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Meer

Meer. Das hebr. Wort (jam) bezeichnet Ansammlung des Wassers: „und die Sammlung der Wasser nannte er Meer“, 1 Mo. 1,10 (vgl. Pr. 1,7: alle Wasser laufen ins Meer).
1) Daß die Hebräer nicht nur einen Begriff, sondern eine deutliche u, lebendige Vorstellung vom Meer hatten, ist sehr natürlich. Es ist gross und weit, Ps. 104,25, es siedet, Hi. 41,22, es wütet und wallet, Ps. 46,4, wird plötzlich ungestüm, Hi. 26,12, es brauset mit seinen Wogen, Ps. 65,8; 96,11; 98,7; Luk. 21,25, es ist groß und Bild des Unendlichen, Klagel. 2,13, grundlos tief, für Menschen unergründlich, Hi. 38,16, vielfach gefährlich, Sir. 43,26 f., für viele das Grab, Offb. 20,13.
Aber es ist doch trotz aller Gewalt und Macht, die in ihm liegt, seinem Schöpfer untertan und von ihm abhängig. Gott hat gemacht Himmel, Erde und Meer, Ps. 146,6; Neh. 9,6; Apg. 14,15; Offb. 14,7, er hat dem Meer sein Ziel gesetzt, Spr. 8,29, er hält das Wasser im Meer zusammen, Ps. 33,7, er läßt es herausbrechen, aber setzt ihm auch Riegel und Türen und heißt sich legen seine stolzen Wellen, Hi. 38,8-11. Gott ist es, der Himmel und Erde, das Meer und das Trockene bewegen kann, Hag. 2,6, er findet und hat auch im Meer seinen Weg, Ps. 77,20, er „gehet auf den Wogen des Meeres“, Hi. 9,8, und wunderlich ist es, daß (durch ihn) auch das Schiff seinen Weg mitten im Meer findet, Spr. 30,19, von ihm aber kommt es auch, daß die Schiffe zerbrochen werden mitten im Meer, Ps. 48,8.
Das Meer „flieht“ vor dem Herrn, $$Ps. 114,3. 5::Ps 114,3$$, er stillt sein Brausen, 65,8, er bringt es durch sein Wort zur Ruhe, Sir. 43,25. Der Herr darf nur seine Hand ausrecken über das Meer, Jes. 23,11, er kann das Meer ins Trockene verwandeln, Ps. 66,6, mit seinem Schelten, Jes. 50,2, er zerteilet das Meer, Ps. 78,13, er zwingt es, seine Toten wiederzugeben, wenn er es befiehlt, Offb. 20,13. Er herrscht von einem Meer bis ans andere, Ps. 72,8, und sein Lob hallt auch vom Meer wider, Ps. 69,35, bis endlich auch Das Meer einmal nicht mehr sein wird, Offb. 21,1. —
2) Daß alle diese Vorstellungen hauptsächlich von dem den Israeliten nächstliegenden Meer, dem Mittelländischen, genommen sind, ist anzunehmen. (Ein anderes, das in ihrer Geschichte von Wichtigkeit geworden ist, ist das Rote Meer, s. Art. Schilfmeer). Das Mittelländische Meer ist gemeint, wenn vom „großen Meer“ die Rede ist: 4 Mo. 34,6 f.; Jos. 1,4; Hes. 47,10, oder auch, wo nur Meer überhaupt genannt ist, Jos. 19,26. 29; Apg. 10,6. Es heißt auch das Philistermeer, 2 Mo. 23,31, oder das „Meer gegen Abend“ 5 Mo. 11,24; Sach. 14,8 (im Unterschied vom „östlichen“, „vorderen“, das heißt dem Toten Meer). Zu diesem Meer schaute Elia aus, ob nicht eine Wolke auffteige, die den Regen nach langer Dürre bringt, 1 Kö. 18,43 ff. Auf dieses Meer flieht $$Jona (1,3)::Jona 1,3$$, auf ihm fuhren die Tharsisschiffe (s. Schiff), trieben die Phönikier ihren Handel, der sie so reich machte. Paulus fährt über dasselbe nach Kleinasien und nach Europa, bringt „Tag und Nacht zu in der Tiefe des Meeres“, 2 Kor. 11,26, und erleidet auf demselben Schiffbruch, Apg. 27. Über den in der Schrift genannten besonderen Teil desselben, das Adriatische Meer, s. Adria. —
3) Meer heißen übrigens in der Schrift auch die größeren Seen Palästinas, das Tote Meer (s. Salzmeer) und das Galiläische Meer, s. d. Letzteres ist natürlich gemeint, wenn Jesus auf dem Meer wandelt, Mt. 14,25, das er bedroht, daß es ganz stille wird, 8,26 f. An dieses denkt er bei seinem Gleichnis vom Netz, das ins Meer geworfen wird, 13,47, an dieses schickt er den Petrus, 17,27 usw.
Einigemal werden auch sonst größere Gewässer in der prophetischen Sprache als Meer bezeichnet, Jes. 21,1; Na. 3,8. —
4) Über das eherne Meer im salomonischen Tempel vgl. Handfaß. —
5) Besondere Ausdrücke, in denen das Meer nach irgend einer Seite hin verwendet oder verglichen wird: Jak. 1,6 (der Zweifler ist unruhig wie die Meereswoge); Judä 13; Jes. 57,20 (die Gottlosen wie ein ungestümes Meer); Mi. 7,19 (er wird unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen = sie gänzlich vergeben und vergessen); 5 Mo. 30,13 (Sinn: das Gesetz Gottes ist nicht fern, fremd, unerreichbar). —
6) Das gläserne Meer, gleich einem Krystall, das der Seher der Offenbarung vor dem Thron Gottes sieht, Offb. 4,6, an dem die, „die den Sieg behalten,“ ihr Loblied singen, 15,2 (vgl. 22,1), ist ein Bild der Heiligkeit, Reinheit und Vollkommenheit Gottes und des ewigen, seligen Lebens, das von ihm ausgeht und den Vollendeten zuteil wird.
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