Langmut
Langmut, langmütig ist eine Eigenschaft, welche ihre Wurzel und Quelle in der Liebe hat, 1 Kor. 13,4, und am nächsten verwandt ist mit der Geduld (s. d. Art.), nur mit dem Unterschied, daß die Geduld Schwachheit u. Fehler, ja Sünde u. Unrecht vom andern aus hält und stille trägt, die Langmut, langmütig aber sich von der Bestrafung desselben, sowie vom Zorn- und Rachegefühl zurückhält und ruhig zuwartet.
1) Gott beweist seine Langmut, langmütig gegenüber Sodom, 1 Mo. 18 und 19; Ninive, Jon. 4,2; überhaupt gegenüber den sündigen Menschen, 2 Petr. 3,9 (statt „Geduld“ hat dort der Grundtext „Langmut, langmütig“), und zwar aus erbarmender Liebe, Hos. 11,8, weil er nicht will, daß jemand verloren gehe, 2 Petr. 3,9, sondern daß der Gottlose die ihm gewährte Gnadenfrist benütze, um sich zu bekehren und damit dem Gericht zu entgehen, Hes. 33,11. Aber wehe dem, der diese Langmut, langmütig verachtet und sich durch sie nicht zur Buße leiten läßt, Röm. 2,4, denn sie hat ihre Grenzen, 1 Mo. 19,24, und ihr folgt, wenn sie wirkungslos bleibt, nur um so schwereres Gericht, vgl. Ps. 2,4 f.; 50,21. —
2) Wie die christl. Nächstenliebe in allen Stücken ihr Urbild hat in der göttlichen Liebe gegen uns, so darf auch ihr die Langmut, langmütig nicht fehlen. Das deutet Jesus selbst den zu strafendem Einschreiten gegen die ungastl. Samariter sofort bereiten Jüngern an, Luk. 9,55, und Jakobus stellt als christl. Lebensregel auf: „langsam zum Zorn“, 1,19. Besond. nötig ist die Langmut, langmütig für einen oft auf so harte Proben gestellten Diener Gottes, 2 Kor. 6,6; 2 Tim. 3,10. Sie wächst zugleich mit der Erkenntnis des langmütigen Gottes, Kol. 1,11.