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Libanon

Libanon [ebr. Lebanôn, ebenso phönikisch, assyr. Labnânu, ägypt. Lamnân (vgl. Abb. 221, 7), welch letzterer Form im assyr. der Name des Antilibanon, Ammanâna, entsprechen dürfte, während ägypt, lablan Zedernholz bedeutete] heißt das mächtige Gebirge, das im mittleren Syrien etwa 20 Meilen von Norden nach Süden zieht, im Norden begrenzt durch eine Einsenkung zwischen Tripolis und Höms (Emesa) oder durch den Nahr el-Kebir, einst Eleutherus, im S. durch das Tal des unteren Litani. Der Name bedeutet „der Weiße“, schwerlich wegen der weißen Farbe des Kreidekalks, sondern wohl wegen des Schnees, der manche seiner Höhen fast das ganze Jahr bedeckt. Oft wird er als Nordgrenze Kanaans genannt, und er war eigentlich in das verheißene Land einbegriffen (4 Mo. 34,7 ff.; Jos. 13,5 ff.). Der Name wird in der Bibel auch auf das östliche parallel laufende Gebirge, den Antilibanus, ausgedehnt.
Der Libanon im engeren Sinn westl. von der Bika, dem hohlen Syrien, fällt nach Osten steil ab, während im Westen ein reichgegliedertes, von zahlreichen Flüssen durchströmtes u. gut bevölkertes Hochland sich zur Küste hinunterzieht (Tafel 16). Seine Berge steigen nicht schroff auf, sondern überragen als flache Kuppen den etwas einförmigen Rücken. Die höchsten liegen im Norden, so der Dschebel Machmal, 3052 m, der Dahr el-Khodib, 3063 m (Dsch. Timarun 3212 m?). Von den nicht seltenen Pässen ist der wichtigste der, über den die neue französische Poststraße geht, welche das Gebirge in einer Höhe von 1542 m übersteigt. Seit 1895 geht über ihn und den Antilibanus die Eisenbahn von Beirut nach Damaskus. Die einst vielgerühmte Pracht des Libanon (Jes. 35,2; 60,13) mit seinem Reichtum an Wäldern, an Zedern und Cypressen, seinen duftigen Kräutern, seinem trefflichen Wein usw. hat sich jetzt gemindert. Zum großen Teil ist er abgeholzt (über die Zedern s. d. Art.). Doch hat er immer noch schöne Waldungen von Platanen, Pappeln, Pinien, Cypressen. Die alte vortreffliche Terrassenkultur ist noch nicht verschwunden; neben Getreide und Küchengewächsen gibt es dichte Haine von Obstbäumen aller Art, Birnen- und Apfel-, Aprikosen-, Pflaumen-, Öl-, Mandeb-, Kastanien-, Maulbeer- und Walnußbäume, sowie Reben. ( zeigt die Schichtenverhältnisse zwischen der braunen Kreide des Libanon, die in Cardiumbänken auftritt, und der Sandformation, auf welch letzterer allein die Pinienbestände sich finden.) Immer noch werden in den Wäldern Bären, Schakale, Panther und mancherlei Wild gefunden. Bewohnt wird er heutzutage von Mohammedanern, den Drusen u. christlichen Maroniten; er ist seit 1862 von Syrien abgetrennt und einem christlichen Gouverneur zur Verwaltung unterstellt. Zahlreiche Kapellen u. Klöster, romantische Trümmer alter Burgen erhöhen seinen malerischen Charakter.
Dem Libanon gegenüber zieht sich, von ihm durch die Bika getrennt, in der Richtung von Südwest nach Nordost der etwas niedrigere, durchschnittlich ca. 1500 m hohe Gebirgszug des Antilibanus. Er beginnt mit dem gewaltigen 2759 m hohen Hermon im Süden, der freilich durch einen tiefen Einschnitt von dem Hauptzug geschieden ist, und erhebt sich im Talaat Musa östlich von Baalbek zu einer Höhe von 2670 m, südlicher im Dahr Abul Hin zu 2539 m. Er besteht aus mehreren parallelen Rücken, die gegen Norden allmählich niedriger werden und immer mehr gegen Nordosten auseinander gehen. Zwischen beiden Gebirgen breitet sich ein 500 bis 1000 m hohes, 20 km breites Hochtal aus, jetzt el-Bika, „die Spalte“ genannt, später das „hohle Syrien“, Cölesyrien, welch letzterer Name später auf ganz Palästina ausgedehnt wurde. Die Bika ist wohl bewässert (der Orontes, jetzt el-Asi, und der Litani durchfließen sie in entgegengesetzter Richtung) und war einst wohl bebaut; jetzt zeigt sie nur noch spärliche Kultur.
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