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Mutter

Mutter.
1) Wo dem Kinde seine Pflichten eingeschärft werden, ist fast ausnahmslos Vater und Mutter gleichgenannt und gleichgestellt (2 Mo. 20,12; 21,15; 3 Mo. 19,3; 5 Mo. 27,16; Spr. 1,8 u. o.; Sir. 3,9; Mt. 15,4; Eph. 6,2), ein Beweis für die hohe Stellung des Weibes in der Bibel. Die eigentlichen Mutterpflichten dem Weibe einzuschärfen, hält die Bibel nicht für nötig, denn „kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes?“ (Jes. 49,15, vgl. Jes. 66,13; 1 Th. 2,7 und die Beispiele Hagars, 1 Mo. 21,16; der rechten Mutter bei Salomos Urteil, 1 Kö. 3,26 f.). Von dem wohltätigen Einfluß frommer Mütter auf ihre Kinder zeugen Hanna (1 Sa. 1 u. 2) und die Mutter des Timotheus (2 Tim. 1,5); auch Spr. 31,1 ist zu beachten. Maria, die Mutter des Herrn, darf hier vor allen genannt werden, wenngleich ihre Erziehungsaufgabe eine ganz einzigartige war, und ihre Mutterstellung mehr und mehr vor dem hohen Beruf des Sohnes zurücktreten mußte (Joh. 2,4; Mk. 3,31 ff.). Von Mutterstolz ist in der Bitte der Apostelmutter (Mt. 20,20 ff.) etwas zu finden; von übler Wirkung war die Bevorzugung Jakobs durch seine Mutter Rebekka (1 Mo. 27); noch schlimmer der Einfluß einer Herodias auf ihre Tochter (Mk. 6,24). Dagegen ist nicht zu übergehen die Heldenmutter zur Zeit der Makkabäer (2 Makk. 7). —
2) Auch bei Tieren lehrt das Alte Testament. schon das Muttergefühl achten (2 Mo. 22,29; 23,19; 3 Mo. 22,28; 5 Mo. 22,6). —
3) Eine Stadt heißt die Mutter ihrer Bewohner, weil sie dieselben in sich hegt (2 Sa. 20,19; Jer. 15,8; 50,12), wie umgekehrt die Bewohnerschaft „Tochter“ heißt (s. d. Art.). So heißt auch Hes. 19,2 ff. Israel im Gleichnis eine (Löwen-) Mutter, deren Söhne die Könige Israels sind. In etwas anderer Beziehung — ausgehend von dem Ehebund Jahvehs mit Israel — heißt dieses Jes. 50,1; Hos. 2,4 die „Mutter“ der Israeliten. Der geistigen Verwandtschaft nach heißt einerseits Jerusalem das droben ist „unser aller Mutter“ (Gal. 4,26); andererseits Babylon „die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden“ (Offb. 17,5). Die Erde heißt Sir. 40,1 „unser aller Mutter“ in Erinnerung an 1 Mo. 2,7; 3,19. —
 4) Mutter = Mutterleib, 2 Mo. 13,2; Spr. 30,16.
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