Mittler
Mittler. Dieser Name wird zwar dem Mose im Alten Testament nicht beigelegt, aber er ist doch genau dem nachgebildet, was 2 Mo. 20 u. 24; 5 Mo. 5 von der Tätigkeit Moses bei der Gesetzgebung und Bundesschließung erzählt wird (vgl. namentlich 5 Mo. 5,5). Daraus geht hervor, daß der Ausdruck nicht, wie wir leicht denken, Mose als einen solchen bezeichnet, der sowohl dem Volk gegenüber die Sache Gottes, als auch Gott gegenüber die Sache des Volkes vertreten und so zwischen beiden eine Vermittlung, einen Bund gestiftet hätte. Sondern Mose heißt so als derjenige, der ganz einseitig Gottes Aufträge an Israel vermittelt, der mit Israel redet, weil das Volk die unmittelbare Gottesstimme nicht ertragen kann. Daraus folgt die wahrscheinlichste Deutung der vielerklärten Stelle Gal. 3,19 f., diese heißt: „das Gesetz ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Der Mittler aber ist nicht eines einigen Mittler, Gott aber ist einig.“ Paulus will hier die jüdische Annahme, daß das Gesetz von den Engeln, nicht von Gott selbst, gegeben sei, damit wahrscheinlich machen, daß ein einzelner (Gott) keinen Mittler (= Vermittler, Sprecher) aufzustellen brauche, wenn er anderen seinen Willen mitteilen wolle; während dies natürlich sei, wenn eine Mehrheit von Personen, also hier die Engel, beauftragt sind, den Willen Gottes zu verkündigen; sie wählen einen Mittler oder Sprecher. Wenn auch dieser Beweis für unsere Denkweise, wie Luther einmal sagt, „zum Stich zu schwach ist“, so ist doch der richtige Gedanke nicht zu verkennen, daß das Gesetz unter dem Evangelium steht, so gewiß als der menschliche Mittler Mose unter dem Mittler des Neuen Bundes, durch welchen Gott selbst zu uns redet.
Auch im Ebräerbrief, wo Christus in seiner Gegenüberstellung zu Mose mehrmals Mittler des Neuen Bundes heißt (8,6; 9,15; 12,24), ist der Sinn deutlich der, daß er im Namen Gottes den Bund gestiftet hat, nicht daß er auch als Bevollmächtigter der Menschen dabei gehandelt hätte. Nur in der Stelle 1 Tim. 2,5: „es ist Ein Gott und Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen“ ist eine doppelseitige Mittlerstellung in das Wort zu legen, wie denn an der Sache selbst für das ganze N. T. kein Zweifel ist (vgl. Jesus Christus).