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Neid

Neid, neiden, Neider, neidisch. Neid ist Mißvergnügen über das Gute des Nebenmenschen mit dem Wunsch, es selbst zu besitzen, ja sich steigernd bis zur Schadenfreude an der Benachteiligung desselben. Der Neid fehlt nicht in den Verzeichnissen der heidnischen Laster, die vom Reich Gottes ausschließen, Röm. 1,29; Gal. 5,20. Er ist Ausfluß des bösen Herzens, Mk. 7,22 (Schalksauge, vgl. Mt. 20,12), Man denke an Kain und Abel, an Josephs Brüder (Apg. 7,9), an die Eifersucht Rahels auf Lea (1 Mo. 30,1), der Philister auf Isaak (1 Mo. 26,14), der Rotte Korah auf Aarons Priestertum (Sir. 45,22), Sauls gegen David (1 Sa. 18,8), vor allem an die giftigste Frucht der Sünde, an den Tod Jesu, wo auch Pilatus merkte, daß ihn die Hohepriester aus Neid überantwortet hatten (Mt. 27,18); man erinnere sich, wie auch das Widerstreben der Juden gegen die Annahme der Heiden auf diesem selbstsüchtigen Motive ruhte (Apg. 13,45; 17,5); man bedenke, wie auch das christl. Gemeindeleben von diesem Krebsschaden vergiftet wird (1 Kor. 3,3; 2 Kor. 12,20), wie er die theologischen Wortkriege vergiftet, 1 Tim. 6,4, wie er als Brotneid die Seele der Konkurrenz im Gewerbsleben ist (Pr. 4,4): so wird man Sirach recht geben, der das Geschick des menschl. Geschlechts beklagt, immerdar und überall zu haben Zorn, Eifer, Widerwärtigkeit, Unfriede, Neid und Zank, Sir. 40,4. Und doch ist der Neid ganz entgegengesetzt der göttlichen Gesinnung. Haß u. Zorn kann man von der Gottheit aussagen, aber den Neid haben nur die Heiden in Gott hineingedichtet. Der Neid ist schlechthin böse; auch den Bösen ist das Gute, das sie haben, nicht zu mißgönnen, Ps. 37,1, und Wsh. 6,25 hat recht: Ich will mit dem giftigen Neid nichts zu schaffen haben. Er wird schon im Dekalog vom Schlußgebot getroffen; denn der Neid ist die sündl. Seele des Sichgelüstenlassens. Vollends widerspricht er dem Sinn Christi: Alles, was ihr von den Leuten wollt, das tut ihnen, und: Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. Das Laster ist eigentlich teuflisch. Ist doch nach Wsh. 2,24 der Tod durch des Teufels Neid in die Welt gekommen. Zudem hat der Mensch von diesem Laster so gar keinen Nutzen oder Genuß, Jak. 4,2. Es ist Eiter, Knochenfraß in den Gebeinen, Spr. 14,30. Es zerstört allen Frieden u. Freude, alles gesellige Leben, Jak. 3,14, 16; Spr. 23,6; Sir. 14,10; 37,13. Dennoch liegt dem Menschen nach dem Geständnis selbst eines Kant nichts näher als dieses Laster, und auch für den Christen, der das Prinzip der Liebe in sich hat, bleibt es Aufgabe, den Neid abzulegen, Röm. 13,13; 1 Pe. 2,1; Gal. 5,26; Phi. 2,3; 1 Kor. 3,3. Hingegen die Liebe, Freundlichkeit und Leutseligkeit des Heilands überwindet auch weiland in Bosheit und Neid Wandelnde, alle Sanftmütigkeit zu beweisen gegen alle Menschen, Tit. 3,2-4.
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