kreuzigen
Kreuz, kreuzigen.
1) Die Kreuzigung war die grausamste und zugleich die entehrendste Art der Todesstrafe im Altertum. Von den Phönikiern und Karthagern haben die Griechen und die Römer dieselbe überkommen, und sie wurde von den letzteren an Sklaven, Straßenräubern, Aufrührern, in der Regel aber nicht an römischen Bürgern vollzogen. Das Wort Kreuz (lat. crux, griech. stauros) bezeichnet den Schand- oder Marterpfahl, der aber verschiedene Formen haben konnte und auch wirklich hatte. Bei der Kreuzigung Christi ist ohne Zweifel das vierteilige Kreuz, kreuzigen, s. A, in Anwendung gekommen, welches aus zwei rechtwinkelig übereinander befestigten Hölzern bestand. An dem kürzeren Kopfende war nach allgemein römischer Sitte eine Tafel angebracht, auf welcher die Todesursache geschrieben stand (). In der Mitte des Langholzes war ein vorspringender Pflock (Sitzholz) angebracht, auf den der Körper des Gekreuzigten rittlings gesetzt wurde.
Der Verurteilte mußte das Kreuz selbst hinausschleppen, Joh. 19,17. Dem auf der Richtstätte Angekommenen einen Betäubungstrank (Myrrhen mit Wein, Mk. 15,23) zu reichen, war spezifisch jüdische, wahrscheinlich auf Spr. 31,6 sich gründende Sitte. Jesus nahm ihn nicht an, weil er mit vollem Bewußtsein leiden u. sterben wollte. Der Hergang bei der Kreuzigung war folgender: Zuerst wurde das Kreuz, kreuzigen aufgerichtet (und zwar war es nicht sehr hoch) und in der Erde befestigt, dann der bis auf den Lendenschurz Entkleidete vermittelst Seilen und Leitern emporgezogen, auf das Sitzholz gesetzt und mit Stricken festgebunden. Dann wurden am Querholz die Arme ausgestreckt und die Hände mit Balkennägeln angenagelt. Wahrscheinlich wurden auch die Füße mit Nägeln durchbohrt und am Kreuzesholz befestigt. „In dieser Lage, der Körper unbeweglich ausgespannt, mit schmerzhaften Wunden, die sich bald entzündeten, dem Sonnenbrand und verzehrendem Durst preisgegeben, unter schweren Beängstigungen, die durch den Andrang des Blutes zu Kopf und Herz hervorgerufen wurden, starben die Gekreuzigten eines langsamen, qualvollen Todes; die meisten dauerten 12, ja 24 Stunden, manche noch länger aus“ (Riehm). —
2) Da Christus leidend und sterbend am Kreuze sein Erlösungswerk vollendete, wurde in diesem Wort alles zusammengefaßt, was er für uns litt, Eph. 2,16; Hbr. 12,2, und ist für den Christen dieses schmachvolle Marterwerkzeug zum Sinnbild des ganzen uns von Christo erworbenen Heils und damit auch der Mittelpunkt aller apostolischen Heilsverkündigung geworden, Gal. 6,14; 1 Kor. 1,17 f.; 2,2. Die Kreuzesfahne labarum (), wurde von Konstantin an die Hauptfahne der römischen Heere. —
3) Aber auch das Ungemach, insbesondere die Schmach und Verfolgung, welche die Christen um des Herrn willen, in seiner Nachfolge und in der glaubigen Gemeinschaft mit ihm leiden, wird als Kreuz, kreuzigen bezeichnet, Mt. 10,38; 16,24; Mk. 10,21; Luk. 14,27. Feinde seines Kreuz, kreuzigen sind die, welche es aus Leidensscheu ihm nicht nachtragen mögen, Phi. 3,18; Gal. 6,12. —
4) Wenn einmal Erleuchtete wieder abfallen, so ist es, als ob sie Christum abermals kreuzigten, Hbr. 6,6, das heißt sie beweisen dieselbe Gesinnung der Feindschaft u. Verachtung gegen Christum, wie die, welche ihn ans Kreuz, kreuzigen gebracht haben. —
5) Der alte Mensch, Röm. 6,6, das Fleisch, Gal. 5,24, ist bei den glaubigen Christen gekreuzigt, das heißt dem schmach- und schmerzvollen Tode verfallen, wird aber freilich erst allmählich durch das Fortschreiten in der Seiligung tatsächlich diesem Tod überliefert. Ähnlich Gal. 6,14: „Die Welt ist mir gekreuzigt“ usw., das heißt sie ist für mich tot und ein Gegenstand der Verachtung und ich ebenso für die Welt.