Mohrenland
Mohrenland ist in allen Stellen außer 1 Mo. 10,6ff. von Luther für Chus oder Kusch gesetzt worden. Die griech. Übersetzungen und Apg. 8,27 haben Äthiopien, was Luther gleichfalls mit Mohrenland gibt. Kusch wird bald im engeren, bald im weiteren Sinn genommen. Im engeren bezeichnet es wie das Äthiopien der Griechen Land und Volk am Nil südlich von Ägypten zwischen Syene und Abessinien, letzteres ausgeschlossen; es ist das heutige Nubien mit Sennaar (Jes. 11,11; 18,1; 20,3; 37,9; 43,3; 45,14; 2 Chr. 12,3;14,8 ff. usw.). Im weitern Sinn werden mit dem Wort die Länder und Völker an dem äussersten den Hebräern bekannten Südrande der Erde bezeichnet, vergl. 1 Mo. 10,7. Äthiopien im engern Sinn ist, wie bemerkt, zunächst Nubien. Dieses Land gehörte lange Jahrhunderte zu Ägypten, später wurde es ein selbständiger Staat mit der Hauptstadt Napata, und von hier gingen die äthiopischen Herrscher aus, die im 8. Jahrhundert in Ägypten herrschten. Auf diese äthiopische Herrschaft in Ägypten bezieht sich Jes. 18,1. Später erscheint das oberhalb Napata zwischen dem 6. u. 5. Katarakt gelegene Meroë als die Hauptstadt eines äthiopischen Reiches Meroë. Es bestand hier eine Priesterherrschaft, der zu Anfang des dritten Jahrhunderts durch Ermordung der Priester ein Ende gemacht wurde. Dieses äthiopische Reich mit der Hauptstadt Meroë, das sich nilabwärts bis Syene erstreckte, ist das Mohrenland von Apg. 8,27 ff. Die Königin-Mutter führte hier die Herrschaft unter dem Titel Kandace. Der Name Mohrenland erweckt die Vorstellung, daß die Einwohner Neger gewesen seien; das ist sicher unrichtig. Die Äthiopier waren nach den Denkmälern rot und braun, zum Teil allerdings sehr dunkel; sie galten im Altertum als die größten, schönsten und längstlebenden Menschen, sie waren ein dem ägyptischen verwandter Zweig des kaukasischen Stammes, wie denn auch die Sprache der Bedschastämme, die heute in diesen Gegenden wohnen, immer noch Ähnlichkeit mit der ägyptischen hat. Vgl. die Artt. Äthiopien u. Kusch.