Leib
Leib.
1) Die irdische Wohnung des Geistes; bei dem ersten Menschen von Gott aus einem Erdenkloß gebildet, 1 Mo. 2,7; bei den Nachkommen wunderbar im Mutterleib bereitet (Ps. 139,13 ff.; Pr. 11,5; Hi. 10,8ff., vgl. Wsh. 7,1f.). Um seines Ursprungs willen heißt er Hi. 4,19 ein Lehmhaus, um seiner Gebrechlichkeit willen, 2 Kor. 5,1; 2 Petr. 1,13f., eine Hütte oder ein Zelt, das nur zu zeitweiligem Aufenthalt dient. Die ganze Gebrechlichkeit des Leib, sowie die Empfänglichkeit desselben für Lust und Schmerz bezeichnet die Bibel mit dem Ausdruck „Fleisch“ (s. d. Art.). Den Adel und die Schönheit des menschl. Leib hebt die Bibel selten hervor (vgl. Spr. 31,30: Lieblich und schön sein, ist nichts; ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben.
Eine Ausnahme machen nur die Schilderungen des Hohenlieds). Es ist das wohl begreiflich bei dem vielen Mißbrauch, zu dem Leibesschönheit Anlaß gibt. Wichtiger ist der Bibel die Kraft und Gesundheit des Leib (Sir. 30,14-16; Ps. 103,5; Jes. 40,31); und wichtiger noch als alle Sorge um des Leib Notdurft die Sorge ums Ewige (Mt. 6,25; 10,28). Nur gegenüber von anderen ist es heuchlerische Härte, wenn man über angeblicher Sorge für ihr Seelenheil ihres Leib Notdurft vergißt (Jak. 2,16). Sehr wichtig ist dagegen der Schrift die Sorge um sittliche Reinheit des Leib Die Glieder des Leib sollen nicht in den Dienst der Ungerechtigkeit gestellt werden (Röm. 6,12 f.), noch durch Unkeuschheit befleckt werden (Röm. 1,24). Denn unsere Leib sind Christi Glieder und Tempel des h. Geistes (1 Kor. 6,15. 19. vgl. Keuschheit). Auch Zungensünden beflecken den Leib nach Jak. 3,6, wobei an unreine Reden und zornige Worte, die das Blut in Wallung bringen, zu denken ist. Christen sollen den ganzen Leib im Zaum halten (Jak. 3,2 übrigens mit Beachtung von Röm. 13,14) und ihn dem Dienst der Gerechtigkeit weihen, Röm. 6,13. 19, oder wie Röm. 12,1 fordert, ihre Leib Gott zum Opfer begeben, damit der ganze Mensch, Leib und Seele, ihm geheiligt sei (1 Kor. 7,34; 1 Th. 5,23). Noch in anderem Sinn kann es nötig werden, den Leib für Gott zu opfern, nämlich im Märtyrertod (2 Makk. 14,38).
Über den geistlichen oder verklärten Leib s. Auferstehung; Verklären. —
2) Bildlich heißt die Gemeinde der Leib Christi, weil sie einen von Einem (Christi) Geist beseelten Organismus mit mannigfaltigen Gliedern und Aufgaben darstellt (Röm. 12,5; 1 Kor. 12,12ff.). Christus ist dieses Leib Haupt (Eph. 1,22 f.; 4,15 f.; Kol. 1,18). Von dem Haupt aus empfängt der ganze Leib Handreichung und Kraft zum Wachstum (Kol. 2,19; Eph. 4,15. 16). Jeder einzelne Christ mit seinen besonderen Gaben gleicht einem Glied am Leib, hat seine besondere Aufgabe und Ehre und keiner darf den andern verachten, keiner auch mit seiner Stellung unzufrieden sein, denn alle Glieder sind fürs Ganze unentbehrlich (1 Kor. 12).