Nahe
Nahe, nahen. Der Nächste, obwohl von den Gottlosen (Hi. 22,13. 14) und auch von den Frommen in der Anfechtung (Ps. 22,2) in weite Ferne versetzt, ist Gott (Jer. 23,23; Apg. 17,27. 28). Wer einen n. Gott glaubt, flieht die Sünde und naht auch seinerseits im Gebete Gott, Klagel. 3,57; 1 Mo. 39,9. Freilich ein freudiges Nahe, nahen zu Gott kommt unter dem Gesetz nicht zustande, Hbr. 12,18. Ein vermittelnder Priesterstand schiebt sich ein, der zu Gott naht (4 Mo. 16,5. 9; 2 Mo. 19,22) und durch den man wie im Opfer so im Licht und Recht zu Gott naht, 1 Sa. 14,36. Selbst der Priester hat nur einen sehr kümmerlichen, durch das Blut der Ochsen und Böcke vermittelten Zugang zu Gott.
Auch die Zeiten sind nicht gleich in Beziehung auf die Gottesnähe. Es gibt Gnadenzeiten, da Gott besonders n. ist. Wer diese versäumt, dem wird hernach nicht aufgetan (Jes. 55,6; Spr. 1,28; Am. 8,12). Besonders ist die messianische Zeit die Zeit der Gottesnähe, Jes. 40,9; 46,13, und der Fürst Messias derjenige, der zu Gott n. darf, Jer. 30,21. Von den Menschen wird gefordert, nicht mit dem Munde bloß zu n., Jes. 29,13. Ein zerbrochenes, Gott fürchtendes und mit Ernst anrufendes Herz ist Bedingung der Gottesnähe (Jes. 66,2; Ps. 34,19; 145,18; 85,10; 119,151; Jak. 4,8).
Zu seiner Zeit ward gepredigt: das Himmelreich ist n., und auch wer die Herolde abwies, dem war es doch n. gewesen, Luk. 10,11. Durch das Evangelium hat jeder Glaubige einen offenen Zugang zum Vater, vgl. Eph. 2,13. 17. Dennoch weist auch jetzt das Wort in eine Vollendungszeit, aber in eine nahe. Das Nahe, nahen T. sagt einstimmig, daß der Herr, der Tag, das Reich, das Heil, das Gericht, das Ende der Welt, die Wiederkunft n. sei, Hbr. 10,25; Luk. 21,31; Röm. 13,11; Phi. 4,5; Jak. 5,8. 9; 1 Pe. 4,7; Offb. 1,3; 22,10. Daß diese Nähe nicht chronologisch-mathematisch zu verstehen ist, erhellt schon daraus, daß dieselben Schriftsteller auch den Verzug hervorheben, z.B.2 Th. 2; 2 Petr. 3. Namentlich schiebt die Offenbarung eine Menge Ereignisse, sogar 1000 Jahre ein. Die göttliche Uhr geht eben anders als die menschliche, 2 Petr. 3,8. Das Ende hat mit Christi Tod begonnen, Hbr. 9,26, und ein Liebhaber Jesu hat die Aufgabe, auf den Herrn, als einen n., zu warten, Offb. 22,17. 20. Verzieht dann der Herr, so ist’s für den Wartenden kein Schaden (Mt. 24,46 ff.).