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Natur

Natur, natürlich.
1) Man hat gesagt, es fehle dem Hebräer die Idee der dem Weltgebäude immanenten Ordnung und damit Wort und Begriff der Natur. Man könnte vielleicht eher sagen, die moderne Bildung reiche nicht an den lebendigen Gott, der über allem, durch alles und in allem ist, der alles trägt mit seinem kräftigen Wort. Eine Gesetzmäßigkeit in der Schöpfung erkennt auch der Ebräer, Hi. 38,33; Ps. 104,19; ihre exakte Kenntnis ist freilich ein Privilegium der göttl. Weisheit. Nur kennt er keine von Gott losgerissene Kreatur, sondern die Gesetze des Himmels, Jer. 31,36, stammen von göttl. Satzung. Der Himmel kann nicht regnen, Jer. 14,22. Gott ist es, der die Ernte jährlich und treulich behütet, Jer. 5,24. Nur dem deistischen Rationalismus gegenüber hat Schiller recht, wenn er die entgötterte Natur, natürlich beklagt; aber im biblischen Theismus ist die Natur, natürlich resp. Kreatur voll göttl. Lebens, ohne doch mit Gott vermischt zu werden, vergl. den Schöpfungspsalm (104). Auch in Jesu Munde hören wir das Wort Natur, natürlich nicht; hingegen gebrauchen es die Apostel mehrfach von dem angeborenen Wesen jedes Geschöpfes. So kann nach Jak. 3,7 der Mensch vermöge seiner ursprünglichen Anlage alle Tiere sich unterwerfen. Die unvernünftigen Tiere sind nach 2 Petr. 2,12 dazu geboren, daß sie gefangen und geschlachtet werden. Hingegen ist es dem Menschen widernatürlich, sich ihnen gleichzustellen. Röm. 11,21 u. 24 ist von Ölbäumen die Rede, die von Natur, natürlich der eine wild, der andere zahm sind. Die Einpfropfung des Wildlings geschieht wider die Natur, natürlich durch eine die Natur, natürlich freitätig verändernde Handlung. Der Gnadenanstalt haben die Juden durch die Erwählung und Erziehung Gottes von Natur, natürlich angehört, sie sind Kinder des Reichs. Die Heiden sind ein sich selbst überlassener Wildling und ihre Einpfropfung in Israel geschieht durch besondere Barmherzigkeit Gottes. In ihrer Entwicklung liegt nichts, woraus das Heil hervorgehen könnte, Röm. 15,9; Joh. 4,24. Übrigens liegt in der jüdischen Natur, natürlich so wenig als in der heidnischen ein sittliches Moment,. Gal. 2,15; Röm. 2,27. Die Heiden dienten denen, die nicht von Natur, natürlich Götter sind, das heißt entweder gar nicht oder nicht als Götter existierten. Als ethischen Faktor lässt der Apostel die Natur, natürlich auftreten der Frage der Kopfbedeckung der Frauen, 1 Kor. 11,14. 15. Die Natur, natürlich, die Schöpfungsordnung lehrt auch, daß das Weib naturgemäß längere Haare erzeugt. Die Verletzungen der Natur, natürlich ordnung, besonders auf dem Geschlechtsgebiet, sind spezifisch heidnische Greuelsünden, die mit Ausrottung im Alten Testament bestraft wurden, Röm. 1,26. 27; 1 Mo. 19; Ri. 19. Auf Reinerhaltung der Natur, natürlichordnung zielten auch Gebote wie 3 Mo. 19,19; 5 Mo. 22,5. Sofern also die Natur, natürlich von Gott geschaffen ist, ist sie etwas Gutes. Auch der Heide hat eine natürliche Erkenntnis Gottes und seines Willens, deren Quelle Welt- und Selbstbetrachtung ist, die ihn unentschuldbar macht und die der natürliche Anknüpfungspunkt ist für die Offenbarung des h. Geistes, Röm. 1 u. 2. Ja die Heiden tun, Röm. 2,14, von Natur, natürlich des Gesetzes Werk. Das heißt freilich nicht, daß sie das Gesetz in seiner Innerlichkeit und Totalität erfassen oder erfüllen; aber jeder Heide zeigt unter Leitung der Natur, natürlichvereinzeltes gesetzliches Tun, welches beweist, daß auch die Heiden ein Gesetz im Innern verzeichnet besitzen und baß sie keine Entschuldigung haben. Denn die Natur, natürlich ist
2) durch die Sünde gestört. Obwohl nach dem Bilde Gottes geschaffen, sündigt jeder Mensch von Natur, natürlich, Hi. 14,4; 1 Kö. 8,46 u. a. Nach Eph. 2,3 waren wir (Juden) Kinder des Zorns von Natur, natürlich, wie die andern (Heiden). Also durch Geburt schon lag göttlicher Zorn auf der sündigen Menschheit. Der „natürliche“ Mensch, der nach 1 Kor. 2,14 nicht vernimmt, was des Geistes Gottes ist, wenn er auch in seinem Bereich eine Weisheit ausbildet, ist genauer übersetzt der „seelische“ Mensch. Aber dem Sinn nach ist es doch ganz richtig. Denn dieser seelische Mensch beschränkt sich auf das, was von Schöpfung und Geburt herstammt, und verschließt sich gegen das höhere geistige Leben in der Gemeinde Jesu. Ebenso ist der natürliche (physische) Leib, den wir nach 1 Kor. 15,44 ff. tragen und von Adam geerbt haben, der dem gegenwärtigen Erdsystem entsprechende, während der geistdurchdrungene Leib in den künftigen Äon paßt. —
3) Etwas Außerordentliches scheint 2 Petr. 1,4 von der heilenden Gnade zu sagen, daß wir durch sie göttlicher Natur, natürlich teilhaftig werden. Dasselbe sagt aber Paulus, wenn er den Christen in das Bild des Herrn verwandelt werden läßt, 2 Kor. 3,18, oder das Bild Gottes anziehen läßt (s. Ebenbild). Die Gemeinschaft Gottes, 1 Joh. 1,3, ist eine wesenhafte und führt zur Gottähnlichkeit, 1 Joh. 3,2,wenn auch nicht zur Verschmelzung mit Gott. Finitum capax infiniti.
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