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Narr

Narr. Häufig kommt in den Weisheitsschriften der Gegensatz des Weisen und Narr oder Toren vor. Unter Narr sind nicht Unsinnige, Rasende zu verstehen, sondern Leute, die ein unvernünftiges, irreligiöses Leben führen. Der Alberne (s. d. Art.) gibt noch Hoffnung auf Besserung; der Spötter ist unverbesserlich; beim Narr helfen kaum noch Schläge, Spr. 10,13; 26,3; 17,10; 26,11; 27,22. Nur etwa schwere Lebenserfahrungen, Ps. 107,17, können ihn wieder zurechtbringen. Unter den 7 hebr. Worten, welche Luther mit Narr übersetzt hat, ist das häufigste chesil, das nach Delitzsch einen schwerfälligen Tölpel bedeutet, bei dem das Fleisch den Geist überwiegt. In höherem Grad ist es baar, ein Tiermensch, ein brutum. Der andere Hauptname: nabal (vgl. 1 Sa. 25,25), von Luther meist mit „Tor“ übersetzt, bedeutet einen zuchtlosen Freigeist. Wie Furcht Gottes der Weisheit Anfang ist, so der Narrheit Anfang die Emanzipation von Gott. Wer Gott aus seinen Werken nicht erkennt, Ps. 92,7; 94,8, an seinem Walten irre wird, Hi. 2,10; Ps. 73,22, sein Dasein leugnet, Ps. 14,1, den Götzen dient, Jer. 10,8. 14; 5 Mo. 32,21, ist vom Standpunkt der hebr. Weisen dumm wie ein Vieh. Der Narr verläßt sich auf sein Herz, hat Gefallen an sich selbst, Spr. 28,26; 12,15; daher will er nicht lernen und nicht gestraft werden, 12,1; 15,5. Er antwortet, ehe er hört. Er ist ungeduldig, eigensinnig, jähzornig, kann sich nicht beherrschen, ist wandelbar und zerfahren; in seinen Reden verrät er sich. Mutwillen. 10,23, bes. auch Unzucht (7,7; 6,32; 1 Mo. 34,7) kennzeichnen den Narr Gute Tage sind nichts für ihn (Spr. 19,10; 30,22), und es ist ein großes Unglück, wenn Fürsten und Hirten Narr sind (Jes. 32,5. 6; 19,11; Jer. 10,21) und das Glück des Narr ein großer Anstoß für den hebr. Frommen, Ps. 49,11; Pr. 2,15.
Im Neuen Testament verbietet der Herr, im Zorn jemand Narr zu schelten, Mt. 5,22. Er selbst aber heißt die das Äußere im Gottesdienst unvernünftig bevorzugenden Pharisäer Narr (Mt. 23,17; Luk. 11,40), wie auch Paulus die Leugner der Auferstehung, 1 Kor. 15,36; vgl. Röm. 1,22. Freilich in dieser verkehrten Welt gelten die wahren Weisen oft für Narr, 1 Kor. 4,10; Wsh. 5,4. Davor darf man sich nicht fürchten, 1 Kor. 3,18. Hingegen mutet den Apostel das ihm abgezwungene Selbstlob als Narrheit an, 2 Kor. 11,19; 12,11.
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