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küssen

Kuß, küssen ist
1) seit den ältesten Zeiten, auch im bibl. Altertum, als Zeichen der Liebe gebräuchlich. Der Kuß, küssen wurde wohl meist an den Mund gegeben, zuweilen auch an den Bart, 2 Sa. 20,9 (wie jetzt noch bei den Arabern üblich) s. Bart.
a. Der Kuß, küssen reiner bräutlicher Liebe kommt vor Hohel. 1,2; 8,1. Dem entgegengesetzt der freche Kuß, küssen der Buhlerin, Spr. 7,13.
b. Der Kuß, küssen der kindlichen (1 Mo. 27,26 f.; 1 Mo. 50,1; Tob. 11,7), der väterlichen (1 Mo. 32,1; 48,10) und brüderlichen (1 Mo. 45,15) Liebe wird zum Sinnbild des Wohltuenden, Herzerquickenden überhaupt, Spr. 24,26.
c. Besonders häufig findet der Kuß Anwendung als Liebesgruß bei der Ankunft, 1 Mo. 29,11 u. 13; und beim Abschied, 1 Mo. 31,28; Ru. 1,9 u. 14; u. a. St. s. Gruß.
d. als Zeichen der Versöhnung, 1 Mo. 33,4; 45,15; 2 Sa. 14,33; Luk. 15,20.
e. Der h. Kuß, küssen, Röm. 16,16; 1 Kor. 16,20; 2 Kor. 13,12; 1 Th. 5,26, oder der Kuß, küssen der Liebe, 1 Pe. 5,14, der in den ersten Christengemeinden als Ausdruck der innigsten Glaubens- und Liebesgemeinschaft üblich war, wurde nur von Männern den Männern, von Frauen den Frauen gegeben.
f. Falsche Liebe mit selbstsüchtiger Nebenabsicht drückt sich aus in dem Kuß, küssen Absaloms, 2 Sa. 15,5, vgl. Sir. 29,5. Den schändlichsten Mißbrauch dieses Liebeszeichens übt der Verräter Joab gegen Amasa, 2 Sa. 20,9 f.; Spr. 27,6, viel mehr noch Judas gegen den Herrn, Mt. 26,48; Mk. 14,45; Luk. 22,41 f.
2) Der Kuß, küssen als Zeichen der Verehrung und Huldigung kommt vor
a. beim Götzendienst. Man küßte das Götzenbild, 1 Kö. 19,18; Hos. 13,2 (wörtlich zu ihnen das heißt den Götzen beten die opfernden Menschen; Kälber küssen sie). Die Gestirnanbeter warfen der Sonne und dem Mond Kußhände zu. (So ist wohl Hi. 31,27 zu erklären.)
b. Der Kuß, küssen, den Samuel dem neu gesalbten König gibt, 1 Sa. 10,1, ist als Zeichen der Huldigung zu betrachten. Ebenso Ps. 2,12: Küsset den Sohn, das heißt huldiget ihm, unterwerfet euch seiner Herrschaft. Auch Jes. 49,23; Mi. 7,17; Ps. 72,9 „der Füße Staub lecken“, deutet wohl hin auf die Sitte, daß die Unterworfenen dem Sieger die Füße küssen mußten. Aus Schmeichelei, Sir. 29,5, oder in aufrichtiger, demütiger Verehrung, Luk. 7,38, küßte man auch andern hochgestellten Personen die Hände oder die Füße.
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