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Lahm

Lahm. Lähmung der Füße (und Hände), wodurch diese Glieder für ihren Gebrauch untauglich werden, wurde
1) betrachtet als ein großes Unglück (Mephiboseth 2 Sa. 4,4), welches das Mitleiden, die hilfreiche und tröstende Teilnahme des Nebenmenschen erregen muß (Hiob bezeugt dies von sich 29,15, Jesus fordert dazu auf Luk. 14,13); das aber ein Christ als ein zeitliches Ungemach doch lieber auf sich nehmen soll, als mit gefunden Gliedern die Seligkeit zu verscherzen, Mt. 18,8. Für die Zeit der Wiederherstellung Israels wird verheißen: Die Lahmen werden löcken das heißt springen wie ein Hirsch, Jes. 35,6. Jesus, Mt. 11,5; 15,30; 21,14, u. seine Apostel, Apg. 8,7, Petrus, Apg. 3,2 u. 11, Paulus, 14,8, haben Lahme geheilt zum Zeichen und Angeld, daß in der Zeit der Vollendung des Reiches Gottes auch alle leiblichen Leiden und Schwachheiten werden abgetan sein. —
2) Das Lahmsein wurde aber auch als ein Gebrechen angesehen, welches für den heiligen Dienst unbrauchbar macht. Ein Lahmer durfte nicht Priester sein, 3 Mo. 21,18. Da zum Opfer nur das Beste, also auch nur Fehlerloses verwendet werden sollte, so rügt es Mal. 1,8 u. 13 als einen Frevel, als eine Mißachtung Gottes, daß seine Zeitgenossen lahme Tiere opferten. Blinde und Lahme waren als unbrauchbare Leute verachtet. Die Rede der Jebusiter, 2 Sa. 5,6: Blinde und Lahm werden ihre Burg verteidigen, war darum ein Hohn auf Davids Streitmacht. David gibt V. 8 den Spott zurück und nennt nun (sie beim Wort nehmend) gerade die Jebusiter Blinde und Lahme. Wörtlich heißt die Stelle: „Wer die Jebusiter schlägt, der werfe die Blinden und Lahmen, welche Davids Seele haßt, in den Abgrund.“ Daher spricht man: „Ein Blinder und Lahmer kommt nicht ins Haus.“ Der Sinn dieses dunklen Sprichworts ist vielleicht: Die Eroberung der Burg Jebus bewies, daß Davids Leute keine Blinde und Lahme gewesen sind; denn sie kamen ins Haus. Es will also sagen: Der Tatkrästige und Umsichtige gewinnt’s. —
3) Bildlich wird das im Elend der Verbannung schmachtende Volk das Lahme genannt, Mi. 4,6 f., weil es völlig kraft- und machtlos und darum den Heiden verächtlich geworden ist. Hbr. 12,13 heißt nach dem Grundtext: „damit nicht das Lahme (vollends) verrenkt, sondern vielmehr geheilt werde.“ Der Sinn ist wohl: Die Gemeinde ist durch das Zurückschauen auf das Judentum wie gelähmt das heißt aufgehalten, gehindert in ihrem Christenlauf und darum in Gefahr, vollends verrenkt das heißt ganz vom Glauben abfällig zu werden. Darum ermahnt der Apostel zu aufrichtiger Gesinnung u. entschiedenem Christenwandel, damit sie von ihrer Lahmheit geheilt werden.
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