ebenso symbolisch war die Durchbohrung des Ohr bei dem, der sich auf ewig zum gehorsamen Knecht hergab (2 Mo. 21,6). Bildlich von einem Glied am Leibe Christi, das, wenn es auch nicht ist wie ein Auge, dennoch zum Leibe gehört, 1 Kor. 12,16.
b. Das innere Ohr Das Ohr ist für den Geist noch wichtiger als das Auge. Es prüft die Rede (Hi. 12,11), hört die Strafe des Lebens (Spr. 15,31), faßt die Gebote Gottes (2 Mo. 15,26). Unendlich ist die Fülle der Eindrücke auf das Ohr in der Sinnenwelt, Pr. 1,8. Aber etwas ganz Neues, was kein Ohr gehört hat, ist das durch den Geist Geoffenbarte, 1 Kor. 2,9. Um dieses recht zu hören, ist ein inneres Aufmerken nötig. Es ist aber eine alte Klage über Israel, daß es keine hörenden Ohr hat, 5 Mo. 29,3. Seine Ohr sind durch ein gerechtes Gericht verstockt (Jes. 6,10; Mt. 13,14; Apg. 28,26; Sach. 7,11), es ist unbeschnitten an Herzen und Ohren (Apg. 7,51). Ein Mensch, der seine Ohr gegen alle Einrede verstopft, wird einer Otter verglichen, die gegen alle Beschwörung taub ist, Ps. 58,5, vgl. Apg. 7,57; Spr. 28,9; 21,13. Hingegen werden wir eingeladen, unser Ohr der göttl. Rede zu neigen (Ps. 78,1; Spr. 22,17; 23,12; 2,2; Jes. 55,3). Ein hörendes Ohr ist eine Gabe Gottes, Spr. 20,12; Mt.13,16. Der Herr weckt und öffnet seinem Knecht täglich das Ohr, er setzt ihn in den Stand, seinen Willen innerlich zu vernehmen, Jes. 50,4. 5; 2 Sa. 7,27; das geschieht auch in bedeutsamen Träumen, Hi. 33,16; 36,10. Nach Ps. 40,7 will Gott nicht Opfer, sondern aufgetane Ohr, das heißt Hingabe der Person in willigem Gehorsam. Weil das Ohr so wichtig ist, heißt es 8 mal im Ev. bei wichtigen Wahrheiten: „Wer Ohr hat zu hören, der höre“ (Mt. 11,15; 13,9. 43; Mk. 4,9. 23; 7,16; Luk. 8,8; 14,35), und ebenso 7 mal in den Briefen an die 7 Gemeinden, Offb. 2 u. 3: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (vgl. Offb. 13,9).
—
2) Gottes Ohr Gott ist zwar ein Geist, kein Körper. Aber der das Ohr gemacht hat, sollte der nicht hören? Der das Vermögen zu hören verleiht, sollte der es nicht selber besitzen? Sein Ohr hört alles, Wsh. 1,10. Die Frevel kommen vor sein Ohr (2 Kö. 19,28; 4 Mo. 11,1; Jak. 5,4), aber auch das Gebet der Frommen (Ps. 34,16; 1 Pe. 3,12). Seine Ohr sind nicht dicke geworden (Jes. 59,1), sie merken darauf (Ps. 10,17; 130,2). Er wird gebeten, seine Ohr zu neigen, also gnädig zu hören und zu erhören (2 Chr. 6,40; Ps. 86,1; 88,3; 116,2; Dan. 9,18; Klagel. 3,56), und er tut es (2 Chr. 7,15), kann sie aber auch verstopfen, Hes. 8,18; Klagel. 3,8. Diese starken Anthropopathien zeigen, wie notwendig der Fromme einen nahen Gott braucht und wie weh ihm ist, wenn sich ihm Gott eine Zeitlang verbirgt. (Vgl.: Auge, Hören.)