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Kraft

Kraft (ebräisch coach, seltener os, maos, chail, griech. dynamis).
1) Bezeichnung der ganzen göttlichen Lebensfülle, die sich in gewaltigen Taten und Werken offenbart. Auch die im Alten Testament am häufigsten gebrauchten Gottesnamen el, eloah, elohim haben diese Bedeutung, vgl. Gott. Im Neuen Testament steht Kraft oder Kraft Gottes geradezu für Gott selbst, Mt. 26,64; Luk. 22,69 (Christus wird sitzen zur Rechten der Kraft). Darum wird auch in den irdischen und himml. Lobpreisungen Gottes immer seine Kraft besonders hervorgehoben, so im Beschluß des Vaterunsers und in den himml. Lobgesängen, Offb. 4,11; 11,17; 12,10; 19,1. Er offenbart seine eigene Kraft in den Werken der Schöpfung, Röm. 1,20; durch seine große Kraft hat er die Erde geschaffen, Jer. 10,12; 27,5; 32,17; 51,15, die Berge festgesetzt, Ps. 65,7. Ebenso regiert er die Welt durch seine Kraft, Ps. 147,5; 1 Chr. 29,12; 2 Chr. 20,6; durch sie zertrennt er das Meer, Ps. 74,13, und lenkt die Gestirne, Jes. 40,26. Er erweist seine Kraft in Strafgerichten, 2 Mo. 9,16 (an Pharao), Na. 1,3, wie in gnädiger Hilfe, besonders bei der Ausführung Israels aus Ägypten, 2 Mo. 32,11; 4 Mo. 14,13; 5 Mo. 4,37; 9,26; 2 Kö. 17,36; Neh. 1,10, außerdem Ps. 21,14; Jes. 50,2. Bei Jahveh ist Kraft zu helfen und fallen zu lassen, 2 Chr. 25,8. Wie die erste Schöpfung, so wird auch die zweite, die Auferweckung der Toten, der Kraft Gottes zugeschrieben, Mt. 22,29; 1 Kor. 6,14. —
 2) Wie das Wesen Gottes selbst Kraft ist, so ist er auch die Quelle aller Kraft für die Menschen. Nur in seiner Kraft vermögen die Menschen etwas auszurichten, 5 Mo. 8,18; Ps. 27,1; 71,16; Jer. 16,19. Wer auf den Herrn harrt, auf ihn vertraut, bekommt immer neue Kraft, 2 Sa. 22,33; Jes. 40,29. 31, und zwar erweist sich Gottes Kraft am herrlichsten, wenn wir uns am schwächsten fühlen, 2 Kor. 12,9. —
 3) Der verheißene Messias wird angetan sein mit großer, ja mit göttlicher Kraft Er heißt Jes. 9,5 Kraftheld oder Gottheld, vgl. Jes. 63,1. daß Christus gesalbt war mit Geist und Kraft, bestätigt das Neue Testament, Apg. 10,38. In dieser Kraft heilt er Kranke, Luk. 5,17; 6,19; Mk. 5,30. Im Himmel lebt er in Kraft, 2 Kor. 13,4, und es sind ihm die himmlischen Kräfte untertan, 1 Pe. 3,22. Darum wird auch die Kraft des verherrlichten Gotteslammes von den Engeln besungen, Offb. 5,12. —
 4) Der h. Geist wird geradezu als die Kraft des Höchsten, Luk. 1,35, oder als Kraft aus der Höhe, Luk. 24,49, bezeichnet. Er ist es auch, durch welchen alle göttlichen Kräfte dem kreatürlichen Leben mitgeteilt werden. Er ist die Quelle, aus welcher das neue Leben der Glaubigen entspringt, Apg. 6,8 (Stephanus war voll Gnade und Kraft), Kol. 1,11; Eph. 1,19; 3,20. Das Mittel, dessen sich der h. Geist bei diesem Werk bedient, ist das Evangelium, das Wort Gottes, weshalb dieses selbst eine Gotteskraft genannt wird, Röm. 1,16; 1 Kor. 1,18. Darum kann auch Paulus sagen, daß er und seine Mitarbeiter gepredigt haben, nicht mit leeren Worten, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 1 Kor. 2,4; 4,19; 2 Kor. 6,7; 1 Th. 1,5. Und so soll auch der Glaube der Hörer nicht bestehen in menschl. Weisheit, noch weniger in leerem Schein, sondern in der Kraft, 1 Kor. 2,5; 2 Tim. 3,5, das heißt er muß in einem Gott geheiligten Leben seine Früchte bringen. Besonders wird durch die Kraft des Geistes die Hoffnung in den Glaubigen lebendig, Röm. 15,13. Als Kräfte werden aber auch die Wundergaben des h. Geistes bezeichnet, 1 Kor. 12,6; Röm. 15,19; Hbr. 2,4. Kräfte der zukünftigen Welt werden die Vorempfindungen himmlischer Herrlichkeit Hbr. 6,5 genannt. —
5) Die Kräfte im Himmel, wörtlich Heer des Himmels, Dan. 4,32, sind Engel; dagegen sind unpersönliche, himml. Kräfte 1 Pe. 3,22 u. Mt. 24,29 genannt. —
6) Ruben heißt 5 Mo. 21,17 Jakobs erste Kraft oder der Erstling seiner Kraft, weil er von ihm in der ersten Jugendkraft gezeugt wurde. —
7) Das Gesetz nennt Paulus 1 Kor. 15,56 die Kraft der Sünde, weil erst durchs Gesetz die im Menschen schlummernde Sünde aufgeweckt und der Widerstand gegen den göttl. Willen hervorgerufen wird, vgl. Röm. 7,7 ff.
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